Samstag, 30. November 2013

keine halben Sachen


Meine Tochter ist kein Fan von halben Sachen. Wenn sie etwas macht, dann mit vollem Einsatz, und was sie verhaut, das verhaut sie gründlich. Immer nach dem Motto: Wenn schon, denn schon, lieber zu viel als zu wenig.

Bevor sie laufen konnte, stand sie monatelang auf ihren Füßen. Wir hörten unzählige Male (von allen möglichen selbsternannten Experten auf dem Gebiet der frühkindlichen Entwicklung und Fortbewegung) die Prognose: „Nur noch ein paar Tage, dann läuft sie!“ Diese paar Tage vergingen, unsere Tochter stand, einige Wochen später, sie rührte sich nicht vom Fleck, noch ein paar Monate weiter, immer noch keine Veränderung. Dann eines schönen Tages, sie war inzwischen beinah eineinhalb, erhob sie sich vom Rasen und ging los, als sei nichts gewesen, schnurstracks die 20 Schritte bis zur Sandkiste. Ganz sicher hatte sie das heimlich geübt, und die Rechnung ging auf: der Show-Effekt war enorm.

Es gelingt ihr immer wieder, uns mit ihrem Verhalten zu überraschen, indem sie etwas völlig unerwartetes tut. Sie war schon beinah vier Jahre alt und hatte noch kein einziges Wort mit uns gesprochen. Die meisten Ärzte waren der Ansicht, dass sie geistig komplett umnachtet sei und gaben uns auch kaum Hoffnung auf eine gravierende Weiterentwicklung.

Eines Tages machten wir mit ihr in der Vorweihnachtszeit einen Einkaufsbummel. Wir kamen an einem Platz vorbei, auf dem ein kleines Karussell und einige Buden aufgebaut waren. Als unsere Tochter den Miniaturweihnachtsmarkt erblickte, streckte sie den Arm aus und zeigte mit ihrem Finger in die Richtung. Dann sagte sie laut und deutlich: „Karussell“. Ich schwöre, das war ihr erstes Wort. (Das zweite war übrigens 'Eisenbahn'). Der Knoten war geplatzt und seitdem hat sie quasi nicht mehr aufgehört zu reden.

Glücklicherweise ist dieses Extremverhalten nicht nur an positiven Perfektionismus geknüpft. Es funktioniert auch anders herum. Vor einiger Zeit wurde im Sachunterricht das Thema Wegbeschreibung durchgenommen. Sich trotz 'Google Maps' noch das Kartenlesen anzueignen empfand sie offenbar als nicht zwingend notwendig. Allerdings denke auch ich: Orientierungssinn wird im Zeitalter der Navigationsgeräte und -gerätinnen gnadenlos überbewertet.

Die Arbeit wurde eine glatte fünf, und ich kann nicht ohne Stolz sagen: Das hat sie von mir.

Kommentare:

  1. Und wehe, der Akku vom Smartphone mit der eingebauten Navigationshilfe gibt den Geist auf.

    Na, wäre das nicht eine Argumentationshilfe?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. du irrst dich, ich besitze weder Smartphone noch Navi, denn auch die können mir meinen nicht vorhandenen Orientierungssinn nicht ersetzen. Bevor ich mir von einer Stimme die Richtung vorgeben lasse, fahre ich lieber nach/trotz Karte falsch. Ich kann mir einfach keine Wege merken, nun lass mir doch meine Ausreden ;-)

      Löschen
    2. Wir Frauen brauchen keinen Orientierungssinn, dafür haben wir doch unsere Intuition! :-)

      Löschen
  2. und im Gegensatz du den Männern schrecken wir ja auch vor nichts zurück - wir würden sogar jemanden nach dem Weg fragen!!

    AntwortenLöschen
  3. Es ist schon vorgekommen, dass Männer trotz Navi einen anderen Weg wählen, egal wie umständlich, aber es war sicher der kürzeste ,-) was versteht schon Frau davon? Mein Orientierungssinn ist sehr ausgeprägt, was manchmal zu gewissen Spannungen führen kann, aber ich amüsiere mich dann meistens und sage:" Schatzi macht ja nichts, wir haben ja Zeit, drum sind wir so bald von zu Hause weggefahren" Und Schatzi sagt: Und weniger Verkehr ist auf dieser Strecke auch.......

    AntwortenLöschen