Sonntag, 30. März 2014

Zeit für mich

Es gibt Momente, die machen einem zu schaffen, obwohl sie gar nicht exitieren. Die Stunde letzte Nacht zum Beispiel, die uns irgendwie abhanden gekommen ist, die wohl im temporären Nirwana herumschwirrt, bis sie im Oktober wiederkommen darf - meistens hab ich tagelang was davon. Schlimmer als Muskelkater sozusagen ;-)
Aber diesmal hab ich der psychischen Zerrung vorgebeugt und meinen Akku vorsorglich voll aufgeladen. Mein Gesicht in die Sonne gehalten, mich aufs Rad geschwungen, das erste Eis genossen, und einen Schwung lieber netter Worte getankt. Da ist nämlich mal wieder ein interessanter Mensch in mein Postfach gefallen - und das genieße ich grad ein bisschen. Insofern kann ich eine Stunde Schlaf momentan ganz gut entbehren :o) Also falls jemand noch diesbezügliche defizitäre Empfindungen hegt, ich hätte da noch einige Minütchen abzugeben. Vielleicht krieg ich sie ja bei Bedarf zurück...

Sonntag, 23. März 2014

ich wünsch' dir Liebe ohne Leiden

Wann ist man alt? Wenn man eine Lesebrille benötigt? Ab dem Tag, an dem man nicht mehr ohne Stöhngeräusche ein Klettergerüst erklimmen kann? Sobald man sich eingesteht, dass man früher alles besser fand? Klar, von allem ein bisschen irgendwie... aber so richtig richtig alt bist du, wenn du die Einladung zur Hochzeit deines Patenkindes in Händen hältst! Ich kann die Augen nicht mehr länger vor der Tatsache verschließen, einer Generation anzugehören, die irgendwo „auf halber Strecke zwischen Kuscheltuch und Rheumadecke“ (Ina Müller) lebt. Bevor dieses Event ins Haus stand, hab ich ja auch schon quasi „Mental-Botox“ betrieben und diverse kleine Fältchen bis mittelgroße Krater einfach wegignoriert. Ob das weiterhin funktionieren wird, nachdem ich nun direkt mit der unumstößlichen Tatsache um das Ausmaß meiner durchwanderten Lebensjahre konfrontiert worden bin, bleibt abzuwarten.

Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden, und eine Hand die deine hält....

Inzwischen liegt dieses Wahnsinnsevent hinter uns und ich bin noch vollkommen geflasht. Mein Mann und ich sind uns einig: Weniger ist manchmal mehr.
Es sollte die perfekte, vollkommene Hochzeit sein, was dazu führte dass sich einem der Eindruck eines komplett überladenen, künstlichen und gestellten Events aufdrängte.
Das einstündige Programm in der Kirche hätte auch jedem Promi zur Ehre gereicht. In meiner Paraderolle als alternde Tante hatte ich bereits nach 30 Minuten derart kalte Füße, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Gotteshaus ernsthaft betete – und zwar darum, möglichst noch vor Abschluss des Wochenendes diesen Ort lebend verlassen zu dürfen.
Auf jedem Sitzplatz lagen ein Taschentuch, ein Programmheft und ein kleines Seifenblasenfläschchen. Alles liebevoll beklebt mit dem (eigens entworfenen und mittlerweile urheberrechtlich geschützten) Brautpaar-Emblem und mit Sprüchen à la „Glück ist das einzige was sich verdoppelt wenn man es teilt“ versehen. Ungeachtet der Tatsache, dass sie offenbar das ganze letzte Jahr über mit den Vorbereitungen beschäftigt waren, ist man irgendwann echt genervt, weil man nun mal nicht ununterbrochen erstaunt, gerührt, überrascht und ergriffen sein kann. Vielleicht auch, weil es einfach nicht authentisch wirkte oder unbeschwert.

Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden, und dass dir nie die Hoffnung fehlt....

Und ein weiterer Eindruck drängte sich mir auf. Zuerst konnte ich ihn gar nicht genau in Worte fassen, wusste nicht, was mich stört oder irritiert. Mag sein, dass ich mir alt vorkam in dieser Gruppe junger Leute Anfang zwanzig, aber was sie da taten, wirkte auf mich so deplatziert. Müsste ich es in einem Satz zusammenfassen, würde ich sagen: Sie spielen erwachsen sein.
Sie (ver)kleiden sich übertrieben festlich, fachsimpeln über Lebenserfahrung und spielen Fernsehszenen nach ohne überzeugend zu wirken. Zuversicht ist etwas so schönes, und vielleicht wohnt ihr ja diese Portion Naivität inne, ohne die sie nicht existieren könnte.
Eine perfekte Hochzeitsfeier, leider eher ein Theaterstück ohne Unbeschwertheit. Mögen sie sich diese in ihrem 'richtigen Leben' bewahren!

und dass dir deine Träume bleiben.... 

von Herzen,
für dich,
deine Patentante. 

Freitag, 21. März 2014

Rundflug

Gestern war's ja so herrlich draußen... ich hockte so an meinem üblichen Platz auf dem Brotkasten und warf sehnsuchtsvolle Blicke aus dem Küchenfenster. In der Vergangenheit hatte ich schon mehrfach versucht, mal einen Schritt vor die Tür zu wagen, war aber nie weiter als bis zur Terrassentür gekommen. Entweder streunte dort Nachbarkater Rocky herum und warf mir gierige Blicke zu, während ihm der Sabber schon aus den Mundwinkeln lief, oder irgendjemand hatte mir wieder mal die Fliegentür vor der Nase zugeschlagen. Doch gestern nutzte ich die Gunst der Stunde und schlüpfte hinter dem kleinen Mädchen mit dem Springseil hinterher. Mein erster Tag in Freiheit, hier dürft ihr teilhaben:
Ich sitze in einem Strauch, während diese Blüten immer dicker werden...


 ein Bad in der Sonne - wie lange habe ich davon schon geträumt:

ein wenig sportliche Betätigung kann auch nicht schaden:
 hier kann ich mich prima verstecken:

 huhuuuu! ist da jemand zuhause?

 
 nanu, hier ist auch niemand... wo sind die denn alle hin?
 Wer bist du denn? Hast du meine Verwandten gesehen?
 Yippiiieeeeh, wow, wie lange bin ich schon nicht mehr geflogen!!

 nun noch eine kurze Runde auf dem Rad drehen:
 ich find, hier reihe ich mich hervorragend ein:

 meine Schwanzfedern müssten auch mal wieder gestutzt werden (sieht echt unvorteilhaft aus auf dem Foto!)

Jan und Hein und Claas und Pitt ♫♪ ♪♫

hach, war das toll, davon muss ich gleich drinnen den anderen erzählen:
 (ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das Huhn hat mich nicht verstanden...)

Haaaaallo, ihr da oben, kommt doch mal 'n bischen näher, ich wollte euch was spannendes erzählen:
 Ich sehe schon, das ist ein tooootal langweiliger Haufen hier drinnen, keiner interessiert sich für meine Abenteuer. Seid ihr auch solche Schlaftabletten? (upps, Mama Rotzlöffel hat immer gesagt, ich darf nicht so frech sein, aber, is doch wahr!)

Mittwoch, 19. März 2014

Tatort: Internet

Neben der Fraktion der Tatortfans hat sich eine neue Gruppe herausgebildet. Die Antifans: sie zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass die während der gesamten Ausstrahlung des Films bei Facebook oder Twitter live Kommentare posten, die möglichst abfällig über Handlung, Schauspieler, Dialoge oder Hintergrundthema urteilen. Ob die Kommissarin aufgespritzte Lippen hat ist dabei genauso wichtig wie die Frage, warum der Verbrecher auf Sand mit quietschenden Reifen anfahren kann. Es erschließt sich mir zwar nicht, warum sich diese Tatortverabscheuer jeden Sonntag trotzdem 90 Minuten ihrer verhassten Sendung antun, aber insgeheim lieben sie es natürlich, möglichst viel Negatives aufzuspüren. Wer suchet der findet.
Besonders gern wird der erhobene Zeigefinger im Tatort kritisiert, die Moral von der Geschichte, das vorherrschende Thema, die Problematik, die sich um das Verbrechen rankt, oder um die die Verdächtigen kreisen – wie man will, oder nicht will. Single-Frauen über 40? Buhuuu! Männer in der Midlifecrisis? Ausgiebig Gääähn! Ausländerhass? Seufzz-stöhn-mecker-moser!
Wollt ihr Kindesmisshandlung? NEIIN! Wollt ihr sozial schwaches Milieu? NEIIIN! Wollt ihr Waffenhandel? NEIIN! Was wollt ihr denn? Lä-hes-tern, lä-hes-tern, lä-hes-tern! Okay, sei's drum....

Dienstag, 18. März 2014

Zumutungsstelle

Hab ich was verpasst? Ist heute zufällig „Mach-mich-blöd-von-der-Seite-an – Tag“ und ich habs als einzige wieder mal nicht mitbekommen? Dass mich der Finanzbeamte anherrscht, weil ich ihn unüberlegterweise heute frühmorgens um halb zehn durch meinen Anruf aus dem Schlaf gerissen habe, kann ich ja noch nachvollziehen. Aber seit wann muss man denn auch bei der Kfz-Zulassungsstelle so übel drauf sein?
Die Mitarbeiterin, die mit der Bearbeitung meiner beiden Wünsche betraut wurde, hatte entweder den geheimen Auftrag, meine Geduld auf die Probe zu stellen, oder sie hatte Angst, dass es sich bei mir um eine Testkundin handelt, und hat deswegen alles seeeeehr genau genommen.
Zu den Sätzen, die man meiner ganz persönlichen Meinung nach nur dann sagt, wenn man auf der „Heute piss ich mich mal an – Skala“ ganz nach oben rutschen will, zählten unter anderem:

• „Die Unterschrift auf der Vollmacht sieht ganz anders aus als auf dem Perso“ – okay, beim nächsten Mal werde ich sie durchpausen, das kann ich dann auch alleine und mein Chef muss sich nicht extra bemühen

• „Der Versicherungscode ist für eine ganz andere Firma als Sie angegeben haben“ – oha! Wär' mir jetzt so spontan gar nicht aufgefallen, dass da & statt + steht, da muss ein neuer Code her, völlig klar! (Hand-an-die-Stirn-klatsch... dasdarfnichtwahrsein, dasdarfnichtwahrsein, dasdarfnichtwahrsein...)

• „Würden Sie bitte draußen warten, während ich Ihre Papiere ordne! Sie werden dann gleich wieder aufgerufen“ - warum? Steht da was in meinen Sachen, was ich nicht sehen darf, oder wollen Sie sich heimlich was kopieren/in der Nase bohren/Frühstückspause machen? (Würden SIE bitte draußen warten, während ich meinen Wutanfall auslebe!)

• „Das Fahrzeug erfüllt nicht die Voraussetzungen für eine grüne Plakette, die kann ich Ihnen nicht ausstellen“ – macht ausnahmsweise überhaupt nichts, das hat nämlich die Werkstatt schon getan

Bereits nach dreiundzwanzigmaligem Hin- und Herpendeln zwischen Beratungstresen, Kassenbereich, Mitarbeiterin, Schilderprägestelle und Informationsschalter, sieben Telefonaten mit der Versicherung, der Werkstatt, meinem Chef, einem Kollegen und dem Bundesverkehrsminister, drei Durchgängen mit neuen Wartenummern und obendrein noch der Überlistung des hauseigenen Kaffeeautomaten hielt ich alle erforderlichen Bescheinigungen, Atteste, Genehmigungen, Quittungen, Zulassungen und Schilder in meinen Händen. Sehr tröstlich, dass ich solche Ausflüge zu Passierschein A38 als Arbeitszeit verbuchen darf.

Montag, 17. März 2014

wer sich umdreht oder lacht...

Wieder einmal ein Neustart in eine frische, jungfräuliche Woche, die wie ein leeres Kreuzworträtsel vor uns liegt. Mal sehen, was am Sonntag alles drin steht, wie viele Felder ausgefüllt werden konnten und welche leer bleiben werden. Mein Kreuzworträtsel von der vergangenen Woche liegt gerade vor mir - nichts Spektakuläres, das Rad nicht neu erfunden, nicht den Weltfrieden herbeigeführt, aber auch keine Dramen oder Katastrophen erlebt.
Am Montag stieß ich an unerwarteter Stelle auf einen 'Schatz'
nämlich in der Spaghettitüte. Statt der langweiligen Stangen zog ich diesmal zwei Stimmgabeln aus der Packung - und die fand ich glatt zu schade zum Kochen :o)

Der Dienstagmorgen hielt für mich auf dem Weg zur Arbeit einen wunderschönen Ausblick bereit. Ein einsames Windrad hält sein Gesicht in die Morgensonne. Da musste ich einfach anhalten und ein Foto schießen:

Vor kurzem habe ich auf einer Facebookseite ein Rezept entdeckt, dessen Name mich so neugierig gemacht hat, dass ich es am Mittwoch unbedingt nachbacken musste. Dieses Backwerk ist eine Art Käsekuchen und hört auf den Namen "Dreh-dich-um-Kuchen" (da während des Backens die beiden Schichten die Position in der Form tauschen):
Nach diesem Genuss habe ich mir am Donnerstag eine echte Strafarbeit auferlegt. Mein Sohn hatte in den letzten Wochen sehr erfolgreich an zwei Schwimmkursen teilgenommen und dabei die Prüfungen für die Rettungsschwimmabzeichen "Juniorretter" und "Rettungsschwimmer Bronze" abgelegt. Zu meinem Leidwesen gibt es auch dort noch diese Aufnäher, die irgendein volltrunkener Möchtegerndesigner entworfen hat, um seinen Hass auf Hausfrauen und Mütter darin auszuleben. Kein Mensch, der es nicht selbst mal versucht hat, macht sich eine Vorstellung davon, wie ätzend sich diese Dinger auf Badeklamotten nähen lassen. Zum einen sind sie rund, was schon mal ein adäquates Formen erschwert, desweiteren sind die Ränder meistens zu schmal um sie richtig umzuschlagen, und außerdem sind Badehosen und Badeanzüge nicht gerade aus dem Stoff, aus dem die Träume sind, sondern machen jeden Mist mit, was bedeutet, dass man am Ende irgend einen gnubbeligen Wulst auf einem vollkommen verzogenen, zusammengezurrten und an den falschen Stellen ausgebeulten Stück Badezeug mit sich herumträgt (was dem Stolz des Trägers/der Trägerin allerdings keinen Abbruch tut). Mein Ergebnis könnt ihr euch sicher lebhaft vorstellen, denn euch sind ja bereits meine Bastelversuche in anderen Bereichen geläufig. Daher bin ich sogar einigermaßen stolz, dass zumindest ICH die Operation unbeschadet überstanden habe - die Badehose konnte noch nicht befragt werden:

 Der Freitag stand unter einem wesentlich besinnlicheren Stern, für mich persönlich in der Erinnerung an meinen Freund 'Ben'
http://blockvogel.blogspot.de/2013/11/einer-von-zweien.html

Und am Samstag war es dann endlich so weit und ich durfte meine neue Lesebrille abholen. Ab sofort wird mir nichts mehr entgehen. Die Schrift in der Zeitung ist ja doch ganz schön groß...
In diesem Sinne... ich hab ein Auge auf euch, also: nicht umdrehen und auf keinen Fall lachen!

Dienstag, 11. März 2014

bitte sprechen Sie jetzt!

Wie spricht man mit einem ausgebildeten Schweiger, umgangssprachlich auch "Mann" genannt?
Ist es in der Geschichte der Menschheit nachweislich schon mal vorgekommen, dass diese Spezies von sich aus Informationen preisgegeben hat, die der zwischenmenschlichen Kommunikation zuträglich waren - soll heißen, Sätze wie "boah war das 'n Furz" oder "is' noch Bier da?" gelten in diesem Fall nicht!
Der angeborene Mitteilungsdrang beim weiblichen Geschlecht verhindert ja, dass Frau alle wichtigen und (falls es das überhaupt gibt) weniger wichtigen Fakten vor ihrer Umwelt geheimhält. Glücklicherweise hat die Natur in diesem Fall genial mitgedacht und das männliche Ohr entsprechend konzipiert.
Leider wurde es versäumt, einen Impuls einzurichten, der es verhindert, dass der Speicher des Männergehirns bereits VOR Weitergabe der gesammelten Informationen gelöscht wird, indem der dazugehörige Mann diese Meldungen einfach laut ausspricht. Sobald auf diese Weise sichergestellt wäre, dass alle Nachrichten in einem weiblichen Hirn, sprich unauslöschbar, verankert sind, dürfte dann das Hirn-Tippex im Ursprungsgehirn gerne voll zuschlagen.

Wunschdenken. Davon trennen uns momentan Lichtjahre. Nicht dass alles was mein Mann so erfährt, unbedingt lebenswichtig für mein Wohlergehen wäre, aber mit sterbenslangweiligen Begebenheiten schafft er das Weitererzählen doch auch, warum darf ich denn nicht wissen, dass sein Kollege eine neue Freundin hat, oder dass er zufällig meinen Bruder getroffen und ein längeres Gespräch mit ihm geführt hat!? Und wie kann er ganze sechs Wochen benötigen, mir mitzuteilen, dass ein Verwandter einen Schlaganfall hatte!? Ganz zu schweigen vom traurigen Spitzenreiter in dieser Hinsicht, von dem ich vor einem halben Jahr erfuhr - mit satten 13 Jahren Verspätung...

Da setzt sich leider die Essenz ab 'Was verschweigt er mir sonst noch alles?' Aber auch für solche Erkenntnisse ist in den meisten männlichen Denkapparaten kein Platz - irgendwie frustrierend.

Mittwoch, 5. März 2014

angebrillt

Mein letzter Wille: Lesebrille. Kann man vielleicht verstehen, wenn man bedenkt, dass ich von der Natur mit der Sehstärke eines Maulwurfs bedacht wurde. Was bisher nur für die Ferne galt, mutiert allmählich auch zum Problem im Nahbereich.
Ein Alltagsleben ohne Kontaktlinsen wäre für mich - zumindest außerhalb der eigenen vier Wände - nur noch schwer vorstellbar, da ich alles was sich weiter als eine Nasenlänge von mir entfernt befindet, ohne Sehhilfe nur noch schemenhaft erahnen kann und daher aufs Ertasten angewiesen wäre. Was auf den Boden fällt, ist für immer verloren, und auf der anderen Straßenseite könnte jederzeit einer der meistgesuchten Straftäter entlangflanieren, ohne dass ich es überhaupt mitbekäme.

Nach einigen Monaten erschwerten Lesens und damit einher gehenden immer kürzer werdenden Armen musste ich mir schweren Herzens eingestehen, dass es nun wohl auch an der Zeit für eine Lesebrille wäre. Der Zufall wollte es so, dass mich genau in dieser Phase mein ehemaliger Optiker anschrieb, den ich seit meinem Umzug höchstens noch ein Mal aufgesucht hatte. Nicht dass die Worte "Wir vermissen Sie - Lange haben wir nichts mehr von Ihnen gehört. Wir sind verwirrt und traurig!" mein Herz erweicht hätten. Das tat vielmehr der beiliegende Gutschein. Eine komplette Lesebrille für 9 Euro 90. Damit war ich überredet.

Dennoch suchte ich zunächst einen Optiker bei uns in der Nähe auf, da ich nicht glauben konnte, dass andere Geschäfte keine guten Angebote für mich hätten. Die Mitarbeiterin konnte allerdings keinen Sehtest mit mir durchführen, da ich zu diesem Zweck - wie sie mir erläuterte - meine Linsen mindestens 12 Stunden vorher herausnehmen müsse.

Heute war ich dann schlauer und bin mit meiner Brille auf der Nase zu meinem mich schmerzlich vermissenden Optiker marschiert. Erwartungsvoll verkündete ich mein Anliegen und war bereit für das niederschmetternde Ergebnis meines Sehtests.
"Aber nein, die Sehstärke für eine Lesebrille können wir nur messen, während Sie Ihre Kontaktlinsen tragen!" Wie überaus dumm von mir...
Ich bin ja so erleichtert, dass es das Schicksal mal wieder gut mit mir meint und mich noch eine Zeit lang mit dieser Brille verschont. Diesmal kann ich wirklich nichts dafür!

Montag, 3. März 2014

gelb verknallt und grün gesonnt

Ich hab ein knall -


- grünes Sommermäntelchen
mit diesem Sommermäntelchen
geh ich bald hinaus

♫ ♪ ♪ ♫ ♪♫ ♫ ♪♫ ♪♪ ♫

und erst im Morgengrauen
komm ich dann nach Haus'

Die frühlingshaften Anwandlungen unseres Wettergottes sind auch an mir nicht spurlos vorbeigezogen. Nach den tristen Wochen mit mehr Dunkelheit als Licht, kaltem Wind statt wärmender Sonnenstrahlen und dem Grau-in-Grau der vergangenen Zeit war der Wetterumschwung eine wahre Wohltat. Die vorwitzigen Sonnenstrahlen haben mich auf die Terrasse gelockt und in der Nase gekitzelt, die ersten Knospen konnten mir sogar schon den nahenden Geruch von Frühling vorgaukeln.
Mein Auge hat sich nach explodierenden Farben gesehnt - tja, und dann sah ich ihn, den Traum meiner schlaflosen Nächte, den Inbegriff meiner sehnlichsten Träume, die Personifizierung meiner geheimsten Wünsche und Sehnsüchte - diesen Mantel:
Vielleeeeeiiiiiicht hätte ich ihm ja noch widerstehen können. Wenn da nicht dieser Traum gewesen wäre: Da lagen Unmengen von alten benutzten halb aufgebrauchten Tuschkästen, die meine Kinder von der Schule zurückgebracht hatten. Und etliche Buntstifte komplettierten diesen Haufen künstlerischer Accesoires. Allerdings gab es da nur eine einzige vorherrschende Farbe: In sämtlichen Tuschkästen war nur noch die Farbe Geld übrig. Und auch die Buntstifte waren allesamt gelb, dasselbe Gelb wie die Farbkapseln, ein riesiger Haufen gelben Rohmaterials. Damit hätte man sicherlich Tausende knallgelber Frühlingssonnen an die grauen Häuserfassaden malen können...
Und ich glaube, dieser Traum wollte mir etwas mitteilen. Er flüsterte: "Tweety, bring Farbe in dein Leben!" Und das hab ich ja jetzt gemacht.
(Ich glaub, den Mantel gab's nicht in gelb...)