Sonntag, 15. Dezember 2013

von illusorischen Ideen und der rempelnden Realität

Den gestrigen Tag habe ich notgedrungen einigen Pflichten geopfert. Meine Vormittagsstunden habe ich damit verbracht, mit anderen Irren durch die Geschäfte zu schwirren, um die erstandenen Schätze dann nachmittags möglichst liebevoll zu verpacken.
 

Zur Belohnung wollten wir uns abends einen Weihnachtsmarktbesuch gönnen. Mittelalterlicher Zauber an der Weser. Was so romantisch klingt, entpuppte sich dann aber als das reinste Fiasko.

Anstelle eines gemütlichen Entlangschlenderns an den Buden mit Basteleien, Schmuck und Holzdeko (wie ich es mir naiverweise ausgemalt hatte) erwartete uns ein Menschenauflauf nie erlebten Ausmaßes. Wir wurden lediglich die Strecke entlanggeschoben, an ein Verweilen war gar nicht zu denken, und am Ende war ich einfach nur noch dankbar, dass niemand verlorengegangen war.

Die Glühweinbuden wurden umrankt von Gruppen Betrunkener mit albernen Nikolausmützen, die offenbar jeder einzelne als äußerst originelle Idee empfunden hatte. Hin und wieder wehte ein verlockender Duft zu uns herüber, aber die desillusionierenden Schlangen vor den einzelnen Fressbuden, die selten kürzer als zehn Meter waren, erstickten meinen Hunger auf wundersame Weise im Keim. Ja ich weiß, WIR waren auch da. Und schöne Orte hat man nun mal nicht für sich allein. Aber ist es wirklich notwendig, 'zig Busladungen täglich vor den Toren des Weihnachtsmarktes abzuladen, deren Inhalt sich dann schlitzäugig, käsköppig und minzsoßig über die engen Gäßchen ergießt?!?

Ich frage mich in solchen Momenten immer, ob das früher auch schon so war, ob mir eventuell nur meine Harmoniesucht einen Streich spielt und sämtliche Veranstaltungen nostalgisch weichzeichnergetränkt vor meinem inneren Auge abbildet, obwohl es in Wahrheit auch damals schon überall brechend voll war.

In einer Seitenstraße im äußeren Randbereich des Nebenweihnachtsmarktes gab es dann noch einen Stand, an dem die Wahrscheinlichkeit groß genug erschien, vor Ende des Winters noch bedient zu werden, so daß mein Mann uns zwei Glühwein organisierte. Auf dem Weg von der Theke zurück zu uns mit den heißen Bechern in der Hand wurde er auch nur geschätzte siebzehn Mal angerempelt, also hatten wir bestimmt noch fast die Hälfte in unseren Bechern, und warm war er auch noch.

Auch eine Schmalzkuchenbude kreuzte unseren Weg - und die Kinder waren glücklich.
Statt Bienenwachsgeruch, Kartenleserin, Feuerzangenbowle-Stand und frischer Kartoffelpuffer genossen wir dann beleuchtete Schiffe am Weserufer und weihnachtliche Straßenmusik.

Nicht ganz das Erlebnis, was mir vorschwebte, aber ich muss mich wohl damit abfinden, dass es hier in Zukunft immer voller wird für uns alle.

Kommentare:

  1. Ich fürchte auch, daß du damit einen typischen Weihnachtsmarkt beschrieben hast. Ist hier in der Stadt auch nicht anders. Die Stellplätze für Reisebusse sind voll bis zum geht nicht mehr. Bei uns kommen die meistens aus Polen.

    Das Gedränge und die Saufereien sind mit die Gründe, warum ich von so etwas mittlerweile Abstand halte. Obwohl mir ja wieder sehr nach einem Backfisch und einer Krakauer vom Holzkohlengrill ist.

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    1. Ach, liebe Tweety, da gehen die Einheimischen doch extra unter der Woche hin... Das Wochenende überlassen sie den Touris, damit wenigstens mal ein Bißchen Kohle in die hochverschuldete Stadt kommt... Am Mittwochabend habe ich frei... Wenn Du Lust hast, lade ich Dich gerne zu einem heißen Fruchtwein und einer Portion Flammlachs ein.
      Liebe Grüße von Felina, die Du jederzeit anmailen darfst.

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    2. das sollten wir uns wirklich mal gönnen! Am besten ziehen wir uns unsere Michelinmännchenkostüme an, dann können wir besser rempeln.

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    3. mittlerweile sind die Märkte ja schon zur Mittagszeit gut besucht, aber da würde mir dann doch die richtige Stimmung fehlen.

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