Donnerstag, 19. Dezember 2013

Blusentrauma

"Male dein doofstes Weihnachtsgeschenk"
Kein Problem, wie könnte ich jemals diese braun-grün karierte Bluse vergessen, die meine Mutter offenbar totschick fand, weshalb sie den Weg unter unseren Tannenbaum fand.

Ich hasse Blusen. Und dieses Exemplar habe ich mit einer solchen Inbrunst verabscheut, dass man mich nur ein einziges Mal zum Tragen des guten Stückes nötigen konnte. Sie war hässlich wie die Nacht, knüppelhart und hat überall gekratzt. Das waren die schlimmsten Minuten meines Lebens.

Außerdem kam ich mir schon damals völlig bescheuert vor in so einer Verkleidung. Am liebsten hätte ich die Schere geholt und sie an Ort und Stelle zerschnitten. Darüber hinaus hat sie mich an das erinnert, was ich NICHT bekommen habe, obwohl ich es mir doch so sehr gewünscht hatte.

Im Quelle-Katalog meiner Mutter war sie abgebildet, noch viel größer und verlockender als sie vermutlich in Wirklichkeit war. Oh wie habe ich dieses mir unbekannte Mädchen beneidet, das davor stand und mit ihr spielen durfte. Nur zu gerne hätte ich selbst eine besessen. Das Objekt meiner Begierde, der Traum meiner schlaflosen Nächte, die unangefochtene Nummer eins auf meinen Wunschzetteln 1977 - 1980 war eine Spieleküche. Sie hatte einen Herd mit Drehknöpfen. Und eine richtige Spüle mit einem Wasserhahn. Sie war rot. Sie glänzte. Sie war perfekt.

Sie hatte nur einen Fehler: sie gefiel meinen Eltern nicht. Statt der Küche hab ich dann also diese Bluse bekommen. Sie durfte unter dem Baum liegen, dort wo meine Küche stehen sollte. Und dafür habe ich sie verachtet.

Natürlich habe ich statt der Küche im Laufe der Jahre haufenweise tolles Spielzeug bekommen, und vermutlich hätte ich meine Traumküche schon an Neujahr kaum eines Blickes mehr gewürdigt. Aber irgend einen Grund muss es ja haben, dass meine Tochter gleich zwei Spielküchen ihr Eigen nennt...

Gerade ist mein erstes Weihnachtspäckchen angekommen *freu*
Ich freu mich, dass es noch ein paar Tage dauert, bis es Zeit zum Auspacken ist. So lange kann ich mich an der lieben Geste (und am Anblick) erfreuen - mittlerweile ist der eigentliche Inhalt ja nicht mehr ganz so wichtig. Solange es keine Bluse ist ;-)

Kommentare:

  1. Ich hab mal ein Kinder-Quirl bekommen und habe mit immer mehr Begeisterung meinem Vater beim Backen geholfen. Klar zu Anfang hab ich nur Milch mit Saft vermischt, aber dann schon eine kalten Hund geschafft, das erste Mal mit dem Erwachsenen-Quirl. Man war ich stolz. ;-)

    Und Du häst das jetzt bis zum 24. durch mit dem Auspacken?! Respekt!

    Liebe Grüße

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    1. ich hoffe doch, dass mich nicht die Neugier übermannt, aber ich werde ja auch bewacht :-)
      du solltest also Köchin oder Bäckerin werden, hm?

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    2. Nicht sollte. Ich wollte tatsächlich erst Köchin werden, aber nur weil ich mit meiner "großen Klappe" eher ungeeignet als Kellnerin gewesen wäre, so meine Vermutung und die meiner Eltern. *augenroll* Gelernt hab ich dann aber doch Näherin. Das Backen macht mir aber heute noch mehr Spaß als das Kochen. ;-)

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