Donnerstag, 11. Februar 2016

Alle Klarheiten beseitigt

Reden hilft - ist ja eine weit verbreitete Ansicht, und normalerweise würde ich zustimmen. Bevor ich kilometerweit Missverständnisse mit mir herumschleppe, von falschen Voraussetzungen ausgehe oder mich beleidigt zurückziehe weil ich etwas in den falschen Hals bekommen habe, sollte ich den vermeintlich dafür Verantwortlichen lieber zur Rede stellen.
Manchmal ist man hinterher aber genauso schlau wie vorher, oder man merkt, dass der andere keineswegs dazu bereit ist, einem zu helfen, auch wenn man ihn darum bittet.

In unserem Betrieb ist es zur festen Institution geworden, dass der Chef mit jedem seiner Mitarbeiter alle paar Monate ein Gespräch führt. Beide Seiten können dann Dinge vorbringen, die ihnen nicht passen, die sie für verbesserungswürdig halten, die gut oder eben ganz besonders schlecht gelaufen sind. Wobei man ja eher dazu neigt, die Negativa gedanklich anzusammeln und insofern mit einem expliziten Lob von Seiten des Chefs besser gar nicht erst gerechnet werden sollte.

In meinem jüngsten Vier-Augen-Meeting habe ich erneut die Missstände zur Sprache gebracht, die sich durch die - oder zumindest seit der - Neueinstellung einer weiteren Mitarbeiterin im Büro ergeben haben. Klare Absprachen werden grundsätzlich nicht getroffen, unsere Aufgabenbereiche sind nicht mal grob abgegrenzt, sie redet zwar viel Privates, vergisst aber mich über Vorgänge und Änderungen zu informieren, die ich für meinen Arbeitsablauf benötige. Zudem ist sie nicht in der Lage, ihre Fehler einzugestehen, sondern macht grundsätzlich einen Eingriff aus dem Universum dafür verantwortlich. Dass ich sie persönlich aufgrund ihrer aufdringlichen, neugierigen, plumpen, dummdreisten und nervigen Art nicht leiden kann, steht dabei auf einem vollkommen anderen Blatt, als die Tatsache dass ich mich quasi täglich über irgendeinen von ihr verzapften Mist aufrege.

Nun weiß ich, dass das alles MEINE Schuld ist, dass meine Abneigung ihr gegenüber in der Luft liegt und es mein eigenes Verschulden ist, dass wir nicht zusammen arbeiten können. Sprich: Sie geht mir auf den Sack weil ich es nicht tolerieren kann, dass sie meine Arbeit torpediert und mir Fehler unterschiebt die ich nicht gemacht habe. Okay, weiss ich das jetzt auch.

Außerdem habe ich es gewagt, meinem Vorgesetzten anzuvertrauen, dass das EDV-Problem das wir seit Monaten mit einer Software vor uns herschieben, für mich aufgrund meiner mangelnden Fachkenntnis nicht alleine lösbar ist. Ich habe ihn um Unterstützung gebeten, weil ich mir vollkommen unsicher bin und auch nur äußerst ungern die komplette EDV lahmlegen würde, indem ich irgend eine Lizenz vertausche oder eine Programminstallation versaue.
Seit meinem Gespräch bin ich mir darüber im Klaren, dass es durchaus in meinen Aufgaben- (wenn auch nicht Kompetenz-) bereich fällt und auch ruhig lange dauernd darf. Ein Experte wird dafür nicht extra bemüht werden, es sei ja schließlich mein Programm und da müsse ich schon sehen wie ich das zum Laufen kriege. Ich bin direkt gerührt von so viel Unterstützung und Rückenstärkung. Hätte ich gar nicht erwartet.

Zum Drüberstreuen wurde ich dann noch davon in Kenntnis gesetzt, dass ich mich permanent nur lautstark über alles mögliche aufregen würde und das zukünftig zu unterlassen hätte. Einen Fehler des Steuerbüros, der mir bei der Kontrolle der Lohnabrechnungen ebenfalls durchgerutscht war, muss ich zudem auf meine Kappe nehmen.

Am allermeisten ärgert es mich, dass ich meiner Meinung nach immer sehr gewissenhaft arbeite und trotz der Fehler die auch ich selbstverständlich begehe, eigentlich immer alles noch rechtzeitig wieder ins Lot bringe. Meinen permanent anwachsenden Aufgabenbereich habe ich trotzdem immer absolvieren können, und nun wird mir der einzige weit und breit sichtbare Fehler zugeschrieben. Das ist alles. Anscheinend habe ich in den letzten sieben Jahren rein gar nichts richtig und gut gemacht. Im Gegenteil, mein Kollege kann mir keine Aufgaben mehr übertragen für die er überqualifiziert ist, weil ich keine Zeit mehr dafür übrig habe. Ich sag jetzt mal nicht für was ICH alles überqualifiziert bin - und es trotzdem täglich mache. Vor allem bin ich für meinen Hungerlohn überqualifiziert, aber das sehen Chefs ja generell etwas anders.

Nun stehe ich mal wieder vor einer Weggabelung und weiß nicht ob ich abbiegen soll. Den Weg, den ich gehen möchte, gibt es eigentlich noch gar nicht, denn ich habe ja keine wirkliche Alternative in Aussicht. Ich merke dass es Zeit ist zu gehen, sich von dem Bestehenden zu trennen, aber das dürfte nicht leicht sein. Ich bin in diesen Betrieb hineingewachsen, habe die Vergrößerung miterlebt und fühle mich auch unter meinen Kollegen (bis auf diese eine oben erwähnte) sehr wohl. Ich habe keine Ahnung was für einen Job ich mir suchen soll und wer mich überhaupt noch nehmen würde. Am liebsten würde ich mich einfach irgendwo ans Fließband stellen und was komplett Stupides machen, dem ich nach Feierabend den Rücken kehren kann, weil ein anderer an meiner Stelle weitermacht. Ich hab mir jahrelang beide Beine ausgerissen um alles anständig, sorgfältig und vernünftig zu machen, und nun sieht es so aus als hätte das niemand gemerkt, oder als sei es nichts wert. Fühlt sich grad echt richtig scheiße an, für so austauschbar gehalten zu werden...

Kommentare:

  1. Traurig, wie sich das bei euch entwickelt hat und wie wenig man deine Treue zum Betrieb schätzt. Vielleicht ist dies aber wirklich für dich der Anstoß für eine Veränderung? Wie heißt es so schön: "Es ist selten zu früh und niemals zu spät" oder so... Mail folgt :*

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  2. Hmmmm...... ich kann Dir nur raten abzubiegen und Dich nicht umzuschauen.
    Mach Dich aber drauf gefasst, dass es hart ist, wenn man nur mit einem kleinen Karton seiner privaten Habseligkeiten die Arbeitsstelle verläßt.
    Es ist ungemein befreiend, einfach auszuscheren.
    Irgendwo gibt es ein Plätzchen für Dich, ohne dass Dir jemand in Deinen Teich pinkelt und zu schätzen weiß, was Du zu leisten bereit bist.


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