Mittwoch, 23. April 2014

walk like an Egyptian

Das Kind hat den Verstand meist vom Vater, weil die Mutter ihren noch besitzt.
Okay, kleiner Kalauer vorweg zum Wachwerden...

Heißt unsere Sprache nun also Muttersprache, weil das Kind die Sprache ebenfalls von der Mutter bekommt? Im Hinblick auf die Ideen einiger überemanzipierter Mitmenschen wäre eine anderssprachige Erziehung vielleicht ein guter alternativer Ansatz gewesen. Nun müssen meine Kinder mit der deutschen als der ihnen am besten vertrauten Sprache durchs Leben gehen. Aber dank Rechtschreibreformen und anderen regelmäßigen Generalüberholungen ihrer Muttersprache wird das niemals langweilig werden.

Als ich gestern von einer Arbeitsgruppe an der Berliner Universität hörte, glaubte ich zunächst an einen Scherz - denn Informationen, die ein gewisses Maß an Absurdität übersteigen, sortiert mein Gehirn automatisch in die Sparte "witzig" ein. Es MUSS sich um einen Fall von falsch verstandenem Feminismus, fehlgeleiteter Emanzipationswut und übersteigertem Gleichberechtigungsverlangen handeln, bitte sagt mir, dass es solche Menschen nicht wirklich gibt!

In Zukunft sollen sämtliche Worte, die an irgendeiner Stelle ein "er" enthalten, entweder korrigiert oder besser noch aus unserem Sprachgebrauch gänzlich eliminiert werden. Alle bisher auf -er endenden Worte werden ihres männlichen Klanges beraubt, indem wir zukünftig stattdessen ein -a verwenden. Den Computa wird es freuen, die Männa wohl eher weniger, die Prostata ist seltsamerweise schon mit gutem Beispiel vorangegangen. Als Krönung des Ganzen wird der Plural dann mit -s gebildet. Ich fürchte, an Worte wie Messas, Fenstas oder (Verzeihung: oda) Zimmas werde ich mich bis zu meinem Lebensende dann nicht mehr gewöhnen.

Selbst die eingefleischteste Emanze muss doch zugeben, dass die Alice-Schwarzas dieser Welt da ein paar Lichtjahre übers Ziel hinaus geschossen sind. Aufmerksamkeit durch Provokation zu erregen ist eine nicht erst seit gestern praktizierte Taktik, nur sollte man aufpassen, dass man (FRAU) sich nicht bereits beim Aufwärmen lächerlich macht. Sonst wird bald keine Frau mehr ernst (oder Mathilda, Gudrun, Erika...) genommen - und das haben wir nun auch wieder nicht verdient!

Dienstag, 15. April 2014

Lese-Ecke

EIGENTLICH ist sie glücklich
denn sie hat einen tollen Freund, eigentlich
eigentlich führen die beiden eine harmonische Beziehung
aber eigentlich hat sie sich auch gerade total verknallt
in diesen gutaussehenden alleinerziehenden Vater...
eigentlich möchte sie auch gerne ein Kind, und heiraten,
aber ihr Freund möchte nicht...
eigentlich ist er sehr aufmerksam, auch wenn er nie auf ihre SMS antwortet.
Superman schreibt selber SMS, zum Dahinschmelzen.
Eigentlich müsste sie ihm sagen, dass sie einen Freund hat
aber sie genießt es gerade so...
das kann sie eigentlich auch morgen noch beichten.
Bis sie knietief zwischen beiden Männern steht,
eigentlich hat sie sich schon entschieden
für den einen
oder für den anderen
oder doch nicht?
da helfen auch keine Ratschläge von außen, die Entscheidung muss in ihr selbst wachsen
sie fährt mit Oma ans Meer,
die hat sich gerade von Opa getrennt
warum eigentlich?
und was kann sie aus Omas Lebensgeschichte lernen?
Gibt es eigentlich ein happy-end?
verrate ich nicht!


Donnerstag, 10. April 2014

Traumhaus

Bei einem Spaziergang am Strand habe ich es zufällig entdeckt, mein Traumhaus. Es steht ganz nah an den Klippen, die steil und bedrohlich ins Meer abfallen. Morgens könnte ich im Bett liegen bleiben und durch das Schlafzimmerfenster den Sonnenaufgang bestaunen. Und bei einem Glas Wein auf der Terrasse würde ich ich dem Feuerball dabei zusehen, wie er allabendlich im Meer versinkt.
Für mich war schnell klar: ich musste dieses Haus einfach haben, denn ich hatte mich Hals über Kopf darin verliebt. Ich konnte mir problemlos ausmalen, darin zu leben und konnte es kaum erwarten, dort einzuziehen.

Vom ersten Tag an genoss ich das Haus und seine Atmosphäre in vollen Zügen. Ich konnte mein Glück kaum fassen und glaubte, mich nicht sattsehen zu können an den berauschenden Ausblicken aus jedem einzelnen Fenster.

Doch irgendwann nutzte sich dieser faszinierende Eindruck ab, der Sonnenuntergang schaffte es nicht mehr, mich in seinen Bann zu ziehen, und so wunderschön die Aussicht um dieses Haus herum auch war, sie war mir zu vertraut und somit selbstverständlich geworden.

Ich liebte den Blick aus dem Fenster am Morgen nach wie vor, aber es gelang mir nicht, die Begeisterung des Anfangs noch einmal herbeizuzaubern, dieses unbeschreibliche totale Glücksgefühl zu empfinden, das tägliche Naturereignis gebührend zu bestaunen.

Die Sonne versank jeden Tag wieder im Meer, der Anblick hatte nichts von seiner Schönheit verloren in all den Jahren, aber für mich war er alltäglich geworden. Und auch wenn ich mal einige Tage oder Wochen auf die Betrachtung verzichtete, konnte es mich nie wieder so in seinen Bann ziehen wie in der ersten Zeit meines Lebens in diesem Haus.

Immer noch liebe ich mein Haus heiß und innig, es ist der Ort an dem ich leben will, ich möchte es auf keinen Fall wieder hergeben, auch wenn es manchmal ziemlich zieht durch die alten Fenster, die Farbe an einigen Stellen abblättert und die ersten Pfannen vom Dach rutschen.
Viele Menschen beneiden mich um mein Zuhause, und das kann ich gut verstehen - sobald es mir gelingt, mein Haus mal wieder durch ihre Augen zu sehen.

Denn oft weiß ich seine Schönheit, den Schutz und die Geborgenheit, die es mir bietet, nicht mehr recht zu schätzen, habe manchmal sogar das Bedürfnis etwas anderes zu sehen. Ich sehne mich nach Bergen, Landstraßen und Wäldern. Auch wenn ich das Meer, die Klippen, das Rauschen der Wellen, die salzige Luft und die untergehende Sonne so liebe...

Mittwoch, 9. April 2014

der letzte Indianer

Wenn mein Sohn sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird es schwer, diese Idee vor Vollendung, Verwirklichung, Ausführung oder Umsetzung da wieder herauszubekommen.
Nicht dass er sich wie ein ausgewachsener Dickkopf aufführen, auf den Boden werfen und mit den Füßen aufstampfen würde - er brütet vielmehr ganz gemächlich auf seiner Vorstellung herum, bis das Überraschungsei reif ist und das Vorhaben durch die Schale ausschlüpfen kann.
Dann allerdings hat er auch nicht mehr viel Zeit zu verlieren, fast so, als befürchte er, es sich selbst noch einmal anders zu überlegen.
Seit einigen Monaten beschäftigt er sich mit dem Gedanken, sich einen Ohrring schießen zu lassen. Nun ist er aber keine so coole Sau, wie er es gerne wäre, sondern, sagen wir einfach 'überdurchschnittlich schmerzempfindlich'. Nach intensiver Befragung seiner kleinen Schwester, wie weh genau das denn nun bei ihr getan hätte, wie lange dieser Schmerz angehalten hätte und welcher Art er denn gewesen sei, kam er offenbar zu dem Resultat, dass die Chancen für ihn, diesen Eingriff zu überleben, ganz gut stünden.
Also begaben wir uns heute vormittag zu dem Juwelier unseres Vertrauens und ich überließ ihn der blutrünstigen Angestellten und ihrer Waffe. Hätte mein Sohn in diesem Moment das Blitzen in den Augen seiner Schwester gesehen, hätte er es sich eventuell noch einmal anders überlegt. Das 'Na, der wird sich gleich noch wundern' in ihrem Blick war unübersehbar...
Ein kurzes Klacken, ein vor Entsetzen offen stehender Mund, und mein Kind verließ laut jaulend den Laden. Na immerhin hat er nicht gekotzt (so wie ich angeblich damals - wenn man meiner Mutter Glauben schenken will).

Mittwoch, 2. April 2014

Felinaaaaaa! Kann losgehen!

Nach jahrelangem Zusammenleben versteht man sich quasi ohne Worte. Schön wenn Augenaufschläge, pikierte Blicke oder ein ungeduldiges Räuspern bereits zum Erfolg führen - so spart man sich die Worte für später auf, denn wer weiß wan man sie noch mal brauchen kann (nicht dass sie womöglich im ungünstigsten Moment aufgebraucht sind, wenn man zum Beispiel gerade nach der Toilette fragen will...).
Im Grunde genommen steh ich sowieso nicht so auf monströse ausdrucksstarke weltfriedenverheißende Wortgebilde - die sich dann später vielleicht auch noch als leere Hülsen entpuppen.
Streicheleinheiten für die Seele sind wichtig, aber genauso sehr freue ich mich, wenn mein Mann allabendlich eine Flasche Wasser neben mich aufs Sofa stellt, regelmäßig mein Fahrrad aufpumpt, mir morgens das Auto freikratzt oder einen Becher Kaffee an meinen Leseplatz bringt. Und das alles, ohne viel Wind und Worte darum zu machen.
Unheimlich muss mir das generell nicht mehr sein, denn ich weiß: auch wenns so aussieht, er kann keine Gedanken lesen. Er ist einfach ein aufmerksamer Mensch :o)
Doch heute ist etwas passiert, womit ich nicht gerechnet habe. Über die meisten meiner Aktivitäten ist er selbstverständlich unterrichtet, so weiß er auch, dass ich im Mai mit meinen zwei Lieblingsblogfreundinnen ein Lieblingsblogfreundinnentreffenaufhalberstrecke verbringen werde. Nur dachte ich bisher, er würde annehmen, dass wir da völlig spießig mit dem Zug hinreisen wollen.
Offenbar hat er aber spitz gekriegt, dass wir zwei Grazien aus dem Norden unserer süddeutschen Freundin damit imponieren wollen, die Strecke auf einem Tandem zurückzulegen. Anders kann ich es mir nicht erklären, was da heute abend vor unserer Tür stand...
Jetzt müssen eigentlich nur noch ein paar Satteltaschen dran, damit wir die Sektflaschen auch verstauen können...