Mittwoch, 8. Juli 2015

Nachtgedanken

Der Sommer hat sich mit lautem Getöse verabschiedet und legt schon wieder eine Pause ein. Einige Male konnte ich mich heute überwinden, einen Blick aus dem Bürofenster zu riskieren - man könnte meinen, es ist schon wieder Herbst. Ganz so fix hätte das ja nun doch nicht gehen müssen...

Aber so bleibt mir zumindest genug Zeit, meine Gedanken auf zukünftige Ereignisse zu lenken. Nach der gerade aufgedeckten Garderoben-Affäre, deren Erscheinen auf der Titelseite der B-Zeitung ich gerade noch zu verhindern wusste, bin ich ja nun gezwungen, mich nach einem neuen Outfit umzusehen, in dem ich auf der Pyjamaparty dann auch geduldet werde.

In den Tiefen meines Kleiderschrankes konnte ich so einiges ausgraben, möchte allerdings gern euch die Entscheidung überlassen.

1. DER KLASSIKER



Legerer Schnitt, pastellfarben gestreift, im Schritt offen - das "rundum sorglos und bequem" - Paket.
Was denkt ihr?

2. DIE DIVA

Zeitlos elegant, figurbetont, der samtweiche Stoff schmeichelt der Haut - darin liegen mir die Vogelmännchen dieser Welt zu Füßen!

3. HOT AND SEXY
Bei diesem maßgeschneiderten Designerstück wurde an alles gedacht, sogar an die Flügelattrappen auf meinem Rücken. Aber ich weiß nicht recht - es trägt ein bisschen auf, oder? Ich finde ich sehe aus wie ein Frühstücksei-Warmhalter. Nichtsdestotrotz, Stil hat es!

4. ABBA-STYLE

Ohne Frage sehr hipp, fast so chic wie mein eigenes Federkleid. Hierin wäre ich vermutlich die Dancing-Queen des Abends.

So sieht's aus, Leute, wer die Wahl hat, hat die Qual. Ist zwar noch ein bisschen Zeit bis zur legendären Party, aber mir wär schon wohler, wenn ich mich jetzt ganz der Vorfreude hingeben könnte, ohne die lästigen Gedanken an mein Nachtgewand...

Dienstag, 16. Juni 2015

ich dreh am Rad

Wenn ich mich entspannen will, steige ich aufs Rad, lege mich mit dem Bauch auf den Sattel und strecke die Beine nach hinten aus. Ja, ich weiß, das nehmt ihr mir jetzt wieder nicht ab. Hab ich aber heute morgen in der Zeitung gelesen. Es handelt sich dabei um eine Yoga-Übung, die man ganz bequem nebenbei auf dem Weg zur Arbeit absolvieren kann. Nennt sich "Der Pfau auf dem Fahrrad". Darüber, ob diese sportliche Einlage auch polizeilich geduldet wird, hat sich der Verfasser des Artikels allerdings ausgeschwiegen.
Und ob das arme Tier sein Rad auf einem Rad (har har) nun besonders gut schlagen kann, wage ich auch zu bezweifeln...

Mich hat "Der Pfau auf dem Fahrrad" spontan an ein Kinderspiel erinnert, mit dem wir uns zu unserer Schulzeit oft und gerne beschäftigt haben. Meine Freundin und ich hatten ein Buch über Fadenspiele, das Beschreibungen enthielt, wie man mithilfe einer an den Enden zusammengeklebten Schnur etliche Figuren formen kann, indem man die Fäden entsprechend über die Finger legt. Eine der Übungen hieß "Das Schwein auf der Leiter"
Der Titel würde wohl ebenfalls als Name für eine Yoga-Übung durchgehen, die dann sicher eine ähnlich entspannende, kraftschöpfende und inspirierende Wirkung hätte.

Ich für meinen Teil fahre ja lieber mit dem Auto zur Arbeit und steige dann nachmittags und am Wochenende aufs Rad. Allerdings ganz normal, mit den Füßen auf den Pedalen, der Nase nach vorne und dem Kopf oben. Das entspannt mich irgendwie wesentlich mehr, aber ich bin ja auch kein Pfau...

Freitag, 12. Juni 2015

In jedem Menschen...

... den du kennst, steckt ein Mensch, den du nicht kennst.
Und manchmal lauern die verborgenen Stellen an so unerwarteten Bereichen, dass dir vor Staunen die Kinnlade runterklappt.
Ich zumindest habe gerade den secret garden meines Göttergatten entdeckt. Ich bin mir sicher, dass er nicht mit meinem detektivischen Spürsinn gerechnet hat, sonst hätte er sich das garantiert nicht getraut.
Aber der Reihe nach...
Angefangen hat alles vor über einem Jahr, als drei (insbesondere voneinander) begeisterte Bloggerinnen beschlossen, sich zu einem gemeinsamen Wochenende zu treffen.
Wir erinnern uns..
Bisher unveröffentlichtes Bildmaterial beweist, dass ich mir eigens zu diesem Zweck einen Pyjama zugelegt habe. Ohne mich in Details zu verlieren, sei gesagt, dass ich zuhause für derlei Kleidung keine Verwendung habe.
Das Foto zeigt mich noch bei den Vorbereitungen, aber ich versichere euch, SO bin ich nicht die ganze Zeit herumgelaufen!

Vor kurzem erreichte mich - dem aufmerksamen Leser ist dies eventuell nicht entgangen - eine Einladung zur Pyjamaparty, mit meinen beiden Begleiterinnen auf der eben erwähnten Reise.

Sozusagen ein kleines revival, und für die 6-Stunden-entfernt-Wohnende die Gelegenheit, unseren schönen Norden mal unter die Lupe zu nehmen.
Unter selbige nahm ich aus diesem Anlass auch mein Schlafgewand, das die vergangenen 12 Monate in meinem Kleiderschrank verbracht hatte - so meine feste Überzeugung bis zu diesem Moment.
Fassungslos starrte ich auf das Loch, das sich an der unpassendsten Stelle in der Hose breit gemacht hatte.
Sagt was ihr wollt, Leute, aber nach reiflicher Überlegung lässt das für mich nur diesen einen Schluss zu: Mein Mann trägt heimlich meine Klamotten!
Wobei ich im Grunde ja froh bin, dass es nur DAS ist...

Mittwoch, 27. Mai 2015

Große Ereignisse werfen ihre Krawatten voraus

In den letzten Wochen und Monaten stand unsere Terminplanung ganz im Zeichen von Tischreservierungen und Garderobenauswahl.



Während wir nach außen hin weiter Baumaschinen durch die Gegend fuhren und Lohnabrechnungen erstellten, kreisten unsere Gedanken nur noch um Menüauswahl, Einladungskarten, Friseurtermine, angemessenes Schuhwerk und Krawattenknoten.

Letzteres bereitete uns einigermaßen Kopfzerbrechen - bislang besaß mein Mann nur ein einziges gebundenes Krawattenexemplar, sorgsam gehütet wie seinen Augapfel, und stets mit größter Vorsicht angelegt, indem er es nur gerade soweit öffnete wie für die Dicke seines Kopfes unbedingt erforderlich. Jahrelang ging das gut, aber nun war es doch mal Zeit für einen Farbwechsel...

Mein Beitrag auf dem Gebiet des Knotens beschränkte sich bis dato auf die Fähigkeit, mir einen Knoten ins Taschentuch zu knüpfen. Und unsere gänzlich unbedarften Kinder verstanden das Problem nicht. (ich im übrigen auch nicht, wenn ich ehrlich bin)

Da mein Mann aber zur Konfirmation seines Sohnes unter keinen Umständen mit nacktem Hals auftreten wollte, bat er zunächst die Verkäuferin, die ihm das neue ungebundene Exemplar angedreht hatte, und schließlich noch die Angestellte in der Änderungsschneiderei, zu der er seinen Anzug brachte, um hilfreiche Unterstützung. Jedoch beherrschte keine der beiden Damen die Kunst des Krawattenbindens.

Also kramten wir vier uralte Schlipse in heute kaum mehr zumutbarer Farbauswahl aus dem Kleiderschrank und setzten uns alle vier nebeneinander vor den Laptop, wo uns ein sympathischer Herr in nicht zu überbietender Geduld und stoischer Gelassenheit ein ums andere Mal die Handgriffe zeigte, die letzten Endes zur Entstehung des Doppelten Windsor führen sollten. Mit ruhiger Stimme erklärte er uns geschätzte hundertfünfzig Durchläufe lang, wie man zunächst außen oberhalb herum und dann innen hinten links durch... - naja ihr wisst schon.

Was da bei den ersten Imitationsversuchen an unseren Hälsen entstand, hatte zunächst nur entfernt - und mit sehr viel Fantasie - Ähnlichkeit mit einem Kleidungsstück, auch hing es nicht unbedingt herunter, sondern trotzte zuweilen der Schwerkraft, indem es im rechten Winkel zum Körper steif nach vorne abstand. Aber wir stachelten uns weiter gegenseitig an, und näherten uns Schritt für Schritt einem vorzeigbaren Ergebnis, bis schließlich...


Zwar hätten sich, wie wir später erfuhren, in der Verwandtschaft ebenfalls ein paar fähige und hilfreiche Hände gefunden, aber so hat es eigentlich noch viel mehr Spaß gemacht, außerdem war der Regentag auch ruckzuck rum ;-)
Und vielleicht hat unser Sohn dabei ja sogar noch was fürs Leben gelernt...

Freitag, 3. April 2015

unbezahlbar

Für mich ist heute ein ganz besonderer Tag. Nicht bloß weil, wie mein Vater ihn in Anlehnung an seinen Vornamen zu nennen pflegt, Karlfreitag auf dem Kalenderblatt steht, nein, es handelt sich um
(Trommelwirbel, Tusch!)
meinen ersten bezahlten Feiertag seit 14 Jahren.
Ich kann einfach im Bett liegen bleiben, und der Zähler läuft trotzdem weiter.
What a feeling ♫♪ ♫ ♫ ♪♪ ♫♪
Seit exakt drei Tagen bin ich nämlich wieder im Besitz eines festen Anstellungsvertrages für eine Teilzeitstelle - die letzten fünfeinhalb Jahre habe ich ja nur auf Aushilfsbasis dort gearbeitet.
Nach außen hin bedeutet das keine große Veränderung, lediglich noch ein paar Stunden mehr Arbeitszeit, aber die eigentliche Veränderung besteht in dem Gefühl, einen weiteren Schritt zurück ins Berufsleben bewältigt zu haben. Was mir ja auch den Weg ebnet, irgendwann eventuell mal wieder so richtig 'dazuzugehören' ...zu diesen Menschen die morgens aus dem Haus gehen und abends erst wiederkommen.
Ob ich in dieser Firma alt werde, weiß ich noch nicht, aber momentan spricht nicht viel dagegen. Zunächst ist es erst einmal beruhigend, wieder einen Fuß in der Tür zu haben, die in die Arbeitswelt führt.
Als ich mich vor 14 Jahren in den Erziehungsurlaub verabschiedete, hätte ich mir nie vorstellen können, wie sehr man das lästige Berufsleben vermissen kann. Und heute fühlt es sich schon beinah wieder so an, als hätte es diese Babypause nie gegeben.

Bin ich wirklich Mutter zweier pubertierender Kinder? Wann ist das alles passiert? Werde ich demnächst morgens aufwachen und mich fragen, seit wann ich eigentlich diese drei bis sieben Enkelkinder habe? Und wo ist dieser Knopf, mit dem man die Zeit anhalten kann....?

Genug gewundert für heute, ich wünsche euch ein schönes Osterfest und ein paar erholsame freie Tage im Kreis eurer Lieben! Da unsere Wohnung (wie ich kürzlich las) mein erreichtes Putzlevel nicht abgespeichert hatte, werd ich wohl noch kurz den Feudel schwingen müssen, bevor ich genüsslich die Füße hochlegen und - um es noch einmal zu betonen - meinen Geldsegen durch Nichtstun genießen werde.

Freitag, 27. März 2015

call me tini-tussi

Wie laut Kinder sein können, merkt man ja am ehesten, wenn sie es mal NICHT sind. Erst vor wenigen Wochen habe ich zum allerersten Mal den Gaszähler im Kellerraum unter unserem Wohnzimmer rattern hören. In den letzten zwölf Jahren war es offenbar niemals auch nur annähernd so leise gewesen, denn dieses Geräusch hatte mich zutiefst verstört, bis ich ihm wortwörtlich auf den Grund gegangen war.
Vor einigen Tagen - ich hatte es mir gerade mit einem Buch auf dem Sofa gemütlich gemacht, die Kinder waren irgendwo außerhalb des Gebäudes verteilt - drangen allmählich Geräusche an mein Ohr, die entfernt an ein leise dudelndes Radio erinnerten. Nanu, dachte ich? Sind da etwa Stimmen in meinem Kopf? Lauter als sonst? Ich sah mich verstohlen um - nicht dass das noch jemand mitbekam... Aber ich war allein. Ein Kontrollgang durch die Kinderzimmer ergab: Keine vergessenen Wecker. Desweiteren weder ein verlassener CD-Player noch ein verwaistes Küchenradio. Wobei wir der Sache in der Küche schon näher kamen. Die Miss Marple in mir blähte ihre Nüstern und stellte die Atmung weitestgehend ein, um das Geräusch genauer orten zu können. Ungläubig starrte ich auf den Herd. Sprach der nun neuerdings zu mir? Und wenn ja, was wollte er mir sagen? "Gib dir mal mehr Mühe, deine Zubereitungen sind eine Beleidigung meiner Existenz!" ??
Aber nein, das Geräusch kam gar nicht vom Kochfeld, sondern eine Etage darüber - aus der Dunstabzugshaube. Konnte das wirklich sein? In meiner Erinnerung tauchten Geistergeschichten aus Zahnarztpraxen auf, in denen "es" durch ein Abflussrohr im Waschbecken zur Menschheit sprach. Sollte ich das nächste Opfer sein? Empfingen wir über unsere Satellitenschüssel die ersten brauchbaren Signale aus dem All? Würden in der nächsten halben Stunde grüne Wesen auf unserem Dach landen und unsere Mon-Cherie-Vorräte vertilgen?
Halb auf dem Herd kniend, das Ohr so weit wie möglich unter den Abzug gepresst, versuchte ich angestrengt, ein paar Wortfetzen aufzuschnappen, auf die ich mir einen Reim hätte machen können. Aber bis auf die Feststellung, dass dort eindeutig eine Stimme zu mir in die Küche durchdrang, konnten mir die vernommenen Laute keine Erklärung liefern.
So lief ich schließlich vor die Tür, um herauszufinden, ob ich von draußen die Herkunft der geheimen Botschaft näher orten könne. Bereits an der Haustür fiel mir auf, dass man besagte Stimme von hier viel deutlicher und lauter vernehmen konnte. Ein Blick auf die Straße zeigte mir dann auch, woran das lag: Dort stand das Auto meines Mannes, er saß noch hinter dem Steuer, hatte die Freisprecheinrichtung seines Handys aktiviert und - telefonierte mit seinem Kumpel, dessen Stimme laut und deutlich die ganze Straße runter zu hören war.
Im Grunde bin ich froh, dass wir an diesem Abend dann doch keine unerwarteten Gäste hatten - ich wollte ja noch mein Buch zu Ende lesen.

Freitag, 13. März 2015

Poppeye macht Schule

Manche Ideen sollte man vielleicht einfach mal für sich behalten. Oder nur mit einem guten Freund teilen. Jedenfalls nicht unbedingt gleich mit der ganzen Klasse - samt Klassenlehrerin. Aber das merkt man zuweilen eben auch erst hinterher.
Ich bin ganz froh, dass ich nicht die Person bin, die meinen Sohn tagtäglich unterrichten muss und aus diesem Grund niemals an unangebrachter Stelle in Gelächter ausbrechen darf, sondern "nur" seine Mutter. Ich muss mich nicht mit ihm abgeben, wenn einer von uns einen schlechten Tag hat - dann verschwindet er freiwillig in seinem Zimmer.
Seine Lehrerin hat da vergleichsweise die A-Karte gezogen. Die muss da durch. Egal wie aggro mein Kind drauf ist, ob heute grad "Widerworte-Tag" ist oder ihm ne rattengroße Läuse-Mutation über die Leber gelatscht ist. Sicher kein Zuckerschlecken, aber ich wette auch, die hat zuhause jeden Tag was zu erzählen.
Mein Sohn zählt, trotz seiner Angehörigkeit zum männlichen Geschlecht, zu der Gattung Kind, die zuhause gerne und viel erzählen, und auch vor ihren Fehlern und Peinlichkeiten nicht halt machen. So kam ich gestern in den Genuss einer Echtzeit-Doku aus dem Wirtschaftsunterricht.
Die Aufgabe der Schüler bestand darin, eine fiktive Firma zu gründen, sich ein Geschäftsmodell zu überlegen und eine absolute Neuheit zu erfinden und vorzustellen. Ich finde , Fantasie ist etwas wunderbares, gerade weil sie ganz offensichtlich vom Aussterben bedroht ist und ihrem größten Feind, der virtuellen Welt, die alles vordenkt, dem Smartphone, den Computerspielen und den jutjub-Filmchen kaum noch standhalten kann. Aber, wie gesagt, nicht jede Idee ist so toll wie man vielleicht im ersten Moment glaubt.
Ihr könnt euch wahrscheinlich schon denken, welche Firma in den Köpfen einer Gruppe pubertierender 13-Jähriger entstand - und wessen Idee das war. Wahrscheinlich hätte die Lehrerin sogar noch ein Einsehen gehabt, wenn der Vortrag über den Erotikshop "1, 2, Sex" weniger kichernd, gackernd und bäuchehaltend sondern souverän und selbstverständlich rübergekommen wäre. Aber das wäre wohl ein bisschen viel verlangt, wenn man bedenkt, dass diese Mannschaft frühreifer Möchtegern-Lover sich auf dem rutschigen Gleitgel-Terrain befand, im Dunkeln der grauen Anschnall-Dildo-Theorien stocherte und zum krönenden Abschluss der staunenden Mitschülermenge noch ihre frisch erfundene Nacktsichtbrille präsentierte.
Da bleibt doch nix trocken, zumindest kein Auge!