Montag, 12. Juni 2017

ausgeklinkt

Der Sonntag steht traditionell als Tag mit der Familie. Bei uns zumindest. Alle haben frei, sind ohne Verpflichtungen, man plant gemeinsame Unternehmungen. Vom ersten Sonnenstrahl im Frühjahr bis über den Altweibersommer hinaus sind das in der Vogelfamilie meistens irgendwelche Rundflüge auf zwei Rädern. Ausflugsziele am Wasser gibt es genug, ob Weser, Ochtum, Hunte, Wümme oder das Bächlein vor der Haustür, unsere Drahtesel sind schon einige Kilometer herumgekommen.

Am letzten Wochenende fand im Nachbarort wieder die alljährliche Fahrradrallye statt, normalerweise ein gefundenes Fressen für uns, und auch in diesem Jahr wollten die Kids unbedingt wieder teilnehmen.

Da sich momentan immer deutlicher mein Bedürfnis nach Abstand bemerkbar macht, habe ich mich dazu durchgerungen, mich von diesem Event auszuklinken, was auch anstandslos hingenommen wurde.
Stattdessen habe ich mir meine Kamera geschnappt und bin alleine an den Werdersee gefahren, um ein bisschen abzuschalten und zu mir zu kommen. Zuerst hat sich das ein bisschen komisch angefühlt, zwischen den vielen Familien und Paaren. So als hätte ich mich selbst in eine unpassende Umgebung gestellt, wo ich doch eigentlich bei meiner Familie hätte sein sollen, da wo ich „hingehöre“.
Aber genau das frage ich mich eben gerade – gehöre ich da wirklich noch hin? An den Platz an der Seite meines Mannes? Sind wir tatsächlich noch eine Familie? Sind wir Mann und Frau im schönen gemeinsamen Sinne? Funktionieren wir noch als Eltern- und Erziehungsteam? Haben wir noch gemeinsame Vorstellungen, Wünsche, Pläne für die Zukunft, kann ich mit diesem Menschen auch dann noch leben, wenn die Kinder nicht mehr die gemeinsame Grundlage bilden?
Mein Bauchgefühl sagt jedes Mal Nein, und trotzdem meldet sich dann wieder diese leise Stimme, die mir zuflüstert: Gib es nicht auf, es ist noch so viel da!

Nachdem sich meine Gedanken eine Weile im Kreis gedreht hatten, habe ich mich spontan mit einem Freund verabredet, und wir haben ein bisschen zusammen Trübsal geblasen, uns aufgemuntert, nebeneinander auf der Wiese gelegen und gequatscht, oder jeder seinen eigenen Gedanken nachgehangen.

Dieser Tag war auf jeden Fall viel schöner als der übliche Familienausflug. Ich habe einfach keine Lust mehr auf die Rolle der pflichtbewussten funktionierenden Organisatorin dieses Unternehmens.