Samstag, 12. Mai 2018

Es wurde Zeit...

... endlich mal wieder den Gemütszustand zu wechseln. Meine Grundstimmung war so dauerhaft deprimiert und ausgebremst, dass es mir selbst kaum noch aufgefallen ist. Man gewöhnt sich schließlich an so vieles. Und irgendwann hört man auf, darüber nachzudenken und akzeptiert es einfach so. Eine Gefühlslage ist ja auch keine bewusste Entscheidung, so nach dem Motto: Heute bin ich aber mal so richtig gut drauf, da werd ich euch alle zu Boden grinsen, so weit schieb ich meine Mundwinkel nach hinten!
Eigentlich ist diese Veränderung sogar eher unbemerkt geschehen. Und plötzlich ist mir aufgefallen, dass da gar keine schlechte Laune mehr Platz hat auf meinem Arbeitsweg, dass mich andere Leute mit ihrer Miesmacherei nicht mehr anstecken oder gar runterziehen können, wer und was mir so richtig gut tut, und wie leicht ich mich plötzlich wieder fühle.
Und ich habe gemerkt, dass ich all das viel zu lange an den falschen Stellen gesucht habe, weil es nämlich die ganze Zeit schon in mir war. Das klingt jetzt voll abgedroschen und langweilig, und im Grunde wissen wir das ja auch alle, ohne dass wir irgend welche Kalendersprüche oder Selbsthilfe-Ratgeber lesen müssen. Aber wenn es dann tatsächlich irgendwann soweit ist, fühlt es sich so befreiend und gleichzeitig so selbstverständlich an, dass man sich fragt, warum man eigentlich die ganze Zeit so viel falsch gemacht hat.
Meinen ganz persönlichen Auslöser für diese Odyssee trage ich schon ein paar Jahre mit mir herum. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit meiner Suche angefangen habe, um mich davon abzulenken und zu betäuben. Im Grunde war es mir durchaus bewusst, dass das zu keinem tauglichen Ergebnis führen kann und eine denkbar bescheuerte Taktik ist. Aber vielleicht war dieser Umweg trotzdem nötig, womöglich musste ich diesen ganzen Mist so lange wiederholen, bis es mir endlich die Augen geöffnet hat und ich schließlich das sehen und begreifen konnte, was ich jetzt sehe.
Und damit ich an dieser Stelle endlich mal wieder voller ehrlicher Überzeugung sagen kann: Es geht mir gut!
Ich bin zufrieden. Und ich bin ausgeglichen. Mein Boot gerät nicht mehr bei jeder Welle ins Schwanken. Die kleinen verzweifelten Puster irgendwelcher Neider und Missgönner, Unzufriedener und notorischen Miesmacher ringen mir nur ein müdes mitleidiges Lächeln ab.
Und wenn ich auf dem Weg zur Arbeit im Stau stehe, freue ich mich über den Sonnenschein, lache aus tiefstem Hals über das Radioprogramm und grinse in mich hinein, wenn um mich herum alle Autofahrer wütend-aggressiv oder verzweifelt-dramatisch die Arme in die Luft reißen. Und ihr könnt mir glauben, ich stehe momentan richtig oft im Stau!
Statt mit den Dingen zu hadern, die ich nicht ändern kann, freue ich mich über die positiven Veränderungen, die unerwartet in mein Leben geplatzt sind. So oft habe ich versucht, am Schicksalsrad zu drehen, Dinge beeinflussbar zu machen auf die ich keinerlei Einwirkung habe, Entwicklungen zu lenken oder zu beschleunigen, die ihre Zeit benötigen. Und jetzt kann ich mich plötzlich so entspannt und ruhig zurücklehnen, mit mir im Reinen und meine Zeit für mich nutzen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ich über jegliche Form von negativen Empfindungen nun erhaben bin. Stellt euch bloß keine ewig grinsende Buddhine vor, die alle Sorgen weglächelt und Probleme unter den Tisch schmunzelt. Aber die Momente, in denen ich mich gut fühle, überwiegen deutlich, und das war schon ganz lange nicht mehr so.

Kommentare:

  1. Ich gratuliere dir zu diesem Zustand, den du selbst und alleine herbei geführt hast. Das Leben kann so schön sein...

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  2. Ich freue mich sehr für Dich, denn der Zustand den Du beschreibst ist wahrscheinlich der schönste und beste überhaupt. Die Sturmtänzerin hat Recht, das Leben kann so schön sein ...

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