Freitag, 6. Juli 2018

Urlaub mit ohne

Zum ersten Mal seit gefühlten 800 Jahren habe ich frei. Nicht einfach nur zu Hause bleiben und sich im Büro die Arbeit anhäufen lassen, sondern richtig frei. Nicht einfach nur Bespaßer für die Kiddies oder Prellbock ihrer durch Langeweile verursachten schlechten Laune sein, kein zum Scheitern verurteilter Dauerstreitschlichter oder genervter Familienausflügler, sondern einfach nur jemand mit jeder Menge freier Zeit nur für sich selbst.

...what a feeling

Ich gebe zu, dass ich es erst ein bisschen üben musste, in den Tag hinein zu leben ohne Plan und Zeitdruck, völlig abzuschalten von der Arbeit und den Terminen, die mir sonst permanent in Kopf und Nacken saßen, ohne jegliches Gefühl der Verantwortung für Tagesablauf, Bespaßung oder Verköstigung irgendwelcher Mitmenschen. Einfach nur das zu tun, was mir gerade in den Sinn kommt und wozu ich Lust habe.

Daran könnte ich mich glatt wieder gewöhnen, zumal ich jetzt mit meiner neuen Errungenschaft, einem blitzschnellen Alte-Leute-Fahrrad, ganz bequem jeden Stau umfahre und überall hin komme.

Zum Beispiel zum jüngsten Spektakel des Herstellers dieser ekelhaften Superbrause, der die auf angenehme Weise durchgeknallten Leute dazu auffordert, mit selbst konstruierten Fluggeräten ins Hafenbecken zu plumpsen...



... und ja, diese das Ufer säumenden Stecknadelköpfe sind ALLES echte Menschen! War ein bisschen voll da, das gebe ich zu, und so richtig gut sehen konnte man irgendwie auch nicht. Aber immerhin hab ich das jetzt auch mal verfolgt und kann beim nächsten Mal mitreden.

Wesentlich weniger los war ein paar Kilometer weiter beim Sandburgen bauen:



Was mache Leute aus einem Klumpen Strand so zaubern können, ist schon sehr sehenswert. Vor allem, wenn man bedenkt, dass diesen Kunstwerken nur eine extrem kurze Lebensdauer zugedacht ist. Aber es war sehr interessant, den Künstlern bei ihrer Arbeit zusehen zu dürfen, und zwischen Palmenkübeln und Weser kam direkt so etwas wie Urlaubsfeeling auf. Vielleicht sollten sie noch ein wenig Sonnencreme-Duft dort verbreiten...






Heute legt das Sommerwetter netterweise eine kleine Pause ein und beschert dem Garten einen feinen Dauernieselregen. Da ich meinen Sohn zu einer Ferienfreizeit in einen circa hundert Kilometer entfernten Ort mit dem schönen Namen Rulle fahren muss, kommt es mir sehr entgegen, dafür keinen entgangenen Badetag am See verschenken zu müssen. Allenfalls ein paar Stunden Stau auf der Autobahn.
Aber acht Kilometer zähfließenden Verkehr bezeichnet der regelmäßige Nutzer der A1 in unseren Breitengraden ja mittlerweile als "heute bin ich mal richtig gut durchgekommen".

In diesem Sinne, lasst euch die Arbeitstage nicht zu lang, warm oder stressig werden, genießt eure freie Zeit und dreht die Musik laut! (klick mich)

doch bis dahin....



set me alight






Montag, 18. Juni 2018

küssen kann man nicht alleine

Manche Menschen sind so egoistisch und rücksichtslos, dass sie die Dinge immer nur aus ihrer eigenen Sicht betrachten. Sie kämen überhaupt nicht auf den Gedanken, sich zu fragen, wie ihr Gegenüber damit umgeht, was ihre Aussagen oder Handlungen beim anderen auslösen oder allgemein anrichten.

Lass dich nicht mit einem rücksichtslosen Menschen ein, wenn du dir nicht sicher bist, dass du das aushältst. Wenn du weißt, dass Gefühle keinen Regeln gehorchen, keine Befehle befolgen oder nach Logik und Wunsch entstehen oder ausbleiben.
Halte dich fern von einem Menschen, der dich nur als Ergänzung seines Alltags sieht, denn er wird dich benutzen und wegwerfen, wenn nichts mehr von dir übrig ist, womit er etwas anfangen kann. Er wird sich nicht für dich interessieren, für deine Wünsche, Vorlieben und Ideen, für das was dir passiert ist und wofür du brennst, für deine Erlebnisse und die Dinge, über die du dir Gedanken machst. Er wird stets bestimmen, wann und wie lange euer Kontakt dauert, und wie viel Zeit er für dich erübrigen kann.

Es gibt Menschen, an denen haben die Therapeuten offenbar ganze Arbeit geleistet. Die haben das "an SICH denken" bis zur Perfektion verinnerlicht und leben es bis hart an die Kotzgrenze. Während sie fortwährend "an sich" denken, um sich "zu schützen", werden sie sich der Absurdität ihres Mantras nicht bewusst. Die Logik hinter dem exzessiven egozentrischen Gedanken würde es verbieten, Menschen aus dem eigenen Umfeld von den Dingen auszuschließen, an die man denken darf. Denn wer, wenn nicht diese Menschen, die einem etwas bedeuten, einen Wert im eigenen Leben haben, es bereichern und verschönern, wer wäre besser geeignet als Projektionsfläche der eigenen Gedanken?! Wenn man sich selbst verbietet, an jemanden zu denken, den man mag, und stattdessen immer nur an sich denkt, wird man sich ewig wortwörtlich "um sich selbst" drehen. Wie soll man einen Kreislauf durchbrechen, in dem man nicht nur die Haupt- sondern gleichzeitig die einzige Person ist?!

Ich wünsche diesen Menschen, dass sie irgendwann das Potential erkennen, das in manchen Dingen gesteckt hat. Dass sie die Möglichkeiten sehen, die sich daraus vielleicht ergeben hätten. Dass sie begreifen, welche Chancen sie gehabt hätten, wenn sie einen Blick gewagt hätten. Und ich wünsche mir, dass sie es irgendwann bereuen, nicht an ihre Mitmenschen geglaubt zu haben.

Für mich selbst habe ich beschlossen, dass ich kein Pausenclown mehr bin, niemandes Überbrückungsmusik, kein Wartezeitversüßer, weder Lückenfüller noch Langeweilevertreiber. Und auch nicht jedermanns Kummertante oder Seelentröster. Ich frage mich nicht mehr, warum sich manche Menschen bei mir melden, sporadisch oder nach Ewigkeiten erneut, und warum andere plötzlich schweigen. Es spielt keine Rolle für mein Leben, denn am Ende bedeutet es nur, dass sie kein Teil davon sein möchten. Und dann ist das eben so.


Samstag, 12. Mai 2018

Es wurde Zeit...

... endlich mal wieder den Gemütszustand zu wechseln. Meine Grundstimmung war so dauerhaft deprimiert und ausgebremst, dass es mir selbst kaum noch aufgefallen ist. Man gewöhnt sich schließlich an so vieles. Und irgendwann hört man auf, darüber nachzudenken und akzeptiert es einfach so. Eine Gefühlslage ist ja auch keine bewusste Entscheidung, so nach dem Motto: Heute bin ich aber mal so richtig gut drauf, da werd ich euch alle zu Boden grinsen, so weit schieb ich meine Mundwinkel nach hinten!
Eigentlich ist diese Veränderung sogar eher unbemerkt geschehen. Und plötzlich ist mir aufgefallen, dass da gar keine schlechte Laune mehr Platz hat auf meinem Arbeitsweg, dass mich andere Leute mit ihrer Miesmacherei nicht mehr anstecken oder gar runterziehen können, wer und was mir so richtig gut tut, und wie leicht ich mich plötzlich wieder fühle.
Und ich habe gemerkt, dass ich all das viel zu lange an den falschen Stellen gesucht habe, weil es nämlich die ganze Zeit schon in mir war. Das klingt jetzt voll abgedroschen und langweilig, und im Grunde wissen wir das ja auch alle, ohne dass wir irgend welche Kalendersprüche oder Selbsthilfe-Ratgeber lesen müssen. Aber wenn es dann tatsächlich irgendwann soweit ist, fühlt es sich so befreiend und gleichzeitig so selbstverständlich an, dass man sich fragt, warum man eigentlich die ganze Zeit so viel falsch gemacht hat.
Meinen ganz persönlichen Auslöser für diese Odyssee trage ich schon ein paar Jahre mit mir herum. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit meiner Suche angefangen habe, um mich davon abzulenken und zu betäuben. Im Grunde war es mir durchaus bewusst, dass das zu keinem tauglichen Ergebnis führen kann und eine denkbar bescheuerte Taktik ist. Aber vielleicht war dieser Umweg trotzdem nötig, womöglich musste ich diesen ganzen Mist so lange wiederholen, bis es mir endlich die Augen geöffnet hat und ich schließlich das sehen und begreifen konnte, was ich jetzt sehe.
Und damit ich an dieser Stelle endlich mal wieder voller ehrlicher Überzeugung sagen kann: Es geht mir gut!
Ich bin zufrieden. Und ich bin ausgeglichen. Mein Boot gerät nicht mehr bei jeder Welle ins Schwanken. Die kleinen verzweifelten Puster irgendwelcher Neider und Missgönner, Unzufriedener und notorischen Miesmacher ringen mir nur ein müdes mitleidiges Lächeln ab.
Und wenn ich auf dem Weg zur Arbeit im Stau stehe, freue ich mich über den Sonnenschein, lache aus tiefstem Hals über das Radioprogramm und grinse in mich hinein, wenn um mich herum alle Autofahrer wütend-aggressiv oder verzweifelt-dramatisch die Arme in die Luft reißen. Und ihr könnt mir glauben, ich stehe momentan richtig oft im Stau!
Statt mit den Dingen zu hadern, die ich nicht ändern kann, freue ich mich über die positiven Veränderungen, die unerwartet in mein Leben geplatzt sind. So oft habe ich versucht, am Schicksalsrad zu drehen, Dinge beeinflussbar zu machen auf die ich keinerlei Einwirkung habe, Entwicklungen zu lenken oder zu beschleunigen, die ihre Zeit benötigen. Und jetzt kann ich mich plötzlich so entspannt und ruhig zurücklehnen, mit mir im Reinen und meine Zeit für mich nutzen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ich über jegliche Form von negativen Empfindungen nun erhaben bin. Stellt euch bloß keine ewig grinsende Buddhine vor, die alle Sorgen weglächelt und Probleme unter den Tisch schmunzelt. Aber die Momente, in denen ich mich gut fühle, überwiegen deutlich, und das war schon ganz lange nicht mehr so.

Montag, 2. April 2018

guck mal wer da schreibt

Vor ein paar Tagen habe ich eine Nachricht aus der Vergangenheit bekommen und möglicherweise den Fehler begangen, mich darüber zu freuen. Und weil sich zu der Freude eine Prise Hoffnung gemischt hat, wage ich jetzt kaum daran zu glauben, dass es eine weitere Nachricht geben wird.
Zum einen sind zwischen dem Abschicken der Nachricht und meiner Entdeckung derselben fast vier Monate vergangen. Viel Zeit wenn man auf eine Reaktion wartet, das könnt ihr mir glauben! Zum anderen kann ich mich noch sehr gut an die Launen, Höhen und Tiefen des Absenders erinnern, sodass ich ihm durchaus zutraue, seine Meinung mittlerweile geändert zu haben. Möglicherweise sogar mehrmals. Außerdem weiß ich nicht, warum er nach all der Zeit des Schweigens das Seine nun plötzlich bricht, welche Absichten dahinter stehen und was er mir womöglich mitzuteilen gedenkt.

Als vor über zwei Jahren der Kontakt so abrupt abbrach, dass ich direkt vor dem Abgrund stand und ins Taumeln geriet, so als hätte sich urplötzlich eine Felsspalte vor mir aufgetan, blieb ich mit einem Haufen voller Fragen zurück. Ich erfand Wahrheiten in alle erdenklichen Richtungen, aber keine der Geschichten ergab letztendlich einen plausiblen Sinn. Schließlich gab ich mich mit einem Kompromiss aus Zusammengereimtem und Wunschdenken zufrieden, weil mir nichts anderes übrig blieb. Die Tür, hinter der die Erklärung wartete, war verschlossen, für immer, wie ich irgendwann annehmen musste.

Da aber am Ende alles gut wird, und es vorher nicht zu Ende ist - was hoffentlich nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass es automatisch endet, sobald es endlich mal richtig gut ist - hat die Geschichte nun den Anschein einer Fortsetzung gefunden.
Ich wage es nicht, mir auszumalen, worin der Grund dafür liegt, ob ich nun tatsächlich noch ein paar Antworten auf meine Fragen bekomme und wie diese Fortsetzung aussehen könnte.
Es lag nur so unglaublich weit jenseits meines Vorstellungsvermögens, dass dieser Mensch noch einmal in mein Leben tritt, dass mich diese Handvoll Worte vollkommen aus der Bahn geworfen hat. Nun muss ich wieder einmal lernen, dem Lauf der Dinge zu vertrauen, nichts erzwingen zu wollen und dem Fluss des Lebens beim Fließen zuzusehen. Und hoffen, dass dabei nicht alles den Bach runter geht...
Wie zügelt man Hoffnung, wie bremse ich meine Erwartungen, wie wappne ich mich für eine erneute Enttäuschung? Was wenn ich mich am Ende nur ein weiteres Mal aus diesem Loch herausquälen muss, womöglich noch mehr belastende Fragen in den Taschen als vorher, die so schwer wiegen, dass sie mich wieder vollkommen runterziehen?
Und wie kommt es, dass ich mir erst vor wenigen Wochen eingestanden habe, dass ich noch immer nicht bereit oder imstande bin, damit abzuschließen, solange noch so vieles ungesagt ist?
Vieles - auch und gerade das Besondere und Wunderschöne - ist so gut in der Vergangenheit aufgehoben, und lässt sich auch gar nicht in eine andere Zeit verpflanzen. Aber manche Dinge benötigen vielleicht nur eine Pause, um zum richtigen Zeitpunkt wieder aufblühen zu können.

Meine hoffnungslos romantische Ader wird mich vermutlich wieder einmal den Kopf kosten. Aber vielleicht ist es das wert...

Montag, 29. Januar 2018

Zwischen Alt und Neu

Seit Freitagnachmittag schwebe ich quasi im luftleeren Raum, zwischen letztem und erstem Arbeitstag, altem und neuem Chef, Niedersachsen und Bremen, Ende der Fahnenstange und Neubeginn.
Ich warte noch darauf, dass sich unter den Cocktail aus Neugier und Aufregung auch noch eine Prise Wehmut mischt, vielleicht der Wunsch verirrt, doch noch einmal den Rückwärtsgang einlegen zu können, oder Bereuen und Angst meine Freude und Euphorie dämpfen. Aber das passiert nicht. In den letzten Wochen an meinem bisherigen Arbeitsplatz habe ich jeden Tag noch einmal die stumme Bestätigung erhalten: "Du hast alles richtig gemacht!"
Als Wiedereinstieg ins Berufsleben nach einer Mamazeit, die länger war als geplant, war dieser Job zunächst perfekt, entpuppte sich aber im Laufe der Jahre mehr und mehr als Sackgasse.
Statt meine Entscheidung anzuzweifeln, tauchen immer mehr verdrängte Unmöglichkeiten und Gemeinheiten wieder aus den hintersten Ecken meines Gehirnes auf, wohin ich sie verschoben hatte, um möglichst viel davon zu verdrängen. Aber das Grundgefühl ist geblieben und ließ sich nicht wirklich leugnen oder schönreden.
Am Ende war mein unmittelbarer Kollege der einzige Grund zu bleiben - leider hat auch das schließlich nicht mehr ausgereicht. Ob ich es noch einmal schaffe, mit jemandem so grandios zusammenarbeiten zu können, weiß ich nicht. Im Moment erscheint mir das unvorstellbar, es hat einfach viel zu gut gepasst und harmoniert. Von denselben Fressattacken ferngesteuert, den gleichen unmöglichen Humor geteilt, einander ohne Worte zugearbeitet, im richtigen Moment geschwiegen, gesprochen, aufgeheitert, zurechtgewiesen oder gebeichtet - und auch nach Jahren noch nicht auf die Nerven gegangen (ich hoffe doch, ihm ging es genauso!).

An meinem letzten Arbeitstag sollte ich nun doch noch meine Nachfolgerin ein wenig einweisen, was in vier Stunden ein mehr als nur utopisches Vorhaben wäre. So habe ich es auf das Allernötigste begrenzt, sie hatte es dann auch eilig, nach Hause zu kommen, strahlte aber eine Souveränität und Sicherheit aus, die ich - Kompetenzen hin oder her - für unangebracht gehalten habe. Da aber auch mein Exchef die Meinung vertrat, eine Einarbeitung sei nicht notwendig, werden die beiden schon wissen, was sie sich da vorgenommen haben.

Mein Zeugnis durfte ich mir selber schreiben, und es wurde dann auch anstandslos so unterzeichnet. Nicht dass ich es momentan bräuchte, aber schaden kann es ja nie, ein paar schriftlich auf mich angestimmte Lobeshymnen in der Tasche zu haben.

Während ich dabei bin, mich gedanklich möglichst von meinem bisherigen Berufsumfeld zu lösen, versuche ich, mir noch nicht allzu viele Gedanken um das zu machen, was mich in wenigen Tagen erwartet. Erfahrungen sind was Tolles, man weiß in groben Zügen, wie so ein Neubeginn abläuft, wie es sich anfühlt, irgendwo noch fremd zu sein usw. Aber genau das erzeugt eben auch Bedenken. Nicht dass ich schon kurz vor der Rente stünde, aber so ganz taufrisch ist mein Hirn eben auch nicht mehr, und ich habe einige Bedenken, ob ich mir da nicht zu viel zumute, nochmal von vorne anzufangen. Andererseits behagt mir die Alternative noch viel weniger. Die Vorstellung, irgendeine anspruchslose Arbeit zu verrichten, stupide, frustrierend und monoton, und das immerhin noch 20 Jahre lang, schreckt mich einfach zu sehr ab.

Also kratze ich all meine Zuversicht zusammen und beginne etwas Neues. Was kann schon passieren? Oder um es wie die Stadtmusikanten zu sagen: Etwas Besseres als den Tod findest du überall!

Samstag, 16. Dezember 2017

und wenn ich geh, dann geht nur ein Teil von mir

Nun ist es also passiert. Ich habe es wirklich getan. Es ist amtlich. Gestern habe ich meinen Job gekündigt. Nachdem ich vorgestern meinen neuen Vertrag unterschrieben hatte.
Wie zu erwarten war, hat mein Noch-Chef sich als relativ lausiger Verlierer präsentiert. Natürlich habe ich damit gerechnet, dass es Vorhaltungen regnen würde. Selbstverständlich war mir klar, dass er mit meiner Entscheidung nicht gerechnet hat. Logischerweise war er überrumpelt und enttäuscht.
Aber wie schnell er dann umschalten konnte in den Schuldzuweisungsmodus, wie umgehend er versucht hat, mir ein schlechtes Gewissen einzureden - das hat mich dann trotz allem doch erstaunt.
Zunächst hat er es ja noch vorsichtig auf die "Was kann ich tun?"-Tour versucht. Aber ich habe ihm unmissverständlich klar gemacht, dass meine Entscheidung feststeht und ich sehr lange und sehr gründlich darüber nachgedacht habe, bevor ich sie ihm präsentierte.
Nun muss ich mir wohl die Vorhaltungen gefallen lassen, ich hätte erst bewusst sämtliche Kompetenzen und Aufgabenbereiche an mich gerissen, damit mein Abgang durch diese Alleinherrschaft so pompös wie möglich einschlägt. Was natürlich wiederum im krassen Gegensatz zu seiner zweiten Aussage steht, mein Lohn sei mehr als gerechtfertigt, wenn man bedenkt dass man mich ja erst (Achtung!) habe EINARBEITEN müssen. Es mag ja sein, dass es irgendwo auf diesem Planeten auch diese seltenen Naturtalente gibt, die sich an fremde Schreibtische setzen und sofort intuitiv drauflos arbeiten können - nun ja, ich gehöre nicht dazu. Aber nach acht Jahren war ich dann doch einigermaßen mit der Materie vertraut. Was er eigentlich ruhig zugeben dürfte, denn sonst wäre meine Kündigung für ihn ja schließlich wesentlich besser zu verkraften.
Ich bin froh, dass ich vorab nie den Versuch gewagt habe, einen Testballon zu starten, und vor dem Hintergrund einer Kündigungsoption meinerseits um verbesserte Bedingungen zu bitten. Wie ich jetzt ein weiteres Mal merke, hätte das zu nichts geführt, ihn höchstens in seiner Überzeugung bestärkt, dass ich niemals gehen werde.
Dass ich ihm so wichtig war bzw. bin, hat er mir selten bis gar nicht gezeigt, gesagt, signalisiert oder es mich auch nur zaghaft spüren lassen. Dabei hätte bei mir bereits das eine oder andere ehrliche Lob Wunder gewirkt. Aber im Gegenteil, es wurden immer nur zielsicher irgendwelche Fehler aufgespürt und thematisiert.
Während meiner jetzigen Krankheitsvertretung wurde sich an Kleinigkeiten geweidet, es starteten sogar Versuche, gewisse Abläufe zu vereinfachen, was sich bereits kurz nach meiner Rückkehr als absolutes Desaster herausstellte, jetzt einen Riesenaufwand an Mehrarbeit bedeutet und ein großes unübersichtliches Durcheinander verursacht hat. Möglicherweise hätte man das ja auch mit mir gemeinsam besprechen können, denn bestimmt bin ich Verbesserungsvorschlägen gegenüber nicht von vorn herein abgeneigt, aber das ging mal so richtig in die Hose, und wenn ich ehrlich bin, schaue ich es mir nun mit Genugtuung an.
https://karrierebibel.de/kuendigung/

Sonntag, 24. September 2017

was daraus wurde

Wenn man mich als Kind gefragt hat, was ich einmal werden möchte, kamen Antworten wie Kindergärtner oder Raumfahrer - damals sogar noch vollkommen ungegendert, aber dafür hatte ich eine klare Vorstellung davon, wo ich als Erwachsener einmal stehen würde. Mir war klar, dass ich eine Familie gründen und eine zwischen zwei und sieben schwankende Anzahl an Kindern bekommen würde. Ich sah mich ziemlich unkonkret in einer Art Kopie des Lebens, das meine Eltern führten, und in dem sie ja so glücklich und zufrieden schienen. Einen kritischen Blick hatte ich mir damals noch nicht angeeignet, zum Hinterfragen von Gegebenheiten gab es aus meiner Sicht nie einen Anlass.

Als das Ende meiner Schulzeit nahte und mir beinah sämtliche Türen offen standen, wusste ich bereits überhaupt nicht mehr, was ich mit all den Chancen und Möglichkeiten anfangen oder welche ich mir herauspicken sollte. Ich konnte alles ein bisschen aber nichts besonders gut, hatte keinerlei Talente oder brannte für eine bestimmte Sache, ein spezielles Thema, einen Beruf oder ein Fachgebiet. Allerdings hatte ich von den allermeisten Dingen auch nur eine sehr begrenzte Vorstellung, und Fremdes, Neues, Unbekanntes schüchterte mich generell ein und machte mir Angst.
Weder sah ich mich irgendwo im Berufsleben noch war es mir möglich, mir auszumalen, dass ich mich wie all die anderen erwachsenen Menschen verhielt, zu denen ich nun zweifelsfrei auch gehörte, und in deren Welt sich meine bisherigen Mitschüler ebenso selbstverständlich wie mühelos zu integrieren schienen.

Aus der Not heraus wählte ich auf den letzten Drücker einen Studiengang, der mich immerhin in relativ hohem Maße interessierte, und verdrängte dabei die Vorstellung, irgendwann einmal meine Brötchen samt Aufschnitt damit verdienen zu müssen.

Heute lebe ich tatsächlich so ähnlich, wie es mir damals als Kind bereits vorschwebte. Zwar bin ich keine Erzieherin geworden, und die Menschheit hat auch davon Abstand genommen, mich ins All zu schießen, aber die familiäre Komponente ist - auf Umwegen - schließlich so entstanden, wie sie damals bereits in meinem Kopf herumspukte.

Seit 16 Jahren verfolge ich den Weg, den meine Kinder nehmen, mal staunend, mal skeptisch, meistens zuversichtlich und immer auf irgend etwas stolz - wie man das eben so macht als Mama.

Was mein eigenes Leben angeht, bin ich um einiges ratloser. Plötzlich weiß ich gar nicht mehr so genau, wo ich mich wohl fühle, wie mein Weg weitergehen soll, was ich jetzt erwarte, welche Pläne, Wünsche, Träume.... na ihr wisst schon. Der Klassiker vermutlich, der War-das-jetzt-schon-alles-Gedanke, das vergebliche Warten auf das Highlight bzw. die Angst, es bereits verpasst zu haben, während man Windeln gewechselt, Essen gekocht oder den Rasen gemäht hat.
Habe ich jetzt gut die Hälfte des Lebens hinter mir? Oder schon zwei Drittel? Bleibe ich gesund? Oder benötige ich demnächst eine Pflegekraft?


Zwischen standing ovations und Reklamation
Gähnender Leere und Faszination
Zwischen schreienden Bildern und Bild ohne Ton
Blindem Gehorsam und Revolution
Zwischen alles wird anders und Monotonie
Nichts überstürzen und jetzt oder nie
Dem was wir nehmen und geben - ist alles wie es sein soll 
und wir sind am Leben

Wenn zwei Menschen vollkommen unterschiedliche Lebensentwürfe in sich tragen, muss man wohl einfach einsehen, dass alle anderen Gemeinsamkeiten oder die Gefühle füreinander nicht ausreichen.


Zwischen endloser Freiheit und gar keine Wahl
Ganz oder gar nicht und alles egal
Zwischen eigener Fahrer und schwarz mit der Bahn
Chance verwandelt und Chance vertan
Zwischen falsch abgebogen und fest in der Spur
Dem Blick in die Zukunft und dem auf die Uhr
Dem Sturz in die Tiefe und Schweben
Ist alles wie es sein soll und wir sind am Leben


Ich möchte eigentlich keine Höhenflüge mehr, schätze die ruhige Beständigkeit, mag die Sicherheit und genieße das Zurücklehnen mit dem guten Gefühl, mich nicht permanent anstrengen, verbiegen oder Höchstleistungen vollbringen zu müssen.


Wir müssen glauben, dass die Richtung stimmt und dieser Weg ein gutes Ende nimmt 
dass uns vielleicht nicht immer alles gleich, aber am Schluss der große Wurf gelingt. 
Wir müssen glauben, dass die Richtung stimmt und dass wir mehr als nur ein Zufall sind, 
dass dieser Weg in Richtung nirgendwo uns zurück an unsern Anfang bringt.


Aber dieser Glaube, diese Zuversicht, verlässt mich hin und wieder und macht dem Zweifel Platz. Habe ich mich richtig entschieden oder werde ich das irgendwann bereuen? Verpasse ich mein Leben oder ist es vernünftiger so weiterzumachen?
Warum zweifle ich? Wonach sehne ich mich so sehr? Wieso fühlt sich das alles oft so falsch an?


Zwischen quälender Sehnsucht und nie was vermisst
Dem was du sein willst
und dem was du bist
(Alexa Feser, Leben)