Montag, 7. August 2017

manchmal

manchmal verliere ich den Halt...

dann falle ich aus meinem Leben heraus und nichts ergibt mehr einen Sinn oder passt zueinander. Ich beginne, alles in Frage zu stellen, bin grundsätzlich unzufrieden und weiß gar nicht wo ich mit dem Ändern und Neuanfangen beginnen soll. Meine Konstanten lösen sich auf, Stützpfeiler biegen durch, Haltegriffe reißen ab. Ich fühle mich komplett fremd in meinem Umfeld und frage mich, was ich da eigentlich tue.


manchmal verliere ich den Überblick...

dann verzettele ich mich in Kleinigkeiten, rege mich über Belangloses auf und steigere mich in Banalitäten hinein. Ein Ablenkungsmanöver vom großen Ganzen? Eine Überforderung durch zu viele Baustellen? Ein akuter Anfall von Perfektionswahn? Zu wenig Ausgleich durch Leerlauf?


manchmal verliere ich die Nerven...

dann bringt mich schon die kleinste Provokation zur Weißglut, reicht ein winziger Kommentar, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Wie ein Amokläufer schreie ich meine Mitmenschen an, heule und trete, knalle unschuldige Türen oder werfe mit zufällig herumliegenden Gegenständen. Ich habe noch kein anderes Ventil für meine Wut gefunden, ich bin einfach überfordert mit den Gefühlen und Situationen.


manchmal verliere ich den Glauben...

dann zweifle ich etwas an, obwohl es schon so lange Bestand hat. Obwohl es keine vernünftige Erklärung dafür gibt, dass mir diese Konstante wegzubrechen droht, dass ich einer Illusion aufsitze, einer Lüge Glauben schenke oder mein Vertrauen missbraucht wird.


manchmal verliere ich die Lust...

dann kann ich mich kaum aufraffen, den ganz normalen Alltag zu bewältigen. Allein der Gedanke daran, ein Mittagessen zuzubereiten, lähmt mich. Den Tag begleitet eine komatöse Müdigkeit, mir fehlt der Antrieb für den Alltag, Es ist kein Lichtblick in Sicht, stattdessen stehe ich ganz hinten in der Reihe und warte auf mein persönliches Highlight.


manchmal verliere ich den Sinn...

dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es jemals wieder besser wird. Vor lauter Alltäglichkeiten und Trivialitäten sehe ich nichts Schönes mehr, das meinen Tag erhellen könnte. Die Vorstellung, dass es bis ans Ende meines Lebens so bleiben könnte, drückt lähmend auf meine Stimmung. Grundsätzliche Gedanken an den Sinn des Lebens brechen sich Bahn, und die Angst, nie mehr einen solchen zu erkennen, nie wieder Freude an etwas zu empfinden, nicht mehr für eine Sache zu brennen.


manchmal verliere ich mich...

dann suche ich mein Selbstvertrauen, um nicht von der Wertschätzung oder der Zuneigung anderer abhängig zu sein. Ich frage mich, warum ich so bin wie ich bin, und ob ich nicht eigentlich vielleicht vollkommen anders bin - oder wäre, wenn ich mich trauen würde. Wenn ich die Kontrolle mal an der Garderobe abgeben könnte um den Dingen ihren eigenen Lauf zu lassen, auf die Zeit zu vertrauen, daran zu glauben dass die Welt sich weiterdreht, auch wenn ich ihr keinen Anschwung mehr gebe. Ich weiß dass das alles illusorisch ist, aber es gibt mir anscheinend eine gewisse Sicherheit. Und raubt mir gleichzeitig die Kraft, weil es so zermürbend ist, immer alle Fäden in der Hand halten zu wollen.


Manchmal fühle ich mich so leer und so kaputt, da wünsche ich mir, dass einfach jemand den reset-Knopf drückt, damit ich nochmal neu starten kann. Ganz von vorne.

Manchmal gibt es Tage, die will man gar nicht in seinem Leben haben. Weil sie sich einfach nur beschissen anfühlen. Weil sie wehtun. Weil man nichts mit ihnen anfangen kann. Weil man zu schwach ist sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Weil man lieber wegrennen würde vor allen Problemen - die einen umgeben, und die man in sich trägt.

Kommentare:

  1. Solche Tage kenne ich nur zu gut. Man möchte morgens gar nicht aufstehen, weil der Müll vom letzten Tag den Kopf noch blockiert. Da hilft nur eins: Ausbrechen - und, wenn es nur eine kleine Veränderung in der täglichen Routine ist. Einen Tag lang einfach mal alles anderes machen wie gewohnt. Hab ich selbst ausprobiert und es hat mir geholfen. LG H.

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  2. das geht uns allen so! dann hilft nur ausbrechen oder inne halten, oder auf einen großen berg steigen und laut scheiße schreien. das hilft...habe ich bereits getestet;-))

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  3. Hallo Tweety,
    ich finde mich hier auch wieder und wie Hella schreibt, ist es nur hilfreich aus der Routine auszubrechen und wieder etwas abzuhaken. Habe gelernt, Dinge zu bewerten und wie ich zu diesem Wert komme, auf einmal schaut das, was mich auf die Palme gebracht hat, wieder ganz harmlos aus. Es ist menschlich zu zweifeln, aber auch sich stärker zu fühlen.
    Ich wünsche dir einen fröhlichen Sonntag.
    LG Sadie

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