Donnerstag, 7. September 2017

Die Illusion des neunten Wagens

Manche Dinge existieren ja nur in unserer Fantasie. Ich bin manchmal sehr fantasievoll, kann mir vieles vorstellen und träume mich in eine schönere, buntere, bequemere Welt, in der ich nicht so oft funktionieren und keine Entscheidungen mehr treffen muss, in der alles einfach und logisch ist, und das was man sich im Kopf ausmalt auch existieren kann.
Manchmal braucht es auch nur einen winzigen Schubs in die richtige Richtung, ein kurzes Aufraffen, damit etwas schönes passiert.

Gut drei Jahre liegt mein damaliger Ausflug nach Koblenz schon zurück, ein unvergessliches Wochenende mit zwei Bloggerfreundinnen. Es war eigentlich sofort klar, dass ich diese schöne Gegend unbedingt bald mal wieder mit meiner gelbgefiederten Anwesenheit beehren würde, was vor einigen Tagen dann tatsächlich der Fall war:











Die Anreise mit der Bahn ist ja selbst bei längeren Strecken oft sehr kurzweilig, da man stets aufs Neue überrascht wird. Wahrscheinlich werden eigens für einen gesonderten Bereich Mitarbeiter eingestellt, die sich den ganzen Tag nur überlegen, welche Zwischenfälle man denn mal in so eine Reise einbauen könnte.
Unbedarft wie ich bin habe ich bislang das Reservieren eines Sitzplatzes zur Fahrkarte für einen unnötigen Luxus gehalten. Aber bereits auf der Hinfahrt musste ich feststellen, dass es erheblich entspannter sein kann, auf dem eigenen Sessel vor sich hin zu dösen, als permanent den Platz wechseln zu müssen oder aus Mangel an Alternativen eine Stunde lang direkt vor der Klotür zu stehen.

War es auf dieser Fahrt lediglich die geänderte Wagenreihung, die bei den reservierungswütigeren Mitreisenden für Verwirrung, wildes Umherirren in den Gängen und lautes Fluchen sorgte, so hatte sich jemand für den Rückweg etwas ganz besonderes überlegt. Die schlichte Aussage ***Wagen 9 fehlt*** auf der durchlaufenden Bahnhofsanzeige barg einiges mehr, als man im ersten Moment vielleicht meint. Die circa einhundert Sitzplätze, die sich dadurch in Luft aufgelöst hatten, lösten eine Kettenreaktion aus, die jedem Verhaltensforscher gefallen hätte. Menschen die im Besitz einer Phantomreservierung waren, versuchten ihre Misere auf andere abzuwälzen, indem sie sich einfach deren Sitzplatz zu eigen machten. Da der Zug vollkommen überfüllt und somit das Vorankommen in den Gängen beinah unmöglich war, kann man die Idee, die Leute mit einem beschwichtigenden Freigetränk in den Speisewagen zu locken, nicht gerade als gelungen bezeichnen...

Mein unverhofftes Glück zeigte sich in Form einer sich lautstark bemerkbar machenden Frau, die den gesamten Waggon bei ihrem Betreten ungefragt davon in Kenntnis setzte, welche Plätze sie reserviert hatten, wie lange sie bereits verheiratet seien und dass sie bis in den hohen Norden nicht wieder aussteigen würden. Soweit noch kein Glück erkennbar, aber sie hatten eine dritte Reservierung, die sie nicht nutzten, und so kam ich dann tatsächlich noch an einen Sitzplatz.

Solange ich das Geld für meinen Privatjet noch nicht zusammengespart habe, werde ich wohl weiterhin auf diese Form des Reisens zurückgreifen. Nicht zuletzt, weil diese Episoden sich mindestens genauso schön erzählen wie das eigentliche Wochenende. Unseres bestand aus Quatschen, Laufen und Essen - und war sehr erholsam für Leib und Seele.

Spätestens in drei Jahren siehst du mich wieder, schönes Koblenz...


1 Kommentar:

  1. Lach mich schlapp. Hat sich die Bahn also für Dich etwas ganz spezielles einfallen lassen? Sei stolz drauf. Vielleicht schwimmst Du nächstes Mal einfach dorthin? Ich bekomme seit meinem Besuch bei Euch mit Bahnhofssperrung wegen Bombenalarm nur langweilige Verspätungen präsentiert. Dafür haben die aber nun auch Rekordlänge erreicht. Letztes Wochenende saß ich 50 Minuten am Bahnhof im Zug und wartete auf die Abreise. Gut, dass ich keinen Anschlusszug brauchte! Ja - Koblenz ist eine Reise wert und ich denke auch sehr gerne an unseren gemeinsamen dortigen Aufenthalt zurück!

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