Samstag, 30. November 2013

keine halben Sachen


Meine Tochter ist kein Fan von halben Sachen. Wenn sie etwas macht, dann mit vollem Einsatz, und was sie verhaut, das verhaut sie gründlich. Immer nach dem Motto: Wenn schon, denn schon, lieber zu viel als zu wenig.

Bevor sie laufen konnte, stand sie monatelang auf ihren Füßen. Wir hörten unzählige Male (von allen möglichen selbsternannten Experten auf dem Gebiet der frühkindlichen Entwicklung und Fortbewegung) die Prognose: „Nur noch ein paar Tage, dann läuft sie!“ Diese paar Tage vergingen, unsere Tochter stand, einige Wochen später, sie rührte sich nicht vom Fleck, noch ein paar Monate weiter, immer noch keine Veränderung. Dann eines schönen Tages, sie war inzwischen beinah eineinhalb, erhob sie sich vom Rasen und ging los, als sei nichts gewesen, schnurstracks die 20 Schritte bis zur Sandkiste. Ganz sicher hatte sie das heimlich geübt, und die Rechnung ging auf: der Show-Effekt war enorm.

Es gelingt ihr immer wieder, uns mit ihrem Verhalten zu überraschen, indem sie etwas völlig unerwartetes tut. Sie war schon beinah vier Jahre alt und hatte noch kein einziges Wort mit uns gesprochen. Die meisten Ärzte waren der Ansicht, dass sie geistig komplett umnachtet sei und gaben uns auch kaum Hoffnung auf eine gravierende Weiterentwicklung.

Eines Tages machten wir mit ihr in der Vorweihnachtszeit einen Einkaufsbummel. Wir kamen an einem Platz vorbei, auf dem ein kleines Karussell und einige Buden aufgebaut waren. Als unsere Tochter den Miniaturweihnachtsmarkt erblickte, streckte sie den Arm aus und zeigte mit ihrem Finger in die Richtung. Dann sagte sie laut und deutlich: „Karussell“. Ich schwöre, das war ihr erstes Wort. (Das zweite war übrigens 'Eisenbahn'). Der Knoten war geplatzt und seitdem hat sie quasi nicht mehr aufgehört zu reden.

Glücklicherweise ist dieses Extremverhalten nicht nur an positiven Perfektionismus geknüpft. Es funktioniert auch anders herum. Vor einiger Zeit wurde im Sachunterricht das Thema Wegbeschreibung durchgenommen. Sich trotz 'Google Maps' noch das Kartenlesen anzueignen empfand sie offenbar als nicht zwingend notwendig. Allerdings denke auch ich: Orientierungssinn wird im Zeitalter der Navigationsgeräte und -gerätinnen gnadenlos überbewertet.

Die Arbeit wurde eine glatte fünf, und ich kann nicht ohne Stolz sagen: Das hat sie von mir.

Donnerstag, 28. November 2013

frag doch mal...

Mein angeborener Hang, mich in jedem Fall angesprochen zu fühlen, hat mich dazu gebracht, die zehn Stöckchen des Paterfelis hechelnd zu apportieren, sprich seine Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten:

Frage 1: Wie sieht dein idealer Fernsehabend aus?

Wein, Chips, Tatort – und im 'Idealfall' schlafe ich nicht ein bevor er zu Ende ist


Frage 2: Hat dein Auto / Motorrad / Moped / Fahrrad einen Namen? Warum?

Nein, weder mein Auto noch mein Fahrrad haben einen Namen. Ich glaube auch nicht, dass sie kämen, wenn ich sie mit selbigem riefe.


Frage 3: James T. Kirk oder doch lieber Cliff A. McLane?

...sind mir beide unbekannt


Frage 4: Wie oft hast du den Herrn der Ringe gelesen?

Gar nicht – habe ich auch nicht vor, interessiert mich nicht, muss ich nicht mitreden.


Frage 5: Kennst du das befreiende Gefühl, bei einem Wutausbruch Gegenstände zu zertrümmern?

Leider kenne ich den Drang, Türen zuschlagen zu wollen, aber „befreiend“ würde ich es nicht gerade nennen. Ich würde mich lieber beherrschen können.


Frage 6: Kommt die originale und weltbeste Currywurst auch für dich aus dem Ruhrgebiet? Oder glaubst du das Märchen der Berliner, nach dem die Currywurst dort erfunden wurde?

Die beste „Currywurst“ kommt von Herbert Grönemeyer. Die zweitbeste von Martin Kiefert.


Frage 7: Lieber ein Wiener Schnitzel oder eher ein Schnitzel Wiener Art?

wurscht


Frage 8: Kein Weihnachtsmarkt ohne...?

Schmalzkuchen, Eierpunsch, Musik, stimmungsvoll dekorierte Buden


Frage 9: Hast du schon mal einen eigenen Blogeintrag bereut?

Nein. Obwohl ich mich immer wieder neu (er-)finde


Frage 10: Kannst du mir eine zehnte Frage vorschlagen? Welche?

Müssen es denn ums Verrecken 10 sein??



Okay, und damit es weitergeht, hier meine Fragen an euch:

  1. Für welche Süßigkeit/Sucht/Sünde würdest du nachts zur Tankstelle fahren?
  2. Hast du schon mal ein erhaltenes Geschenk weiterverschenkt? Welches und warum?
  3. Welchen Beruf würdest du gerne mal ausprobieren/erlernen?
  4. Für einen Tag wärst du gerne mal...?
  5. Wenn du etwas tun könntest, was du hinterher rückgängig machen könntest, was wäre das?
  6. Die Gedanken sind frei.... wem würdest du einen Blick in deinen Kopf gestatten, wenn du       
      jemanden nennen müsstest?
  7. Atlantik, Alpen oder Mittelmeer? Wo ist es am schönsten?
  8. Rotwein oder Weißwein?
  9. Du schreibst deine Biographie – wie heißt dein Werk?
10. Wen würdest du gerne mal treffen und was würdest du ihn/sie fragen wollen?

Mal sehen, was ich so alles über euch erfahre... :o)

Prima Ballerina

Ab wann ist Vergesslichkeit eigentlich legitim? Ich kann mich dunkel erinnern, einige Weihnachtsbestellungen online auf unterschiedlichen Seiten aufgegeben zu haben. Das meiste davon ist auch schon eingetrudelt. Heute nahm mein Sohn ein weiteres Päckchen in Empfang, wozu mir spontan nur eine Buchbestellung einfiel. Allerdings steht auf dem Karton "Ballerinas" und zwar "Leder". Hm... seltsam, was hab ich mir denn dabei nun wieder gedacht? Muss sich wohl um eine verdrängte Anwandlung von neuem Hobbywahn handeln. Oder wollte ich darin in Zukunft meine Joggingrunden drehen? Bei Schnee und Eis? Das könnte auch erklären, warum ich mir die Schuhe zwei Nummern größer bestellt habe, als meine Füße sie benötigen würden - bestimmt will ich darin noch zwei Paar dicke Wollstrümpfe tragen (hab ich die auch schon irgendwo geordert?).
Okay, ich reiß diesen Karton jetzt auf, anprobieren kann ich die Teile ja mal...

Ich muss gestehen, dass ich nicht nur verdammt erleichtert bin (doch kein Gedächtnisverlust) sondern auch noch extrem überrascht. Der ominöse Karton enthielt nämlich gar keine Ballerinas sondern eine Überraschung von meiner Freundin:
Einen Schokoladenadventskalender für unterwegs und einen Bastel-ausschneid-mal-eintunk-durchbohr... - Kalender für allmorgendliches Gehirn-in-Gang-Bringen.
Beide Kalender haben ihren Platz dort gefunden, wo ich sie morgens am ehesten finde, nämlich direkt neben der Kaffeemaschine (deren Weg ich am Anfang des Tages auf jeden Fall kreuze).
 
Und jetzt freu ich mich schon auf den ersten Dezember!

Dienstag, 26. November 2013

love love love


Daaaaaamals, zu Schulzeiten, also vor einigen Ewigkeiten, da durchlebte ich (unter anderem) eine Rosarote-Brille-Phase, auch bekannt als "verliebt in den Mathelehrer-Anwandlung".
Mit dieser Macke gekrönt, unterschied ich mich vermutlich nur nuanciell von den übrigen Mädchen meines Jahrganges, nur war mir das seinerzeit noch nicht bewusst.
Rückblickend quält mich allerdings die Frage, wie zum Henker ich damit fertig geworden bin, nur alle paar Tage mal eine Mathestunde lang vor mich hinschwärmen zu dürfen, und ansonsten so gut wie gar nichts über diesen Typen in Erfahrung bringen zu können.
Nahezu unvorstellbar scheint mir aus heutiger Sicht, dass ich seinen Namen nicht googeln konnte, es kein heimlich besuchbares facebook-Profil von ihm gab und er auch in keiner stayfriends-Datei auftauchte.
Ich erinnere mich daran, dass er mit einer Gruppe von Schülern im Rahmen eines Zirkusprojektes einen Jonglierauftitt beim Schulfest hatte - was meiner Bewunderung neue Nahrung gab, und mich zum Fan der entsprechenden Hintergrundmusik werden ließ. Ach, hätte es DIE doch damals schon als Klingelton gegeben...
Vermutlich blieben mir aber auf diese Weise so manche quälenden Details aus seinem Leben verborgen, die man ja immer meint, unbedingt wissen zu müssen, obwohl sie im Nachhinein betrachtet eher in die Kategorie "das sind Dinge von denen ich gar nichts wissen wihill.....♪ ♫ ♫ ♪ ♪" fallen. So entzieht sich bis heute meiner Kenntnis, ob, wenn ja mit wem, wie lange und wie oft er verheiratet war und welche Kleider seine jeweilige Braut getragen hat. Dafür konnte ich mir auch kein Bild von ihm im Anzug herunterladen - verschmerzbar!
Verliebt zu sein war damals NOCH spannender und aufregender als heute, und wenn man mal ganz mutig war, dann ist man abends heimlich an "seinem" Haus vorbeigefahren... ja, das Benzingeld kann man sich dank Google Earth heute dann auch sparen.

Montag, 25. November 2013

Ode an den Kaminsims


Mein Lieblingsmöbelstück ist unser Kachelofen. Und die uralte Kommode meiner Oma, die ich vor einigen Jahren selbst abgebeizt habe. Aber die strahlt keine so wohlige Wärme aus. Also doch der Kachelofen. Noch toller wäre es natürlich, wenn wir einen Kamin hätten. Nicht weil der uns hübsche Löcher in den Teppich brennen würde, sondern weil wir dann auch einen echten Kaminsims hätten, auf dem wir unsere Weihnachtskarten drapieren könnten. Mit der Zeit würden sich dann immer mehr Grüße dort aufreihen von all den Firmen, deren Dienste wir in den vergangenen 12 Monaten in Anspruch nehmen mussten. Auf diese Weise könnten wir noch einmal Revue passieren lassen, wofür wir eigentlich unsere ganzen Taler verprasst haben:

Ach guck, das Autohaus... ja richtig, der Heizungsmonteur.... stimmt ja, der neue Rasenmäher...

All die Dinge, die ich in meinem extra-langen Hinterkopf schon engagiert verdrängt hatte, riefen sich durch diese Weihnachtspost noch einmal in Erinnerung und ich könnte mich ein weiteres Mal inbrünstig darüber ärgern.

So ähnlich stellt sich das offenbar auch mein Chef, äh sorry, wie sagt man jetzt gleich, mein Babo vor. Deshalb betraut er mich alljährlich mit der anspruchsvollen Aufgabe, allen von ihm auserwählten Kunden eine Weihnachtskarte unserer Firma zukommen zu lassen. Unzählige Stunden verbringe ich jedes Mal mit dem Abgleichen der Dateien, dem Ausdrucken der Adressetiketten, dem Falten und Eintüten der Karten und dem Bekleben der Umschläge. Dabei gäbe es ganz sicher viele Organisationen, die sich über eine kleine Spende im Gegenwert dieser Aktion freuen würden. Und die Kunden vielleicht ebenfalls. Ich zumindest auf jeden Fall!

Samstag, 23. November 2013

erleben was verbindet


Es gibt Dinge, die kann nur ein Mann. Und ich rede jetzt nicht von den Vorteilen, die männliche Wesen auf Rastplätzen haben, weil sie im Stehen pinkeln können. Nein, heute ist mir aufgefallen, dass mein Mann sich strategisch so perfekt platzieren kann, dass er überall im Weg sitzt und alle wichtigen Stationen simultan blockiert. Und dabei sitzt er nur auf einem handelsüblichen Küchenstuhl und liest Zeitung. Das muss ihm erstmal einer – nein einE – nachmachen! Ich behaupte mal, eine Frau ist dazu nicht in der Lage, denn schon allein ihr angeborener devoter Platzmach-Instinkt verbietet es ihr, vorsätzlich wichtige Versorgungswege zu verstopfen und ihren Mitmenschen ein Hindernis zu sein.

Och nööö, liebe Männer, nicht gleich wieder eingeschnappt sein. Ich weiß, wir lästern viel zu oft über euch, aber ihr bietet uns auch immer so herrliche Anlässe :o)

SO gut im Weg sitzen/stehen/liegen kann sonst nur unser Bürohund. Der hat eine Stelle im Flur ausfindig gemacht, wo er, bei geschickter Positionierung seiner Gliedmaßen, gleich drei Türen UND eine Treppe gleichzeitig unpassierbar machen kann. Und davon macht er ausgiebig Gebrauch.

Keine Ahnung, ob auch mein Mann absichtlich diese Koordinaten besetzt, wenn ja dann ziehe ich meinen Hut – der Hund kann noch was von ihm lernen: Zwei Vorratsschränke, ein großer Küchenschrank, drei Schubladen, die Backofentür und der Kühlschrank. Dabei finden in unserer Küche bei rationaler Sitzplatzverteilung bis zu acht Personen bequem am Tisch Platz.



Ich gestehe, es gibt auch Dinge, die kann nur eine Frau. Zum Beispiel, sich Ewigkeiten über ein Thema auslassen, obwohl sie ganz was anderes erzählen wollte. Ich zum Beispiel wollte eigentlich berichten, was heute in meinem Postkasten lag. Aus einem an mich persönlich adressierten Umschlag zog ich eine blumenverzierte Karte, die ich erwartungsvoll aufklappte. Der Aufdruck „Es tut uns leid“ ließ schon vermuten, dass es sich wohl eher nicht um eine zwei Monate zu schnelle Geburtstagskarte handelte. Der Innentext informierte mich, dass die Telekom sich wahnsinnige Vorwürfe machte, weil sie mir in letzter Zeit nicht immer die zugesicherten Leistungen bieten konnte. „Es liegt uns sehr viel daran, Fehler wiedergutzumachen.“

Ist ja echt ne nette Geste, sich mit einem Blumengutschein bei mir zu bedanken – wo kann ich ihn denn einlösen? ...achso, es geht noch weiter: „Mit unserem SYMBOLISCHEN BLUMENSTRAUSS danken wir für Ihr Verständnis....“

Moment mal eben, VERSTÄNDNIS?? Hat da jemand was von Verständnis gesagt? Klar bin ich tolerant genug, eine kaputte Telefonleitung nicht zum Drama zu machen, meine Rechnung rigoros zu kürzen oder umgehend den Anbieter zu wechseln. Aber für einen SYMBOLISCHEN Blumenstrauß habe ich kein Verständnis. Und dann auch noch „unser“ Strauß, da hört man schon ein „er kommt mal wieder zum Einsatz“ heraus – wie praktisch, so ein wiederverwendbares Gebinde!

Pflegeleichter ist er ja, und ich musste noch nicht mal in den Vasenschrank kriechen – aber ich bitte euch, aufgemalte Blumen, sowas ist bei meinen KINDERN niedlich – für alle anderen gilt: Nicht lange drüber reden, sondern machen!

Was Herr Hoßbach, seines Zeichens Leiter im Kundenservice, wohl sagen würde, wenn es ab heute abend nur noch symbolischen S*x gäbe...

Donnerstag, 21. November 2013

ein Keks ist ein Keks ist ein Keks

Vor kurzem hab ich ja ganz neidisch auf diese Bikini- und Hinternkekse geschaut, um dann ebenso großmäulig wie unüberlegt zu verkünden, dass ich jetzt das männliche Pendant dazu erschaffen werde.
Nun, zum einen - und das kann durchaus als geltendes Argument angeführt werden - war das, BEVOR ich wusste: "Dein Sohn überwacht jeden deiner fotografischen Schritte!", was die Angelegenheit nicht gerade vereinfacht. Denn was nützen mir die schönsten Pimmelkekse, wenn ich sie euch nicht zeigen kann.
Das zweite Problem ergab sich, als ich vor ein paar Tagen ans Werk ging, um mich in dieser neuen Creation zu versuchen. Kaum war der Teig angerührt, wurden mir auch schon Küchenrolle und Ausstechförmchen aus der Hand genommen und vier kleine Hände machten sich über die zu verarbeitende Masse her.
Ein paar Teile durfte ich natürlich auch ausstechen, aber Zeit für intime Erwachsenenkekse blieb mir da nicht. Ich war ja schon froh, dass ich mein neu erworbenes Förmchen ausprobieren durfte:

 
Eben beim Naschen kam mir aber eine Idee - nennen wir es Kompromiss. Ein unscheinbares Foto, das mein Sohn ruhig in seiner Datei finden kann, denn es zeigt nur einen abgebrochenen (bzw. angenagten) Keks:
 
 
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...


Montag, 18. November 2013

ich glaub' nicht

Eigentlich wollte ich euch ja ganz was anderes erzählen, aber das muss jetzt warten. Als ich meinen besagten geplanten Eintrag sicherheitshalber noch mal durchs Rechtschreibprogramm gejagt habe, wurde Word natürlich fündig. Verständlicherweise stößt sich das Programm an dem Wort "stayfriends-Datei" - woher soll es auch so etwas neumodisches kennen.
Hier bei uns im streng religiösen und erzkatholischen Norden wird der Verfasser umgehend vor andere Wahlmöglichkeiten gestellt. Vorschläge: "staatenübergreifend" (was ja Sinn macht, obwohl man sich bei stayfriends für jedes Land neu anmelden muss), "Staldenried-Datei" (da muss ich leider passen, werde es aber bei Gelegenheit googeln) und nicht zuletzt "Mariendarstellung" stehen zur Wahl. Ob die mir auch in diesem Fall weiterhelfen kann, wage ich zu bezweifeln, aber der Glaube versetzt ja zuweilen Berge...

Sonntag, 17. November 2013

the secret of silence...

... is too secret to tell

Ich weiß, ich schulde euch noch die Erklärung für das plötzliche Verstummen unseres Telefons. Gestern sollte der Techniker hier erscheinen, zwischen 12 und 16 Uhr. Doch niemand tauchte auf, keiner rief mich (auf dem Handy) an, weder erreichte mich eine entschuldigende Absage noch die Information, der Schaden sei behoben.
Um 16 Uhr hakten wir dann doch mal bei der Störungsstelle nach und erfuhren, dass der Monteur bereits gegen 12 Uhr in unserer Straße gewesen war. Der Anblick des Schaltkastens hat ihn aber offenbar derart desillusioniert, dass er sofort einen Bautrupp orderte, da es sich wohl um einen größeren Schaden an den Leitungen handelt. Die Arbeiter haben es augenscheinlich gestern nachmittag nicht mehr geschafft, und es hat auch niemand für nötig gehalten, uns zu informieren, damit wir das Warten hätten einstellen können.
Am Montagmorgen soll ein neuer Versuch gestartet werden, es muss aber niemand an unseren Anschluss. Also noch ein Weilchen Ruhe bei uns.

Gestern habe ich natürlich akribisch das Display des Telefons überwacht, das einen eingehenden Anruf zumindest mit einem Aufleuchten signalisiert. Wenn man schon nichts hören kann, muss man eben auf die optischen Reize zurückgreifen. Nachdem ich unter der Last dieser zusätzlichen Aufgabe bereits zahlreiche Löcher in diverse Kleidungsstücke gebügelt hatte, machte sich tatsächlich ein eingehender Anruf blinkend bemerkbar. Naiverweise erwartete ich einen Mitarbeiter der Telekom am Apparat - ich hätte ahnen müssen dass es nur meine Mutter sein konnte. Sie wusste, dass wir einen Anruf erwarten und konnte nur mit Mühe ihre diebische Freude verbergen, die ihr der Anruf bereitet haben muss. Aber noch besser war ihr erster Satz: "Ach, geht das Telefon wieder?"
Erinnerte mich irgendwie entfernt an den Anruf meiner Schwiegermutter, eines Sonntagmorgens um 7 Uhr. Das ganze Haus schlief noch, mein Mann schreckte hoch, rannte zum Telefon und wurde mit dem Satz empfangen: "Ach, seid ihr doch schon wach?"
Hoffentlich werde ich nicht irgendwann auch so....

Donnerstag, 14. November 2013

einer von zweien


Vor einigen Jahren habe ich beim Chatten meinen Freund Ben kennengelernt. Er hatte ein kleines Geschäft, nur etwa 15 km von hier, wo wir uns öfter trafen um zu quatschen - „auf einen Kaffee“, wie er immer so schön sagte. Da er seinen Laden immer erst nachmittags für die Kundschaft öffnete, konnten wir die Vormittage ungestört verbringen, zusammen frühstücken, spazierengehen, unsere Männer- bzw. Frauenprobleme durchleuchten und hemmungslos herumblödeln, während eine Kanne Kaffee nach der anderen durch die Maschine röchelte. Mit Ben gab es immer was zu lachen, er hatte eine nie versiegende Quelle von Geschichten auf Lager, die er stets mit vollem Körpereinsatz zum besten gab. Da wir nicht nur unseren Hang zu komplizierten Beziehungen sondern auch unseren Humor teilten, verflogen diese Stunden stets rasend schnell, aber ich ging jedes Mal mit dem Gefühl nach Hause, meine rar bemessene kostbare freie Zeit ausgezeichnet investiert zu haben.

Irgendwann kam, was absehbar gewesen war, und Ben verliebte sich über beide Ohren – in Lena. Lena wohnte ein gutes Stück entfernt, sodass er sie nur an den Wochenenden sehen konnte. Da er aber inzwischen zwei Nebenjobs angenommen hatte, die er an den Vormittagen ausübte, und ich dafür an den Nachmittagen von meinen Kindern in Beschlag genommen wurde, hatten wir immer seltener Gelegenheit, uns zu treffen. Einmal lud er mich abends zu sich nach Hause ein und kochte für uns. Dieser Abend ist mir in besonders schöner Erinnerung – es sollte unser letzter gemeinsamer Abend sein.

Ich habe noch versucht, den Kontakt per Mail aufrecht zu erhalten, aber Ben hat sich nicht mehr wieder bei mir gemeldet. Ich hatte die Befürchtung, seine Freundin könne eventuell auf mich eifersüchtig sein, und ich wollte auf keinen Fall seine neue Beziehung gefährden, also habe ich mich zurückgezogen, auch wenn es mir schwer gefallen ist. Ich war wohl auch ein wenig gekränkt, weil ich einfach so kommentarlos entsorgt worden war – ausgedient und abgelegt. Aber ich habe Ben sein Glück viel zu sehr gegönnt, um ernsthaft böse zu sein, und ich habe lange Zeit einfach geglaubt, er würde sich schon wieder bei mir melden, früher oder später. Er hat es nicht getan. Nie wieder. Denn Ben ist nur wenige Wochen nach unserem letzten Treffen gestorben. Ganz plötzlich und überraschend mit nur 39 Jahren.

Da ich aus seinem Freundes- und Familienkreis niemanden kannte, habe ich davon rein zufällig erfahren, und erst sehr viel später. Ich war zutiefst geschockt, es hat mir, wie man so schön sagt, den Boden unter den Füßen weggerissen. Und ich habe mir schwere Vorwürfe gemacht, weil ich Ben einfach so aufgegeben hatte, weil ich unserer Freundschaft nicht genug zugetraut hatte, weil ich mir hatte vorstellen können, dass er mich einfach so fallenlässt.

Dann hatte ich eines Nachts einen Traum. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die an Übersinnliches glauben, an Zeichen aus dem Jenseits oder an ein Leben nach dem Tod. Aber dieser Traum war sehr real und er hat mir zumindest Trost gegeben. In meinem Traum lag ich im Bett und schlief, als am Fußende des Bettes plötzlich Ben auftauchte und an meiner Decke zog. Ich konnte die Decke erwischen und zog sie wieder zu mir hoch, aber er zupfte und zerrte erneut daran. Das ging ein paar Mal hin und her, bis ich in Gelächter ausbrach. Ich wachte auf von meinem eigenen Lachen, und ich dachte: Er will nicht, dass du traurig bist.

Und als ich mir selbst verziehen hatte, entstand ein Platz für meine Trauer. Plötzlich tauchten vor meinem inneren Auge all die schönen Bilder und Erinnerungen wieder auf, die Ben zu dem machten, was er für mich war: ein großartiger Freund.

'Einer von zweien'... musste viel zu früh gehen.

Ich wüsste gerne, woran du dich erinnerst.

Danke für deine wunderbare Freundschaft.
 

Mittwoch, 13. November 2013

Tweeties gestörtes Nestwerk


Ruhe im Karton. Hach, herrlich. Unser Telefonanschluss spinnt. Niemand kann mir auf den Wecker gehen! Das Telefon registriert zwar eingehende Anrufe, allerdings nur still und heimlich. Es klingelt nicht, sondern blinkt lediglich hinterher, um einen verpassten Anruf anzuzeigen.

Das war gestern schon ziemlich lustig und auch ein wenig verwirrend. Mittags zeigte mir unser Apparat zwei entgangene Anrufe an. Die Festnetznummer habe ich dann zurückgerufen, aber die nette Frau konnte sich nicht erinnern, mich angerufen zu haben. Sie meinte, sie hätte sich wohl verwählt. Eine halbe Stunde später blinkte das Telefon erneut, wieder ihre Nummer. Am Nachmittag dann noch zwei Mal, und ein weiteres Mal ihre Handynummer. Mein Mann rief sie dann nochmal an, und es war ihr bereits merklich unangenehm. Sie wollte eigentlich mit „Herrn Maschmann“ sprechen und hatte diesen auch schon etliche Male unter der gewählten Nummer erreicht. Gestern jedoch hatte sie immer wieder uns in der Leitung. Nach dem Gespräch mit meinem Mann hat sie sich dann kein weiteres Mal getraut, es zu versuchen. Dennoch signalisierte das Gerät nach einigen Minuten einen weiteren verpassten Anruf. Ich rief bei der angezeigten Nummer an, und es meldete sich... „Herr Maschmann“. Zunächst war ich etwas irritiert, da ich glaubte, unseren Nachbarn in der Leitung zu haben. Der heißt nämlich auch so (logisch, sonst käme ich ja nicht auf die Idee, das zu glauben...). „Herr Maschmann“ beteuerte, nicht bei uns angerufen zu haben. Hm, seltsam. Ich quatschte ihn dann noch ein bisschen voll – man kennt sich ja unter 'Nachbarn' (oh Gott wie peinlich, der muss geglaubt haben, ich bin geistesgestört, erst zu behaupten, er hat mich angerufen, und ihn dann gleich dichtzuquatschen!) - um mir nach dem Auflegen darüber klar zu werden, dass es sich bei meinem Gesprächspartner um DEN „Herrn Maschmann“ handelte, den unsere penetrante Anruferin gern erreicht hätte. Mittlerweile war die Verbindung dann aber schon so gestört, dass wir davon abgesehen haben, sie nochmal anzurufen. Vermutlich hätte sie uns eh nicht geglaubt :o)

Heute morgen hab ich versucht, die Telekom von der Störung in Kenntnis zu setzen. Mit einer Bandansage zu kommunizieren ist doch immer wieder ein Erlebnis.

„Möchten Sie die Störung gleich hier in unserem System melden oder möchten Sie zu einem unserer Servicemitarbeiter durchgestellt werden?“

„Gleich hier im System“

„Sie müssen sich schon entscheiden. Sie haben zwei Möglichkeiten. Sie können die Störung gleich hier im System melden oder mit einem unserer Servicemitarbeiter verbunden werden. Möchten Sie die Störung gleich hier im System melden oder möchten Sie mit einem unserer Servicemitarbeiter verbunden werden?“

„Hier im System melden“

„Bitte warten Sie, wir stellen Sie zu einem unserer Mitarbeiter durch, sobald ein Platz frei wird!“

Auch gut, ich dachte ja nur, ich soll mich entscheiden...

Viel habe ich dann von dem Gespräch mit der Servicemitarbeiterin nicht mehr verstanden, nur soviel, dass sie einen Techniker zu uns rausschicken. Am Samstag – also noch volle drei Tage Ruhe!

Viel mehr kann man von der Telekom wirklich nicht verlangen...

Dienstag, 12. November 2013

Tweety platzt der Kragen


Wenn ihr mich fragt, ich würde mich als toleranten Menschen bezeichnen, der seinen Mitmenschen jede Macke zugesteht – insgeheim erhoffe ich mir davon natürlich auch, dass man mich so sein lässt wie ich bin :o)

Doch wie das im Leben so ist, muss man zuweilen auch mal seine eigenen Prinzipien über Bord werfen. Heute habe ich beschlossen, dass mein Kollege ein widerliches, hinterhältiges, verlogenes kleines A******** ist. Nicht dass mir das bisher entgangen wäre, ich habe es nur nicht direkt wahrhaben wollen. Immer naiv an das Gute im Menschen glaubend, habe ich ihn gedanklich stets in Schutz genommen und sein Verhalten so für mich selbst entschuldigt.

Aber heute war dann das Maß voll – und zwar gestrichen! Auf meine Fragen gibt er mir keine oder allenfalls sehr vage, eher ausweichende Antworten. Taucht dann der Chef auf, ist er plötzlich bestens informiert, gibt bereitwillig Auskunft und rutscht auf seiner eigenen Schleimspur aus. Bisher war ich einfach jedes Mal wieder vollkommen überrumpelt und stand daher ewig wie ein sprachloser Volltrottel da, aber beim nächsten Mal lasse ich ihn auflaufen – zumindest habe ich mir das ganz fest vorgenommen!

Was mittlerweile gang und gäbe im beruflichen Alltag ist, war mir bis vor kurzem völlig unbekannt. Für mich galt es stets als Selbstverständlichkeit, seinen Kollegen zu helfen und sich gegenseitig zu unterstützen. Mobbing war für mich eher ein Modewort – so etwas gab es vielleicht in anderen Betrieben, aber doch nicht bei mir. Ja, schön blöd! Man lernt nie aus...

Oh man, bin ich wütend auf diesen Idioten!

Unsere Absprachen untereinander sind absolut notwendig und basieren nicht auf meiner Unwissenheit, sondern rühren lediglich daher, dass wir unterschiedliche Aufgabenfelder bearbeiten.

In Zukunft werde ich keinen Zweifel mehr daran lassen, dass ich ihn bereits (ergebnislos!) befragt habe, bevor ich mich an den Chef wende. Und falls er wieder einmal mit einer plötzlichen Eingebung gesegnet sein sollte, werde ich ganz bestimmt nicht vergessen, meiner Verwunderung darüber Ausdruck zu verleihen.

Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht auf dasselbe Niveau herablasse... und dabei würde ich so gerne mal bei ihm Zahlenfee spielen und ein bisschen was durcheinanderwirbeln.

Montag, 11. November 2013

Bitte warten - das Problem wird bearbeitet...


Manchmal fungiere ich ja auch als Beschwerdestelle bei Sorgen, für die sich niemand sonst verantwortlich fühlt. Mein Sohn beklagte sich kürzlich bei mir, wie ungerecht es doch sei, dass sich immer nur Mädchen in ihn verlieben, in die er nicht verliebt ist, wohingegen keine der von ihm Angebeteten seine Gefühle erwidert.

Nun hat man ja mehrere Möglichkeiten, auf diesen Vorwurf zu reagieren.

A) Die philosophische Variante:

Weißt du was, mein Sohn, hüte dich vor deinen Wünschen, denn sie könnten in Erfüllung gehen!“

Schwer vorstellbar, dass er damit etwas anfangen kann und sich mit einem „Puh, jetzt geht’s mir schon gleich viel besser!“ bei mir bedankt.


daher B) Die biologische Variante:

Die Natur weiß eben viel besser, wer zusammen passt und wer nicht. Vielleicht könnten deine Traumfrau und du keine gesunden Kinder bekommen...“

An dieser Stelle dürfte ich mir wieder anhören, wie eklig ich doch bin und dass ich immer nur an Sex denke. Also besser den Mund halten.


vielleicht C) Die pragmatische Variante:

that's life, Kumpel, das Leben ist nur selten geneigt, uns die sehnlichsten Wünsche zu erfüllen.“

Ob mein Schulterzucken allerdings als ausreichendes Interesse an seinen Sorgen gewertet würde, bleibt zweifelhaft.


Ich könnte mich auch in Phrasen flüchten (andere Väter haben auch schöne Töchter) oder ihm versichern, dass ein Mädchen, das ihn nicht haben möchte, schon ganz schön blöd sein muss.


Aber bevor ich noch dazu komme, ihm meine wohldurchdachte Antwort zu servieren, ist mein Sohn schon beim nächsten Problem angelangt:

Wenn ich nicht geplant war, warum habt ihr dann eigentlich keine Kondome benutzt?“

Samstag, 9. November 2013

home Tweet home

Mittagszeit im Blockvogelnest, heute gab es Kohl und Pinkel. Die sich allmählich füllenden Mägen regen bei meinen Kindern immer die Gedankenströme in besonderer Weise an. So lausche ich andächtig ihrer Unterhaltung. Den Einstieg hab ich irgendwie verpasst, aber es scheint um Kinofilme und Schauspieler zu gehen. Mein Sohn fragt seine Schwester: "Was würdest du zu Till Schweiger sagen, wenn du ihn treffen würdest?"
[Hm, also ich für meinen bescheidenen Teil müsste da zunächst gründlich überlegen, denn eigentlich gibt es nichts, das ich ihm schon immer mal an den Kopf knallen wollte, und auch keine fehlenden Informationen, die ich dringend in Erfahrung bringen möchte.]
Aber meine Tochter ist für solche Situationen stets gewappnet und antwortet wie aus der Pistole geschossen und mit einer Selbstverständlichkeit, die die Wahrscheinlichkeit einer solchen Situation unterstreicht: "Dass er ein attraktiver Mann ist und eine Granate im Bett!"
An diesem Punkt beschließe ich, dass es an der Zeit ist, sich mal kurz ins Gespräch einzumischen: "Aha, was heißt das denn, eine Granate im Bett?" frage ich von Neugier gepeinigt. Die Antwort kommt prompt und lässt keine Fragen offen: "Na, dass er lange schläft!"
Okay, dann weiß ich das jetzt auch...

Und dabei hat sie noch vor kurzem - ebenfalls beim Essen - verkündet: "Mama, bald haben wir Sexualkundeunterricht, das ist sooo eklig! Muss ich da wirklich hin? Ich weiß doch schon wie Sex geht!"
Ich hab dann mal genauer nachgefragt, ob sie mich eventuell an ihrem Wissen teilhaben lassen könnte. Sie konnte.
"Also, ein Mann und eine Frau legen sich zusammen ins Bett. Aber es ist ganz wichtig, dass beide nackt sind!"

Unschlagbar....

erschwerte Bedingungen


Vor einigen Monaten haben wir uns auf die Suche nach einem neuen Lieblingsrestaurant begeben. Die Gaststätte um die Ecke – bisher „unser“ Grieche getauft – hatte nach mehrmaligem Besitzerwechsel, stetigen Preiserhöhungen und sich entgegengesetzt dazu entwickelnder Speisenqualität einen extremen Abwärtsknick in unserer persönlichen Sympathiekurve zu verzeichnen. Also probierten wir ein Restaurant im Nachbarort aus, frisch renoviert, gemütlich eingerichtet, tolle Speisekarte, freundliches Personal, und dieser Wein....

Wir hatten gerade unsere Nasen in die Speisekarten gesteckt, als erneut eine Bedienung an unseren Tisch trat, um uns über zusätzliche Gerichte zu informieren. Sie leierte diese aktuellen Spezialitäten mit monotoner Stimme in halsbrecherischer Geschwindigkeit und mit einem zweifellos sehr sexy aber trotzdem leider recht schwer verständlichen Akzent herunter, und uns blieb nur, uns so gut es ging das Grinsen zu verkneifen. Am Ende haben wir uns höflich für ihren kleinen Vortrag bedankt und unsere Gerichte aus der Karte gewählt.

Es dauerte nicht lange, da tauchte die Kellnerin erneut auf, und zwar am Nachbartisch, wo sich das Prozedere wiederholte. Halbgriechisch anmutender Singsang von unverständlichem Kauderwelsch gespickt mit einigen Nahrungsbegriffen, die man irgendwo so ähnlich schon mal gehört hatte. ….gebrrrratene Rrrrinderrrfilet.....Pfifferlieeengäh..... Pohmäss...

Wir grinsten. Die Gäste am Nebentisch rissen sich zusammen. Die Frau redete, guckte in die Runde und vollendete ihren Monolog ohne mit der Wimper zu zucken, bevor sie unverrichteter Dinge wieder abzog, ratlose Blicke zurücklassend...

Am vergangenen Wochenende haben wir erneut dieses Lokal gewählt – never change a winning team.... or a good restaurant :o)

Nach der Entgegennahme der Speisekarten gerieten wir in eine Zeitschleife, man könnte es auch als déjà-vu-Erlebnis deklarieren. Meine Augen hatten sich soeben am ersten Gericht festgesogen, ich schwelgte bereits in Erinnerungen an Schafskäsesoßen, Rucolasalate und Ouzo, als mich eine altvertraute Stimme aus meinen Tagträumen riss: Hoite wir haben eine Spesialitääte von de Sweinefileee mit Krokette, Bratkartoffel oder Pommäss...

Als bekennender Freund des gepflegten running gag muss ich zugeben, dass mich dieser Auftritt eiskalt erwischt hat. Mein einziger alles beherrschender Gedanke war: Du.darfst.jetzt.auf.gar.keinen.Fall.lachen.!!

Zudem war ich mir der Tatsache bewusst, dass mein Sohn neben mir mindestens ebenso gegen ein unkontrolliertes Losprusten anzukämpfen hatte. Ich durfte ihn unter keinen Umständen ansehen.

Die Ansprache schien kein Ende zu nehmen, ich nahm ab und zu mal vage das Wort „Pfifferlinge“ wahr – vielleicht sagte sie aber auch: Jetzt reißt euch doch mal zusammen, albernes Pack!

So unvermittelt wie sie aufgetaucht war, verschwand sie aber schließlich auch wieder. Schüttelt ruhig vor Unverständnis eure Köpfe, schimpft uns albern oder – wie mein Mann – unmöglich. Mein Sohn und ich haben Tränen gelacht, und fast unter'm Tisch gelegen.

Eigentlich sehr schade, man kann dort sehr sehr gut essen, aber diese Show werde ich wohl kein weiteres Mal überleben... beinah ein Grund, nicht wieder hinzugehen.

Freitag, 8. November 2013

Zug um Zug

Nun hab ich mich doch tatsächlich dazu animieren lassen, auch wieder einmal in den Zug zu steigen, der in meine Vergangenheit fährt. Seitdem ich einige Einträge hier gelesen hatte, stand er vor meiner Tür und hat darauf gewartet, mich mitzunehmen. Zuerst hab ich ihn ignoriert, dann wollte ich ihn wieder wegschicken – aber er ist mit weit geöffneten Türen beharrlich stehen geblieben – kein Wunder, wen hätte er auch sonst mitnehmen sollen!? Schließlich hab ich Zeit gefunden, mich hineinzusetzen und von ihm mitnehmen zu lassen auf diese ungewöhnliche Reise. Das Schienennetz ist ja nun schon nicht mehr das Neueste, und so manche Strecke holperte ordentlich, einige Gleise lagen noch ganz frei, weil sie noch nicht so alt sind oder häufiger mal benutzt wurden, wieder andere waren völlig zugewuchert und man konnte nicht mal erkennen, wohin sie führten. An manche Abzweigungen konnte ich mich kaum noch erinnern, aber je weiter wir fuhren, umso mehr fiel mir wieder ein.
Die erste Weiche leitete den Zug Richtung Frankreich, eine meiner frühesten Erinnerungen an die Anziehungskraft des männlichen Geschlechts. Im Rahmen eines Austausches vom Tennisclubs wohnte ich zwei Wochen bei einer französischen Familie mit zwei Töchtern in meinem Alter. Bei den gemeinsamen Ausflügen und Feiern hab ich ihn dann kennen gelernt – und war total genervt. Er ist mir einfach nicht mehr von der Seite gewichen und hat mir stundenlang irgendwas erzählt. Damals konnte ich ja nicht wissen, was Charme ist, aber von den Erinnerungen an ihn kann ich wenigstens noch zehren :-) Natürlich war das eine chancenlose Geschichte, uns trennten an die Tausend Kilometer, und wir haben uns danach noch genau ein einziges Mal wiedergesehen, weil er mit seiner Familie kurz in unserer Nähe Freunde besuchte. In seinen Briefen hat er mir Gedichte geschrieben, und natürlich hab ich durch meine rosarote Brille ziemlich unrealistische Träume geträumt... die sich nie erfüllt haben. Ich habe ihn vor einigen Jahren bei „copains d'avant“ ausfindig gemacht, so dass wir noch ein kleines gemeinsames Revival hatten, aber das war's dann auch schon. Nix mit l'amour...
Zurück auf dem Hauptgleis entdecke ich einige Zeit später einen Abschnitt, der mir irgendwie bekannt vorkam und ich bedeute dem Lokführer, dort entlangzufahren (auf dieser Art Strecke geht so etwas!). Nach einiger Zeit wird mir bewusst, welchen Weg wir nehmen: er birgt die Erinnerung an einen sehr guten Freund, mit dem ich mich immer so wunderbar verstanden habe, stundenlang dummes Zeug quatschen konnte und der mich sooooo oft zum Lachen gebracht hat. Mehr nicht – zu seinem Leidwesen, denn er hat sich irgendwann bis über beide Ohren in mich verknallt. Ich war zu dieser Zeit eigentlich jedes Wochenende mit meiner Freundin in der einzigen Disco weit und breit. Da sie in unmittelbarer Nähe gewohnt hat, habe ich manchmal auch dort übernachtet, vornehmlich dann, wenn ihre Eltern nicht zuhause waren. Ich hatte einen Schlüssel, so dass wir nicht unbedingt gemeinsam zurück mussten. Eines Sonntagmorgens wurde ich von ihrem Gezetere wach, sie hätte mir doch deutlich gesagt, ich solle meine Schuhe unten ausziehen, nun sei in der ganzen Wohnung der Dreck und sie müsse alles putzen. Leicht verwirrt blickte ich auf meine Schuhe die brav und ordentlich unten an der Treppe standen, dann auf die vielen Dreckabdrücke in Flur und Bad und auf der Treppe. Wir sahen, dass jemand durch das Kippfenster oben im Bad ins Haus geklettert war und dieses offenbar unten durch ein weiteres Fenster wieder verlassen hatte – da die Haustür abgeschlossen war. Meine Freundin legte einen Sprint Richtung Wohnzimmerschrank hin, um zu überprüfen, ob das Tafelsilber noch da war – wir müssen heute noch darüber lachen. Denn kurz danach fanden wir eindeutige Beweise: mein Verehrer war über das Dach ins Haus geklettert, hatte sich ins Zimmer meiner Freundin gesetzt (wo ich selig schlief) und mir einen Liebesbrief geschrieben. Damals hatte ich offenbar noch einen sehr gesunden Schlaf :o)
Die nächste Weiche ist schon eingestellt, der Zug fährt Richtung „der Erste“. Naja, der Erste eben... Er war ein Weiberheld, ein Spinner und ein Alkoholiker. Hurra! Und ich passte so gar nicht in seine Kartei. Sein Freundeskreis hat monatelang versucht, mich weg zu ekeln, aber er war sehr beharrlich und hat sich sogar von ihnen abgewendet. Was keine wirkliche Rolle spielte, denn wir hatten ohnehin keine Chance. Meine Eltern stemmten sich sehr vehement gegen diesen Mann, und einmal musste auch er den Weg übers Dach nehmen – allerdings nach unten – um nicht von meinem Vater erwischt zu werden. Ich habe ihn nach ca. 10 Jahren noch ein einziges Mal getroffen und mich ganz kurz mit ihm unterhalten. Ich befand mich gerade in einer absoluten Umbruchphase, hatte die Trennung von meinem ersten Mann hinter mir und war dabei, mir ganz allmählich über einige Punkte in meinem Leben klar zu werden. Er hatte sich nicht verändert. Na vielleicht trank er noch mehr. Weitere 10 Jahre später, vor einigen Monaten, las ich in der Zeitung, dass er gestorben ist. Einer seiner Freunde hat unter die Anzeige im Internet geschrieben: „Mach da oben weiter Party.“
Der Zug fuhr um eine Kurve, hinter der die Schienen plötzlich ziemlich frei wurden. Hier war ich vor nicht all zu langer Zeit noch einmal gewesen, als ich nämlich eine Geschichte von meinem letzten Klassentreffen erzählt habe. In der 11. oder 12. Klasse war ich in einen meiner Mitschüler verliebt – bei ihm war ich mir nie ganz sicher. Mal machte er sich ganz offensichtlich an mich heran, dann zog er sich plötzlich wieder zurück. Zuerst dachte ich, es sei ihm „nur“ vor den anderen peinlich, aber bald merkte ich, dass er immer unsicherer wirkte, und so hörte ich auf, ihm hinterherzulaufen. Sein bester Freund hat sich lange mit mir darüber unterhalten, was das denn sei zwischen uns und warum wir das irgendwie nicht richtig auf die Reihe bekämen, aber ich war dermaßen ratlos, dass ich es nicht mal schaffte, ihn selbst danach zu fragen. Natürlich gab ich mir die Schuld und fühlte mich mal wieder völlig unzulänglich und hässlich. 20 Jahre später erfuhr ich bei einem Klassentreffen, dass mein damaliger Beinah-und-doch-nicht-Freund nach der Schule eine sehr lange und intensive Beziehung mit einem Mann geführt hat. Er ist ganz einfach nur schwul, war damals aber, wie ich vermute, noch nicht so weit, sich das einzugestehen.
Zu meiner illustren Runde gehört auch ein weiteres Exemplar, wie der Montag zur Woche. Da ich mir vorgenommen habe, nichts Vergangenes zu bereuen, sehe ich diesen Teil meines Lebens einfach als einen Abschnitt, der zur Rettung meiner desolaten Ehe erforderlich, na gut zumindest hilfreich war. So paradox das vielleicht klingen mag. Ich bleibe also im Zug sitzen, der nun auf ein Gleis wechselt, das wohl nicht unbedingt hätte gebaut werden müssen. Vor einigen Jahren hat es einen Mann in meinem Leben gegeben, der meine bisherigen Auffassungen und Grundsätze ziemlich ins Wanken gebracht hat. Um meine Ehe stand es zu diesem Zeitpunkt nicht gerade zum besten, wir hatten dem Alltag freie Bahn gelassen und uns wenig bis gar nicht mehr umeinander gekümmert. Dafür gab jeder dem anderen die Schuld – was das Graben in fremden Gärten wohl irgendwie rechtfertigen sollte. Durch das Zugfenster sehe ich altbekannte Kulissen vorbei sausen, Bilder einer federleichten Schönwetterbeziehung, die keine war und auch keine sein durfte. Ausgerechnet ich, die sich immer über außereheliche Affären ereifert hatte, war dabei, mich in einen anderen Mann zu verlieben, der es mit der Treue ebenfalls nicht so genau nahm. Die Sache nahm einen Lauf, der wirklich jedem Klischee gerecht wurde, und endete schließlich entsprechend. Für mich war irgendwann klar, dass ich einen Neuanfang mit meinem Mann wollte, der uns glücklicherweise auch gelungen ist. Der damalige Mann scheint sich bis heute nicht mit seinen Handlungen und Denkweisen auseinander gesetzt zu haben, und schmachtet mich sinnloser und aussichtsloser Weise noch immer aus der Ferne in seinen Mails an. Es gelingt mir auch nicht, ihm klarzumachen, wie absurd sein Verhalten ist und in welchem Widerspruch seine Worte zu allem stehen.
Da das aber nicht mehr mein Problem ist, lasse ich den Zug umkehren, und nach einer Weile rollt er wieder am Bahnhof ein, genau hier, mitten in meinem Leben, das sich gerade genau richtig anfühlt und gut ist, so wie es ist. Hier steige ich gerne wieder aus!

Donnerstag, 7. November 2013

Date

Heute wäre meine Oma 115 Jahre alt geworden. Sie hat in einer Zeit voller bahnbrechender Erfindungen und Ereignisse gelebt - die Erforschung des Penicillin, zwei Kriege, zwei Jahrhundertwenden und eine Jahrtausendwende, der erste Flug zum Mond...

Vor zwölf Jahren ist sie gestorben, kurz vor der Geburt unseres Sohnes, ihres vierten Enkelkindes.

So erlebte sie auch nicht mehr mit, wie wir an ihrem Geburtstag heute vor elf Jahren bei einer Zwangsversteigerung den Zuschlag für unser Haus bekamen.

Dieser Entscheidung folgten viele Wochen voller Ungewissheit, Aufregung und Schwierigkeiten.

Die Familie, die das Haus bis dahin bewohnt hatte, weigerte sich auszuziehen, so dass es schließlich zwangsgeräumt werden musste. Zu diesem Termin wurden wir als neue Eigentümer vom Gerichtsvollzieher vor Ort bestellt, hatten mit anzusehen, wie die Kinder ihr zuhause verlassen mussten, zahllose Tiere ins Tierheim verfrachtet wurden und das gesamte Hab und Gut der Familie in Umzugswagen verladen und abtransportiert wurde. Kein schönes Gefühl.

Die Familie hatte sämtliche Alarmsignale ignoriert, alle Hilfsangebote ausgeschöpft und nicht mehr auf die gutgemeinten Ratschläge der Ämter reagiert.

Wir hatten unser altes Haus bereits verkauft und standen so gut wie auf der Straße, ich war mit unserer Tochter schwanger, unser Sohn war eineinhalb. So ähnlich müssen sich Maria und Joseph gefühlt haben :o)

Es war inzwischen Anfang Januar, als wir unser Haus zum ersten Mal betreten durften. Bis Ende Februar haben wir uns dann mit den Renovierungsarbeiten ins Zeug gelegt. Damals gab's ja noch keine Tine Wittler, und auch auf Enis Hilfe mussten wir verzichten. Trotzdem war die Bude ständig voll, denn irgendwer hatte immer Zeit, mal schnell ein paar Tapeten abzureißen, die Fliesen zu schrubben oder die Küchenschränke auszuwischen. Mit meinem inzwischen geradezu monströsen Bauch war ich leider keine allzu große Hilfe mehr.

Nach zwei Wochen im neuen Heim kam unsere Tochter auf die Welt – perfektes Timing sozusagen.

Rückblickend haben wir eine Menge Glück gehabt, das hätte auch alles ganz anders ausgehen können. Wir haben ein schönes Zuhause, aber ich würde so etwas nicht noch einmal machen.

Ach, und: Happy Birthday, Oma!!

Mittwoch, 6. November 2013

ich hab da noch was vor...

Der Mensch ist ein Herdentier und hält sich gerne in Rudeln auf. So muss er nicht selber denken und ist nie allein. Sich mit anderen zu treffen um irgendwelche Dinge zu besprechen, zählt zu seinen beliebtesten Hobbies. Und damit das möglichst häufig der Fall ist, legt er sich ein paar Kinder zu und meldet sie in zahllosen Vereinen an. Irgendwer hat immer irgendwas kundzutun.
Denn wie wusste Reinhard Mey schon: "Das schönste am Kinderhaben ist abends in die Schule traben" - Recht hat er!
Es gibt nur wenige Dinge, die ich mit einer solchen Inbrunst hasse wie Elternabende. Mit einem Haufen emotional aufgepeitschter Übermamis zusammen in einem Raum eingepfercht, auf Puppenstubenmöbeln kauern und sich endlose Litaneien über Unterrichtsstoff in zwölf verschiedenen Fächern anhören - das grenzt an Höchststrafe, und ich frage mich seit Beginn der Schulpflicht meiner Kinder, was ich schlimmes verbrochen haben könnte.
Leider beschränken sich die Zusammenkünfte der Erziehungsberechtigten ja längst nicht mehr nur auf die Schule. Gestern wurde ich zu einem Treffen beordert, bei dem wir Informationen zum bevorstehenden Konfirmandenunterricht erhalten sollten. Dabei bin ich längst konfirmiert. Die Diakonin klärte uns darüber auf, dass es drei Gruppen geben würde, wobei die Kinder selbst - direkt nach dem Begrüßungsgottesdienst in einigen Wochen - die Gruppeneinteilung übernehmen würden. Der Form halber endete sie mit den Worten "Gibt es dazu noch Fragen?", woraufhin NATÜRLICH ein übereifriger Finger gen Himmel schnellte und sich sodann eine wichtige Stimme erhob: "Ja, ich hab da mal ne Frage (ach was!?!?), teilen wir gleich noch die Gruppen ein?"
Wäre es nicht blasphemisch, würde ich das an dieser Stelle als "göttlich" bezeichnen!
Ich weiß wirklich nicht, warum ich immer wieder meine Zeit damit verplempere, mit irgend welchen Idioten, die des Zuhörens weder mächtig noch willens sind, Informationen in mich aufzunehmen, die jeden Lapidaritätswettbewerb locker gewinnen würden. Sinnfreier hätte ich den gestrigen Abend jedenfalls kaum verbringen können...

Dienstag, 5. November 2013

Das Kind mit dem Bade im Sack gekauft

Mein Kollege ist ein großer Fan von Redewendungen. An allen möglichen und unmöglichen Stellen baut er sie in seine Unterhaltungen ein. Leider beherrscht er die meisten geflügelten Worte nicht wirklich korrekt - oder ihm ist eine andere Überlieferung bekannt als mir - und so werde ich nicht selten Zeuge seiner absurden Telefongespräche, in denen er gerne betont, die linke Hand des Chefs zu sein. Sollte bei einem unserer Kunden ein Problem auftreten, forscht er sofort nach, wo der Hase im Pfeffer läuft.
In der Handballmannschaft einer Bekannten wurde immer "hochhaus" verloren - aber dann hatte die gegnerische Mannschaft auch echt "A-Eins" gespielt.
Ein Kollege meines Mannes hat uns mal bei der Gestaltung unserer Terrasse geholfen. Von der Wahl ganz gewöhnlich aussehender Fliesen riet er uns dann immer mit den Worten "Das ist doch so Null-Achtzehn" ab. Sicher, irgendwann nervt's, wenn man so gar nichts passendes findet, aber wir waren noch ganz gelassen. Unser Sohn hätte bestimmt schon wieder angemerkt: "Gleich bin ich aber auf Achtzig!"
Bevor den hier Erwähnten die Ohren klingeln, muss ich aber noch meinen Lieblingsversprecher - oder eigentlich Lieblingsverhörer - loswerden: Kritisch und misstrauisch wie gehabt, ereiferte sich unser Sohn über eine ihm vollkommen unglaubwürdig erscheinende Geschichte mit den Worten "Das halte ich aber für ein Gerüst!"

Sonntag, 3. November 2013

und jedem Anfang wohnt ein Ärger inne...

Follower, Freund, Gast oder Mitglied? Ich raufe mir die Haare und verstehe nur Bahnhof. Das Veröffentlichen eines neuen Eintrages braucht immer mindestens zwei Anläufe, aber immerhin bleibt der Beitrag auch nach einem Fehlversuch erhalten. Und die Buttons zu anderen Seiten gibt's hier auch. Aber was noch blöder ist: Mein Sohn hat jetzt meine Blogfotos auf seinem Handy. Die Mailadresse von Google hatte ich mir nämlich vor einigen Monaten eingerichtet, damit er seine Apps herunterladen kann. Somit sind meine Bilder nun auch seine Bilder. Und ich überlege mir zweimal, was ich poste. Das mit den Keksen ist möglicherweise also doch keine so gute Idee...

Falls die liebe Sturmtänzerin noch nicht zur Testschlafkatze umgeschult hat, darf sie nun gerne das Kürbisrezept nachprobieren. Eine Vorwarnung möchte ich noch loswerden, nur für den Fall, dass es hier noch weitere Personen gibt, die keine Gelegenheit für ein Missgeschick auslassen:
Im Rezept steht "die Kürbismasse ABKÜHLEN lassen" - und das solltet ihr auch beherzigen. Wenn man nämlich, wie ich, ein ungeduldiger Mensch ist, der nicht abwarten kann und das Zeug bereits nach 20 Minuten in den Teig gibt, kann es zu bösen Überraschungen kommen. Da die Masse zu umfangreich für meine Küchenmaschine ist, habe ich sie in einer großen Glasschüssel zusammengeschüttet und dann mit den Händen verknetet. Ich hatte meine Finger schon tief in den Teig geschoben, als mir aufging, dass dieser durch den zerkochten Kürbis noch wahnsinnig heiß war. Aber da klebte mir bereits die Masse fest an den Händen und ich habe mir ordentlich die Finger verbrannt. "Master of Desaster" will euch nur vorwarnen, aber wahrscheinlich kann euch so was bescheuertes eh nicht passieren :-D

Hier also das Rezept, kurz und schmerzlos:

725 g Kürbisfleisch
125 g Butter
1 kg Mehl
1 TL Salz
200 g Zucker
2 Eier
2 Packungen Trockenhefe

Den Kürbis würfeln, etwas Wasser zugeben und weich kochen. Anschließend pürieren und abkühlen lassen. Mit den restlichen Zutaten vermischen und einen Teig herstellen. Diesen ca. 70 Minuten gehen lassen. Aus dem Teig Brötchen (oder Brote) formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Nochmal 20 - 30 Minuten gehen lassen.
Bei 180° C ca. 15 - 20 Minuten backen.

Samstag, 2. November 2013

Weih- oder Nichtweihnachten

Bevor ich mich voll und ganz der Vorweihnachtszeit hingebe, möchte ich erst noch den Herbst abhaken. Im Klartext heißt das: Die Pimmelkekse müssen noch warten!
Gestern gab es nämlich frische selbstgebackene Kürbisbrötchen:

 
Um diese Leckereien nicht mit meinen sportlichen Ambitionen kollidieren zu lassen, habe ich mir neue Laufschuhe zugelegt. Eingeweihte können sich vielleicht noch an die Schmach erinnern, die ich empfand, als mich jüngst meine "Lieblingsnachbarin" beim Joggen überholte. Seither träume ich davon, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit souverän und ohne zu schnaufen an ihr vorbeizuziehen. Selbstverständlich war nur meine mangelhafte Ausrüstung an diesem Desaster schuld -aber hiermit
 
 
kann mir das kein weiteres Mal passieren.
Ich hab sie gestern gleich ausprobiert und bin tatsächlich ziemlich begeistert. Normalerweise hätte ich, um den Kaufpreis aufzuwenden, ungefähr drei Tage arbeiten müssen, aber sie waren immerhin um die Hälfte reduziert, also muss ich nur noch einen Tag und zwei Tassen Kaffee dafür absitzen.
 
 
Hinterher war ich angenehm schlapp und bewegungsunfähig - nur meine Finger wollten noch ein bisschen Abwechslung haben. Also habe ich dann doch schon mal die Weihnachtsdeko-Phase eingeläutet und angefangen, ein paar neue Utensilien zu basteln:
 
 
Ihr dürft also ganz beruhigt sein, die Kekse kommen sicher auch bald dran :o)




Freitag, 1. November 2013

gibt es ein Leben nach dem Beruf?

Wir haben den besten Postboten der Welt! Als unsere Kinder noch klein waren, hatten wir das Tor zu unserem Grundstück so oft es ging geschlossen und mit einem alten Riemen zusammengebunden. Solange wir nicht gerade mit dem Auto durch mussten, sind wir drübergestiegen - was vor acht bis zehn Jahren zudem noch problemlos möglich war :o) Auch unsere Gartenpforte war fest verschnürt, um eventuellen Ausbruchsversuchen unseres Nachwuchses vorzubeugen.
Da sich unser Briefkasten aber direkt an der Hauswand befindet, musste unser Postbote Tag für Tag über unser Tor klettern, was er getan hat, ohne sich je darüber zu beklagen. Nur mal so zum Vergleich: seine Urlaubsvertretung hat unsere Briefe immer nur zwischen die Zaunlatten geklemmt, und es war egal, ob es in Strömen goss oder die nächste Orkanböe die Umschläge wahllos in der Nachbarschaft verteilte.
Irgendwann vor einigen Jahren hat es mal einen Wettbewerb gegeben, wo der beste Postbote Deutschlands gewählt werden sollte. Ich hab unseren sofort vorgeschlagen - aber er hatte wohl zu wenig Stimmen bekommen...
Trotzdem fühlen sich unsere Kinder eng mit diesem Mann verbunden, oder wohl eher mit seiner Tätigkeit. Von schlechten Nachrichten wissen sie noch nicht allzu viel, haben noch keine Bekanntschaft mit bösen Briefen machen müssen, und auch mit unliebsamen Rechnungen haben sie noch nichts am Hut. Auf sie warten lediglich Kinoeinladungen vom Knaxclub, Mc. Doof - Gutscheine oder Urlaubskarten von Oma und Opa. Und der Postbote ist die personifizierte Nachrichtenübermittlung.
Kürzlich haben wir ihn beim Einkaufen getroffen, und meine Kinder waren völlig von den Socken. So als hätte der Postbote kein Leben außerhalb seines Berufes bzw. würde sich niemals an so banalen Orten wie Netto oder Inkoop aufhalten. Früher haben sie ja auch geglaubt, dass ihre Erzieherinnen im Kindergarten wohnen. Mein Sohn war schon immer ein kontaktfreudiger Mensch mit einem ausgeprägten Drang zur Kommunikation mit anderen Leuten. Mit Frau Beuke, der Putzfrau im Kindergarten, hat er sich bestens verstanden. Als ich einmal kurz vor Ladenschluss mit ihm bei real einkaufte, stand dort bereits ein Putzwagen in einem der Gänge, und er rief hocherfreut: "Guck mal, Mama, Frau Beuke ist auch hier!"
Auch diese Frau schien in seiner Fantasie ein Leben in engster Verbundenheit mit ihrem Beruf zu führen, so dass sie sich, ihr Putzwägelchen vermutlich zu Fuß hinter sich herziehend, auf den Weg gemacht hatte, um dort die Regale auszuwischen. Wunderbar.