Montag, 29. Januar 2018

Zwischen Alt und Neu

Seit Freitagnachmittag schwebe ich quasi im luftleeren Raum, zwischen letztem und erstem Arbeitstag, altem und neuem Chef, Niedersachsen und Bremen, Ende der Fahnenstange und Neubeginn.
Ich warte noch darauf, dass sich unter den Cocktail aus Neugier und Aufregung auch noch eine Prise Wehmut mischt, vielleicht der Wunsch verirrt, doch noch einmal den Rückwärtsgang einlegen zu können, oder Bereuen und Angst meine Freude und Euphorie dämpfen. Aber das passiert nicht. In den letzten Wochen an meinem bisherigen Arbeitsplatz habe ich jeden Tag noch einmal die stumme Bestätigung erhalten: "Du hast alles richtig gemacht!"
Als Wiedereinstieg ins Berufsleben nach einer Mamazeit, die länger war als geplant, war dieser Job zunächst perfekt, entpuppte sich aber im Laufe der Jahre mehr und mehr als Sackgasse.
Statt meine Entscheidung anzuzweifeln, tauchen immer mehr verdrängte Unmöglichkeiten und Gemeinheiten wieder aus den hintersten Ecken meines Gehirnes auf, wohin ich sie verschoben hatte, um möglichst viel davon zu verdrängen. Aber das Grundgefühl ist geblieben und ließ sich nicht wirklich leugnen oder schönreden.
Am Ende war mein unmittelbarer Kollege der einzige Grund zu bleiben - leider hat auch das schließlich nicht mehr ausgereicht. Ob ich es noch einmal schaffe, mit jemandem so grandios zusammenarbeiten zu können, weiß ich nicht. Im Moment erscheint mir das unvorstellbar, es hat einfach viel zu gut gepasst und harmoniert. Von denselben Fressattacken ferngesteuert, den gleichen unmöglichen Humor geteilt, einander ohne Worte zugearbeitet, im richtigen Moment geschwiegen, gesprochen, aufgeheitert, zurechtgewiesen oder gebeichtet - und auch nach Jahren noch nicht auf die Nerven gegangen (ich hoffe doch, ihm ging es genauso!).

An meinem letzten Arbeitstag sollte ich nun doch noch meine Nachfolgerin ein wenig einweisen, was in vier Stunden ein mehr als nur utopisches Vorhaben wäre. So habe ich es auf das Allernötigste begrenzt, sie hatte es dann auch eilig, nach Hause zu kommen, strahlte aber eine Souveränität und Sicherheit aus, die ich - Kompetenzen hin oder her - für unangebracht gehalten habe. Da aber auch mein Exchef die Meinung vertrat, eine Einarbeitung sei nicht notwendig, werden die beiden schon wissen, was sie sich da vorgenommen haben.

Mein Zeugnis durfte ich mir selber schreiben, und es wurde dann auch anstandslos so unterzeichnet. Nicht dass ich es momentan bräuchte, aber schaden kann es ja nie, ein paar schriftlich auf mich angestimmte Lobeshymnen in der Tasche zu haben.

Während ich dabei bin, mich gedanklich möglichst von meinem bisherigen Berufsumfeld zu lösen, versuche ich, mir noch nicht allzu viele Gedanken um das zu machen, was mich in wenigen Tagen erwartet. Erfahrungen sind was Tolles, man weiß in groben Zügen, wie so ein Neubeginn abläuft, wie es sich anfühlt, irgendwo noch fremd zu sein usw. Aber genau das erzeugt eben auch Bedenken. Nicht dass ich schon kurz vor der Rente stünde, aber so ganz taufrisch ist mein Hirn eben auch nicht mehr, und ich habe einige Bedenken, ob ich mir da nicht zu viel zumute, nochmal von vorne anzufangen. Andererseits behagt mir die Alternative noch viel weniger. Die Vorstellung, irgendeine anspruchslose Arbeit zu verrichten, stupide, frustrierend und monoton, und das immerhin noch 20 Jahre lang, schreckt mich einfach zu sehr ab.

Also kratze ich all meine Zuversicht zusammen und beginne etwas Neues. Was kann schon passieren? Oder um es wie die Stadtmusikanten zu sagen: Etwas Besseres als den Tod findest du überall!

1 Kommentar:

  1. Es gibt nichts was es nicht gibt. Also lass dich überraschen! Einen guten Neustart!

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