Dienstag, 7. November 2017

Der Praxistest

Tiger in Not - so prangt es auf dem Flyer, den mein Sohn auf dem Couchtisch hinterlassen hat. Dunkel erinnere ich mich an seine Worte "...kannst du dir ja mal ansehen... lege es dir da hin...". Ich war gerade damit beschäftigt, ein Schulbuch für meine Tochter zu bestellen, und hatte deshalb nur mit einem Ohr hingehört.
Ich führe mir also den Inhalt dieses Werbeflyers zu Gemüte und erfahre ungefragt einiges über Gewicht, Alter und Größe dieser Tiere. Im aufgeklappten Mittelteil finden sich dann Bilder von Kaminvorlegern und anderen Jagdtrophäen im Tiger-Style, darüber prangt die Frage "Warum muss sowas sein?" Das frage ich mich allmählich auch... allerdings schwant mir bereits, worauf das hinauslaufen soll.
Die Liste der Sponsoren ist noch einigermaßen unauffällig, allerdings lässt mich das Musikprogramm dann doch stutzig werden. Von Ed Sheeran über Helene Fischer bis zu den Imagine Dragons reicht die illustre Mischung der offenbaren Tigertötergegner, die kostenlos und eine volle Woche lang das Benefizkonzert unterstützen, das im September stattfinden soll.
Im September? Moment, den hatten wir doch in diesem Jahr schon...
Ich möchte meinen Sohn zu Rate ziehen und rufe ein "Was soll ich damit? Das war doch schon!" in Richtung seines vermuteten Aufenthaltsortes. Prompt kommt er herbeigeeilt, guckt mich einmal verständnislos an und sagt dann grinsend: "Mensch Mama, das ist doch das Ergebnis unserer Informatik-Aufgabe, wir sollten einen Flyer zu einem selbst erdachten Thema entwerfen. Anscheinend sieht er ja ziemlich echt aus..."
Ja, offensichtlich hat er den Praxistest bestanden :o)

Montag, 23. Oktober 2017

Mann o Mann

Zwei homosexuelle Männer adoptieren ein Kind, und ein Aufschrei geht durch die Nation. Sämtliche bis vor kurzem ausgestorben geglaubten Vorurteile werden aus den alten Schubladen gezogen und zu neuem Leben erweckt, jedes noch so abgehalfterte Klischee muss als Totschlagargument herhalten. Sodom und Gomorrha im Lande Konservativatien hinter den sieben Bergen bei den sieben altmodischen Völkern, die wohl heimlich noch der Hexenverbrennung frönen.
Das einzig Schlimme, das ich an dieser ganzen Sache finden kann ist, dass es überhaupt einer Erwähnung wert ist, und dass dort ein ganz normales Kind in den Fokus der Öffentlichkeit gerät, einer Öffentlichkeit, die gar nicht auf den Umgang mit einer derart intimen Information sensibilisiert ist, die sich auf das B i l d material stürzt, sich wahrscheinlich allen Ernstes fragt, wie diese Menschen wohl aussehen, ob sie wohl mit abgespreiztem kleinen Finger gestikulieren, mit nasaler Stimme sprechen und Frauenkleider tragen.
Ein Kind, dass das große Glück hat, nach einem vielleicht nicht so schönen Start ins Leben nun in ein liebevolles Umfeld zu kommen, zu Menschen, die für dieses Kind sorgen möchten, die ihm ermöglichen, sicher und sorglos aufzuwachsen, die es behüten und schützen werden, ihm Geborgenheit und Liebe geben werden. Zwei Menschen, die einander lieben und noch viel Platz für einen weiteren kleinen Menschen haben. Ein Paar, das sich dieser Aufgabe stellen möchte, weil es sich eine ganz normale Familie wünscht.
Wer möchte beurteilen, ob diese beiden Menschen dafür geeignet sind? Weniger gut als ein Mann und eine Frau? Weniger liebend, weniger zuverlässig, weniger vorbildlich?
Ein kleiner Mensch braucht Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, Menschen denen er vertrauen kann. Nicht zwingend einen biologischen Mann und eine biologische Frau. Welchen seelischen Schaden soll ein Kind nehmen, wenn es zwei Väter hat? Zwei Väter die ihm zeigen, wie man liebevoll und achtsam miteinander umgeht? Die ihm signalisieren, wir sind immer für dich da? Die einander wertschätzend behandeln, ihm ein sicherer Hafen sind und ein lebenslanger Halt? Ist das nicht sehr viel mehr, als es viele "klassische" Paare fähig sind zu geben?
Ich wünsche dem kleinen Mann und seinen beiden Vätern ein schönes, tolles, zufriedenes Leben, und ein Umfeld, das es endlich schafft, das zu tolerieren, und als das zu sehen was es ist - einen Teil von unserer Gesellschaft.

 ‚Immer wieder die gleiche Lektion, der gleiche Auftrag an eine bunte Welt, ihre Farben zu lieben und gleichermaßen zu respektieren. Miteinander sind wir der Regenbogen! Und nur gemeinsam wird’s gut sein.‘ – BaLo* 23.07.2011
(https://balodiba.wordpress.com/category/uncategorized/page/14/)

 http://www.schlossberg.schule/termin/schulfest-schlossbergschule/

Dienstag, 15. August 2017

wer bin ich nicht

Ist es illusorisch, sich ein realistisches Bild von sich selbst machen zu wollen? Sind wir wirklich dazu in der Lage, ehrlich zu beurteilen, wer/wie/was wir sind, oder ist da meistens der Wunsch der Vater des Gedanken? Trägt nicht unser Charakter bereits dazu bei, auf welche Art und Weise wir uns sehen? Und da es um uns selbst geht, wäre Objektivität ohnehin zu viel verlangt.

Ich habe festgestellt, dass meine Sichtweise auf mich offenbar keineswegs der Realität entspricht. Bisher habe ich mich für einen mitfühlenden und ehrlichen Menschen gehalten. Aber dieses Bild bedarf wohl einer Überarbeitung. Ehrlich bin ich noch nicht einmal zu mir selbst, und von Empathie bin ich so weit entfernt - diese Eigenschaft kann kaum noch mit mir in Verbindung gebracht werden.

Mir hat jemand gezeigt, wie sehr ich ihn mit meinem Verhalten verletzt habe, und ich frage mich, wie es sein kann, dass ich die Situation so falsch einschätzen und das zulassen konnte. Warum ich es unterschätzt habe, dass es ihm nicht gut geht damit, und weshalb ich nicht aufmerksamer war mit einem Menschen der mir so viel bedeutet.

Vielleicht bin ich gar nicht der Mensch, den ich in mir gesehen habe. Vielleicht bin ich in Wirklichkeit eine rücksichtslose egoistische Person, die nur an sich selbst denkt und der die Gefühle anderer total egal sind.

Zurück bleiben Hilflosigkeit und Traurigkeit, und eine Mauer aus Schweigen - immer noch die schmerzhafteste Art mir zu zeigen, wer ich bin.


Mittwoch, 23. März 2016

Kommt ein Vogel geflogen... ♫ ♫♪ ♫♪ ♪

Vor einigen Tagen wurde mir eine Sendung über Easterfly-Airlines angekündigt, die heute tatsächlich eintraf.
Trotz zaghafter Vorwarnung von Seiten der Absenderin, dass es sich dabei um eine schöne Überraschung fürs Vögelchen und mich handeln würde, kamen wir vorhin aus dem Stauen gar nicht mehr heraus.
So etwas unfassbar Niedliches hab ich wohl noch nie von jemandem bekommen!
Aber der Reihe nach...
Ich hab mir das Päckchen erst mal von allen Seiten genau angesehen (und vorsichtshalber auch dran gelauscht)
dann hab ich den Eingang gesucht - war aber keiner da
also haben wir uns von der Seite aus Zugang verschafft
und plötzlich... ist das etwa ein Schnabel??
Tatsächlich, oh mein goooottt, wer ist denn das!?!?
Was sagst du? Du bist nicht allein??
Hallo? Ist da noch jemand?
Ist das nicht ein kleines bisschen unbequem hier? Komm doch mal raus!
Huhu! Herzlich Willkommen bei uns!


Wie ihr seht, bin ich überglücklich und freue mich wahnsinnig über die tolle neue Gesellschaft!

Und jetzt schaut doch mal, mit wie viel Liebe zum Detail diese beiden süßen Gesellen entstanden sind:



Ihr seht mich vollkommen sprachlos, und grenzenlos begeistert!!
Ach komm, ein Gruppenfoto geht noch:
VIELEN LIEBEN DANK AN DAS ROTZLÖFFELCHEN FÜR DIESE SAGENHAFT TOLLE OSTERÜBERRASCHUNG! DU HAST MIR EINE RIESENGROSSE FREUDE GEMACHT!

Sonntag, 20. März 2016

Fahren Sie fort

Ein Schlussakkord, der eigentlich gar nicht als Cliffhanger gedacht war, fordert nun seinen Tribut. Wie war das also mit der Fahrerflucht? An welchen haarsträubenden Geschichten war die Vogelfrau nun wieder beteiligt?
Alles ganz harmlos und vollkommen unspektakulär:
Ich fuhr mit meinem Schlitten durch die Gegend
um die Wartezeit für die Dauer von zwei Schwimmkursen zu überbrücken.
Als ich nach einem kurzen Stop auf den Parkplatz zurückkehrte, hörte ich direkt neben mir ein lautes Krachen. Beim Aufblicken bemerkte ich, dass ein Wagen beim Zurücksetzen ein parkendes Fahrzeug gerammt hatte. Ich sah die Frau hinterm Steuer an, verzog das Gesicht zum Zeichen meines Mitgefühls und machte mich darauf gefasst, dass sie gleich fluchend und Haare raufend aus dem Auto steigen würde. Sie fuhr ein Stück vor, um (so dachte ich) den Platz für andere durchfahrende Autos freizuräumen. Aber dann gab sie plötzlich richtig Gas und war in Null-Komma-Nix aus meinem Blickfeld verschwunden.
Zum Glück hatte ich mir gerade noch das Kennzeichen merken und auf die Hand schreiben können. Ich hinterließ auf der Rückseite eines alten Einkaufszettels, den ich in meinem Auto ausgrub, eine Nachricht am anderen Wagen, dass sich hinten links ein Schaden befände, dazu das Kennzeichen des Verursachers und meine Telefonnummer.
Eine halbe Stunde später rief mich mein Mann einigermaßen irritiert auf dem Handy an - er habe einen mysteriösen Anruf bekommen, von einem Mann der irgendwo auf einem Parkplatz stehen würde und meine Telefonnummer habe - - da wüsste ich ja schon gern, was er im ersten Moment gedacht hat... :o)

Der Mann hatte sich nur bedanken wollen und meinte noch, der Schaden sei relativ gering, was aber das Wegfahren der Frau nicht weniger schlimm mache. Ich hielt die Angelegenheit für erledigt und dachte nicht länger darüber nach.

Bis ich am Wochenende im Urlaub eine Mitteilung auf dem Handy bekam. Ein verpasster Anruf - wie gesagt, ich hatte kein Netz - mit einer mir unbekannten Nummer. Von einem anderen Handy aus rief ich zurück und es meldete sich die Polizei. Wir kauten gemeinsam einen ganzen Fragenkatalog durch, zwischendurch setzte er mich beinah unter Hypnose, damit ich mich besser an Einzelheiten erinnern konnte. Zur Beschreibung der Fahrerin hätte das nie im Leben beitragen können, denn ich bin leider vollkommen gesichtsblind und kann in einer Menschenmenge gerade mal meine eigenen Kinder erkennen (also, falls sich keine ähnlich aussehenden Menschen da aufhalten).

Nachdem ich die Angelegenheit ein weiteres Mal abgehakt hatte und für erledigt hielt, bekam ich mit der Post einen dicken Umschlag.
Nun also das ganze Spielchen noch einmal schriftlich - da hat sich Miss Marple ja was schönes eingebrockt...

Mittwoch, 8. Juli 2015

Nachtgedanken

Der Sommer hat sich mit lautem Getöse verabschiedet und legt schon wieder eine Pause ein. Einige Male konnte ich mich heute überwinden, einen Blick aus dem Bürofenster zu riskieren - man könnte meinen, es ist schon wieder Herbst. Ganz so fix hätte das ja nun doch nicht gehen müssen...

Aber so bleibt mir zumindest genug Zeit, meine Gedanken auf zukünftige Ereignisse zu lenken. Nach der gerade aufgedeckten Garderoben-Affäre, deren Erscheinen auf der Titelseite der B-Zeitung ich gerade noch zu verhindern wusste, bin ich ja nun gezwungen, mich nach einem neuen Outfit umzusehen, in dem ich auf der Pyjamaparty dann auch geduldet werde.

In den Tiefen meines Kleiderschrankes konnte ich so einiges ausgraben, möchte allerdings gern euch die Entscheidung überlassen.

1. DER KLASSIKER



Legerer Schnitt, pastellfarben gestreift, im Schritt offen - das "rundum sorglos und bequem" - Paket.
Was denkt ihr?

2. DIE DIVA

Zeitlos elegant, figurbetont, der samtweiche Stoff schmeichelt der Haut - darin liegen mir die Vogelmännchen dieser Welt zu Füßen!

3. HOT AND SEXY
Bei diesem maßgeschneiderten Designerstück wurde an alles gedacht, sogar an die Flügelattrappen auf meinem Rücken. Aber ich weiß nicht recht - es trägt ein bisschen auf, oder? Ich finde ich sehe aus wie ein Frühstücksei-Warmhalter. Nichtsdestotrotz, Stil hat es!

4. ABBA-STYLE

Ohne Frage sehr hipp, fast so chic wie mein eigenes Federkleid. Hierin wäre ich vermutlich die Dancing-Queen des Abends.

So sieht's aus, Leute, wer die Wahl hat, hat die Qual. Ist zwar noch ein bisschen Zeit bis zur legendären Party, aber mir wär schon wohler, wenn ich mich jetzt ganz der Vorfreude hingeben könnte, ohne die lästigen Gedanken an mein Nachtgewand...

Dienstag, 16. Juni 2015

ich dreh am Rad

Wenn ich mich entspannen will, steige ich aufs Rad, lege mich mit dem Bauch auf den Sattel und strecke die Beine nach hinten aus. Ja, ich weiß, das nehmt ihr mir jetzt wieder nicht ab. Hab ich aber heute morgen in der Zeitung gelesen. Es handelt sich dabei um eine Yoga-Übung, die man ganz bequem nebenbei auf dem Weg zur Arbeit absolvieren kann. Nennt sich "Der Pfau auf dem Fahrrad". Darüber, ob diese sportliche Einlage auch polizeilich geduldet wird, hat sich der Verfasser des Artikels allerdings ausgeschwiegen.
Und ob das arme Tier sein Rad auf einem Rad (har har) nun besonders gut schlagen kann, wage ich auch zu bezweifeln...

Mich hat "Der Pfau auf dem Fahrrad" spontan an ein Kinderspiel erinnert, mit dem wir uns zu unserer Schulzeit oft und gerne beschäftigt haben. Meine Freundin und ich hatten ein Buch über Fadenspiele, das Beschreibungen enthielt, wie man mithilfe einer an den Enden zusammengeklebten Schnur etliche Figuren formen kann, indem man die Fäden entsprechend über die Finger legt. Eine der Übungen hieß "Das Schwein auf der Leiter"
Der Titel würde wohl ebenfalls als Name für eine Yoga-Übung durchgehen, die dann sicher eine ähnlich entspannende, kraftschöpfende und inspirierende Wirkung hätte.

Ich für meinen Teil fahre ja lieber mit dem Auto zur Arbeit und steige dann nachmittags und am Wochenende aufs Rad. Allerdings ganz normal, mit den Füßen auf den Pedalen, der Nase nach vorne und dem Kopf oben. Das entspannt mich irgendwie wesentlich mehr, aber ich bin ja auch kein Pfau...