Freitag, 31. Januar 2014

Turnbeutelvergesser

Wenn mal wieder eine Meldung die Runde macht, dass ein Prominenter sich, wie man so sagt, geoutet hat, kann ich eigentlich nur mit den Schultern zucken. Genauso gerne (oder ungerne) könnte er mir unterbreiten, dass er Vegetarier ist. Oder Linkshänder. Wer will das wissen?!
Nun, offenbar genügend Leute, und die loben den Betreffenden dann immer überschwänglich, weil er so mutig war, uns allen davon zu erzählen.
Wie armselig, dass wir immer noch keinen Schritt weiter sind als vor -zig Jahren. Was nützen all die wohlwollenden, pseudo-aufgeschlossenen Gesetze, wenn in unseren Köpfen die Diffamierung weiterlebt!?
Mein Cousin war schwul. Leider ist er bereits mit 33 Jahren gestorben, und bis zu seiner Beerdigung durfte niemand davon wissen. Dabei war er Promifriseur in München. Hallo?!? Wie blind kann man sein?!? Egal, meine Tante hatte ihm verboten, irgend jemandem davon zu erzählen, und so bezeichnete er seinen Lebensgefährten in seinen Erzählungen immer als seine Freundin. Meine Mutter war schwer getroffen, als sie nach seinem Tod den Mann kennenlernte, der eine so wichtige Rolle im Leben ihres Neffen gespielt hatte - zumal mein Cousin seine halbe Kindheit bei meinen Eltern verbracht hatte.
Vor kurzem wurde mein Sohn von drei Mitschülerinnen auserwählt, sie zum Shopping zu begleiten, womit er den Neid seiner Freunde auf sich zog. Das hinderte ihn aber nicht daran, den Nachmittag als Hahn im Korb in vollen Zügen zu genießen. Meine Mutter verlieh ihrer Verwunderung darüber, dass ausgerechnet ihr Enkel mit durfte, am Telefon Ausdruck. Schließlich konnte sie dieser ganzen unerklärlichen Geschichte aber doch zumindest noch etwas Positives abgewinnen. Ihr Résumé lautete: "Na, dann ist er wenigstens nicht schwul!"
Moment mal, hatte sie das jetzt gerade tatsächlich gesagt? War das wirklich dieselbe Frau, die mich einmal Toleranz und Großzügigkeit gelehrt hatte? Die Frau, die beinah den Kontakt zu meiner Tante abgebrochen hat, nachdem sie erfahren hatte, was diese ihrem Sohn auferlegt hatte? Die Frau, die Individualität stets als unantastbares Gut gepriesen hatte?
Kann ein Mensch sich wirklich so sehr verändern?
Wie sollen wir uns jemals von den antiquierten Ansichten lösen, wenn selbst aufgeschlossene Menschen im Alter eine Meinung annehmen, die mir Schauer über den Rücken jagt?
Am liebsten hätte ich meinen Sohn sofort lauthals verteidigt, denn für mich steht außer Frage, dass er seine Lebensformen selbst finden, wählen und leben darf. Aber ich war viel zu verwundert, als dass ich darauf hätte reagieren können. Der Angriff kam von unerwarteter Seite...

Montag, 27. Januar 2014

eine schrecklich nette Familie

Des Bloggers höchstes Gut ist vermutlich seine Anonymität. Ich zumindest bin bemüht, den Kreis der Leser, die mich auch "in echt" kennen, so klein wie möglich zu halten. Die Hemmschwelle beim Schreiben ist einfach größer, wenn man genau weiß, an wen sich die eigenen Worte richten.
Darüber hinaus gibt es natürlich eine lange Liste von Personen, denen ich meine wahre Identität nicht zumuten möchte. Der Gedanke, unseren netten Nachbarn, die Lehrerin meines Sohnes oder meinen Chef zu meinen stillen Lesern zu zählen, löst doch ein gewissen Maß an Unbehagen in mir aus.
Dennoch will ich heute nach reiflicher Überlegung mit meiner eisernen Regel brechen. Ich habe mir überlegt, dass eine absolute Anonymität doch eventuell zu viel Distanz zwischen uns schafft, und am Ende macht ihr euch ein völlig falsches Bild von mir - im wahrsten Sinne des Wortes. Nach all dem, was ich schon über mich preisgegeben habe, erscheint in euren Köpfen wahrscheinlich das Bild einer Frau mit wirrer Haarpracht, die mit ihren zwei linken Händen grenzdebil grinsend gerade wieder möchtegern-kreativ tätig ist. Das kann ich so nicht stehenlassen, deshalb erfolgt an diesem Punkt eine Richtigstellung, zumindest des optischen Bildes. Meine Tochter hat mir heute ein Familienbild geschenkt, das ich euch nicht vorenthalten möchte, weil es sich hervorragend dazu eignet, euch meine Familie einmal vorzustellen:
Linker Hand sehr ihr meinen Göttergatten. Nein, das ist keine Krawatte, sondern ein Reißverschluss. Ich war zunächst selbst erschrocken darüber, dass er sich für den Fototermin so aufgebrezelt hatte, aber das konnte dann ja aufgeklärt werden.
Direkt daneben seht ihr mich, wie stets um ein freundliches Lächeln sehr bemüht.
Mein Sohn flankiert meine andere Seite, allerdings muss ich zu seiner Verteidigung sagen, dass seine Ohren normalerweise nicht so sehr in den Wind stehen.
Die junge Dame ganz rechts im Bild, das ist meine Tochter, also quasi ein Selbstbildnis. Das Bild kann erst vor kurzem entstanden sein, denn sie hat sich soeben erst von ihren langen Haaren getrennt.
So, ich lass das dann mal einwirken und verabschiede mich in den Tag :o)

Mittwoch, 22. Januar 2014

Der Schein trügt

Wenn man die Streitkultur unserer Kinder unter die Lupe nähme, käme man nicht so leicht auf den Gedanken, dass sich in ihren Gehirnwindungen durchaus auch Spuren von Benimmfähigkeit und Höflichkeitsempfinden nachweisen lassen. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, was da von Zeit zu Zeit an die Oberfläche treibt. Zumindest im theoretischen Teil liegt das vorhandene Potential nicht durchgehend brach, nein, es gibt sogar Beweise für ein gewisses Maß an emotionaler Intelligenz:
Vor einigen Tagen hing dieser Zettel an der Zimmertür unserer Tochter...
Die gehobene Ausdrucksweise geht übrigens nicht auf das Konto eines Erziehungsberechtigten. Sie muss das irgendwo anders aufgeschnappt haben und meint es hoffentlich nicht so, wie es sich beim Lesen anfühlt :o) Aber lieber 'ne Schippe zuviel als am falschen Ende gespart!

Wie auch immer, ich steh auf Höflichkeit und schließe mich den Worten einer Lehrerin meines Sohnes an:

Sonntag, 19. Januar 2014

früher...

Vor einigen Wochen hat sich bei meinem Sohn ein ehemaliger Mitschüler gemeldet. Die beiden waren in der Grundschule gute Freunde, haben sich aber durch den Wechsel an unterschiedliche weiterführende Schulen aus den Augen verloren. Umso erfreuter war ich, dass er sich mal wieder gemeldet hat. Die beiden verabredeten sich noch für den selben Tag. Als ich meinen Sohn am Abend abholen wollte, stellte sich heraus, dass die beiden den ganzen Nachmittag nur an der Spielkonsole gesessen hatten, die der Junge einige Tage zuvor zum Geburtstag bekommen hatte. Er brauchte also nur einen Mitspieler für sein neues 'Spielzeug'.

Beim Gehen habe ich seine Einladung dann noch mit den Worten "Du kannst auch gerne mal wieder zu uns kommen, allerdings muss man bei uns noch richtig spielen, und es kann sogar vorkommen, dass ihr mal nach draußen geht" zurückgegeben. Wir besitzen weder eine Playstation 2/3/4/5/6..., noch eine Wii oder eine XYZ-Box. Eigentlich spielen wir sowieso lieber Kniffel, Mensch-ärgere-dich-nicht, Uno oder Memory. Ja, altmodisch, und zwar gerne!

Aus diesem Grund sträubt sich in mir auch alljährlich alles gegen die anstehende Organisation der Kindergeburtstage. Ich möchte nicht mit zehn überzuckerten abgedrehten unzähmbaren Kindern ein Hallenbad stürmen, sehe keinen Sinn in einem gemeinsamen Kinobesuch, wehre mich vehement gegen museumspädagogenunterstützte Feiern und sähe die Bande sowieso am liebsten im heimischen Garten, wo sie noch vor wenigen Jahren ausgelassen kreischend und mit wachsender Begeisterung unter unseren Rasensprengern herumliefen. Wenn mich allerdings eines dieser verwöhnten, fantasie-resistenten Quengelmonster bereits mit den Worten "Gibt's auch Tüten?" begrüßt, muss ich schwer an mich halten.

Ich weiß, die Kinder können gar nichts dafür, dass man ihnen vorlebt, dass man heute nicht mehr selber feiert sondern feiern lässt, dass eigene Ideen überflüssig sind und professionelle Party-Organisatoren das alles eh viel besser drauf haben, und dass gemeinsames Spielen immer irgendein spezielles Ziel verfolgen muss, das natürlich pädagogisch möglichst wertvoll sein sollte.
In einer Zeit, in der die Kinder mit zehn Jahren bereits so übersättigt sind, weil sie alles Erdenkliche, Greifbare und finanziell Mögliche schon erlebt haben, scheint es ziemlich schwer, seinen Vorgänger zu toppen, das Erlebnis-Event "Kindergeburtstag" inhaltlich zu überbieten und zu einem Gesprächsthema zu machen, das länger anhält als jedes vorherige.

Mein Sohn war vor einigen Jahren mal zu einer Party eingeladen, bei der die Gesellschaft zunächst mit drei PKW's zu einem 25 Kilometer entfernten Indoor-Spielplatz chauffiert wurde. Nach nicht mal zwei Stunden wechselte die Gruppe in die benachbarte Bowlinghalle, um zu guter Letzt den Abend noch bei Mc. Donalds zu beschließen.
Ein anderes Mal ließ eine Mutter zwei Taxen kommen, die die Kinder zu einer Zirkusvorführung fuhren. Am Abend gab es noch für jeden die obligatorische bereits erwähnte "Tüte", deren Inhalt vorschriftsmäßig den finanziellen Wert des Geburtstagsgeschenkes um 150% überstieg.

Unsere Feiern bewegen sich im vergleichsweise mickrigen Rahmen, und zwar nicht nur, weil wir den Kredit dafür nicht bekommen :-)
Auch wenn es heute nicht mehr als zeitgemäß gilt: ich fand meine Geburtstagspartys damals immer große Klasse, und alle meine Freundinnen sind fröhlich, satt, zufrieden und bis oben hin voll mit selbstgebackenem Kuchen wieder nach Hause gegangen. Okay, niemand hat was dran verdient, und ich war auch nicht wochenlang Gesprächsthema, aber auf der nächsten Feier hatten wir wieder unseren Spaß, auch wenn Topfschlagen reloaded auf dem Programm stand...

Donnerstag, 16. Januar 2014

Der Umschlag

Unsere Tochter hat heute ihre sogenannte Schullaufbahnempfehlung bekommen. Im Klartext verbirgt sich hinter diesem Ausdruck eines der drei Worte "Hauptschule", "Realschule" oder "Gymnasium".
An dem stolzen Strahlen in ihrem Gesicht konnte ich schon von weitem ablesen, dass sie eine Realschulempfehlung bekommen hat. Einmal mehr muss ich meinen imaginären Hut vor ihr ziehen, denn dafür sie hat sich mächtig angestrengt. Und die Zuversicht, dass sie so weit kommen würde, konnten wir uns vor ein paar Jahren noch bei keinem Arzt oder Therapeuten abholen. Im Gegenteil: Die Berichte, die unsere Aktenordner füllen, lesen sich vollkommen anders, durchweg negativ und kaum ermutigend. Körperlich und geistig auf dem Niveau eines Säuglings, ohne Aussicht auf gravierende Verbesserung - um nur einen kurzen Einblick zu gewähren.
Und nun scheint plötzlich wieder eine entscheidende Hürde genommen, und sie schlägt ganz selbstverständlich einen viel begangenen Weg ein. Wer hätte das gedacht!? Ich freu' mich so...!

Mittwoch, 15. Januar 2014

Schuh-bidu

Wie ihr seht, seht ihr ein Paar Schuhe. Diese Anschaffung hat mein Mann vor einigen Tagen getätigt und sie ausdrücklich als "Familienschuhe" deklariert.
Nun könnte man vielleicht denken, wir haben alle dieselbe Schuhgröße und gönnen uns aus Kostengründen nur wechselseitig den Genuss von Hausschuhen, aber dem ist glücklicherweise nicht so. Hätte mein Mann meine Schuhgröße - korrekterweise müsste man da eher von Schuhkleine sprechen - würde er vermutlich umkippen wie eine Stehlampe ohne Sockel. Und ich kann mich noch zu gut daran erinnern, dass mir während der Schwangerschaften selbst die sieben Nummern größeren Socken meines Mannes mit abgetrennten Bündchen noch in die Haut schnitten, als dass ich Wert auf dauerhaft große Quadratlatschen legen würde. Mein Sohn hat mich schuhgrößenmäßig bereits im Alter von zehn Jahren überholt - also keinerlei Übereinstimmungen bei den acht familieninternen Füßen.
Dennoch begrüßen wir alle diese Neuanschaffung sehr. Die sicherlich genetisch bedingte Faulheit, die es uns verbietet, sich für kurze Gänge nach draußen die Schuhe korrekt anzuziehen, hat sich in unserer Familie offenbar weitervererbt. Der Einfachheit halber stürzt sich jeder, der mal kurz zum Briefkasten geht oder eine Zeitung reinholen möchte, in das größte bereitstehende Paar. So ist am ehesten gewährleistet, dass man sich auf keinen Fall bücken muss, um Schnürsenkel oder Reißverschlüsse zu benutzen. Da ein uraltes Paar ausgetretener Latschen meines Mannes fast immer im Flur steht, zählte das bisher zu unserem Lieblingsobjekt. Es war quasi dazu bestimmt, seinen Lebensabend damit zu verbringen, vier verschiedene Fußpaare über sehr kurze Strecken zu tragen.
Der einzige, dem das irgendwie missfiel, war mein Mann. Wenn es ihn zur Rauchpause nach draußen drängte, er beabsichtigte einen Korb Feuerholz reinzuholen oder nach der Sonntagszeitung Ausschau halten wollte - grundsätzlich waren seine Schuhe gerade anderweitig unterwegs. Auch das Bereitstellen eines weiteren Reinschlüpfpaares schaffte keine Abhilfe, sondern verdoppelte allenfalls sein Problem.
Da er ein treusorgender Mann ist, kam ihm also nun die Idee mit den Familienschuhen. Groß genug für alle, ohne an kleineren Füßen herumzuschlabbern, darf nun offiziell jeder diese Treter benutzen. Sie sind wunderbar warm und können im Sommer dann auch ohne Futter weiterbenutzt werden. Aber dann gehe ich sowieso am liebsten barfuß.

Sonntag, 12. Januar 2014

Nullrunde

Ich muss euch wohl nicht sagen, wie es sich mit meinem ganz persönlichen Empfinden bezüglich der Schimpftirade "Du hast doch 'nen Vogel!" verhält. Selbst der Federvieh-Gattung angehörend, gibt es für mich kaum etwas Beleidigenderes, als das Vorhandensein eines eierlegenden Mitbewohners mit dem Schwinden des Verstandes gleichzusetzen.
Warum sollte jemand, der im Besitz eines Vogels ist, nicht mehr alle Tassen im Schrank haben? Weshalb wird dem Typen, der nicht mehr alle Latten am Zaun hat, der Besitz eines fliegenden Lebewesens unterstellt? Mit welcher Berechtigung darf irgendwer behaupten, dass einer meiner Verwandten bei jemandem wohnt, der nicht ganz rund läuft?
Das entbehrt jeder Logik, Grundlage und Gerechtigkeit!

In diesem Zusammenhang möchte ich allerdings nicht unerwähnt lassen, dass es Ausnahmen gibt, bei denen bereits die offizielle Bezeichnung auf ein gewisses Niveau schließen lässt. Die Geschäftsstellen von Theo Augenbraue haben ja so ein wundervolles Programm entwickelt, das seinem Namen alle Ehre macht - man könnte nämlich durchaus behaupten: Die haben doch 'ne Elster!
Als Steuerfachangestellte durchaus der Erstellung einer Einkommensteuererklärung einigermaßen mächtig, scheitere ich alljährlich an diesem Programm, genauer gesagt an seiner wunderbaren eingebauten Plausibilitätsprüfung, die man nur unter Aufbietung seines Jahresvorrates an Nerven austricksen kann. Bei jedem Formularwechsel blinkt es sofort wieder irgendwo wichtig rot auf, und der erhobene Zeigefinger des Finanzamtsvogels warnt: "Keinen Wert erfasst - ist der Wert = 0 ?" oder "Bitte überprüfen Sie Ihre Eingabe!".

Heute musste ich mich mit einer Fehlermeldung befassen, die einige nicht ausgefüllte Felder betraf, die es auf den Papier-Formularen schon gar nicht mehr gab. Nachdem ich folgsam einige Worte in die erforderlichen Lücken geschrieben hatte, bemängelte die Kontrollkommission, dass kein entsprechender Wert erfasst wurde. Was für eine Überraschung, der Wert ist ja auch nicht vorhanden, also sozusagen Null. Ich trug das dann auch stolz in das vorgesehene Feld ein, bekam aber prompt die nächste Fehlersirene: "Wenn Sie einen Text erfassen, darf der Wert nicht Null sein."
Mooooment, habe ich das richtig verstanden? Ich werde zur Eingabe eines Textes genötigt, der dann das Nennen eines Wertes erfordert, der aber nicht Null sein darf, da dann der Text nicht erforderlich wäre. Lösche ich Text und Wert, ist plötzlich wieder der Text zwingend erforderlich, dessen Wert aber Null ist, was ja nicht sein darf....
Ähöm, während sich die Katze noch genüsslich in ihren Schwanz beißt und sich mit der Elster um die Wette dreht bis zur Kotzgrenze, deaktiviere ich mal lieber die Plausibilitätsprüfung und übermittle meine Daten an die Behörde des ewigen Schlafes. Also, wenn DIE keinen Vogel haben, dann weiß ich es auch nicht...

Liebe Grüße von eurem Blockvogel, nach Diktat ins Bett gefallen... bin sozusagen doppelt verschnupft

Freitag, 10. Januar 2014

nicht für's Leben...

Da sich meine Tochter seit einer Woche mit einer hartnäckigen Erkältung herumschlägt, bekommt sie täglich die Hausaufgaben von ihrer Freundin frei Haus geliefert. Soeben ist der letzte Schwung hier eingetroffen. Für die nachzuschreibende Englischarbeit gab es dann auch noch schnell ein paar Geheimtipps.
Mir liegt noch das Mantra im Ohr, das die Lehrerin beim letzten Elternabend herunter betete: Das Schreiben der Wörter ist momentan noch vollkommen unwichtig, es wird ausschließlich auf das Mündliche Wert gelegt – Amen.
Warum nur wundert es mich nicht, dass in der Klassenarbeit dann doch das Schreiben der Tiere verlangt wurde, obwohl sie noch am Vortag mit dem Satz „Wer die Tier-Vokabeln kennt, ist auf der sicheren Seite“ Furore machte!? Zu allem Überfluss verirrten sich offenbar auch noch Schildkröten in den Test, nebst anderen Tieren, deren Vokabeln sie noch gar nicht hatten. Und da meine Tochter kein Ninja-Fan ist, wäre sie wohl auch nicht drauf gekommen.
Naja, Hauptsache, keiner der Schüler hat alles richtig, das wäre an dieser Schule ganz sicher der Supergau. Anders lässt sich diese systematische Demotivation der Kinder für mich nicht mehr schlüssig erklären. Oder wie mein Mann es neulich bei der Sachunterrichtshausaufgabe auf den Punkt brachte: "Da ist doch schon wieder klar, dass man auf keinen Fall alles richtig haben kann!" Es ging um elektrische Geräte, und die Unterteilung in solche, wo der Strom entweder Licht, Wärme oder Bewegung erzeugt. Also zum Beispiel Lampe + Strom = Licht, Toaster + Strom = Wärme oder Ventilator + Strom = Bewegung. So weit so toll, aber wohin gehört der Fernseher? Oder das Handy? Und das Aquarium? So ein Blödsinn – der einzige Sinn dieser Aufgabe besteht in der kompletten Verwirrung des Kindes. Danke, das ist zumindest wieder einmal hervorragend gelungen. Kein Wunder, darin haben sie ja Übung!

Zur Ablenkung werde ich mich gleich mal lieber über unseren Tannenbaum hermachen. Der muss nämlich an diesem Wochenende unsere Wohnräume endgültig verlassen. Seit einigen Tagen lässt er bedrohlich die verzierten Zweige herabhängen, so dass wir die leeren Kartons für den Weihnachtsschmuck eigentlich nur noch drunter zu halten brauchen, und die Kugeln rutschen von selbst hinein.
Aber so etwas Sinnvolles würde man in der Schule niemals lernen... :o)

Dienstag, 7. Januar 2014

Schnee von gestern


Während uns die Natur hier ein beinah frühlingshaftes Bild beschert, ist es der Kanzesbunzlerin offenbar gelungen, irgendwo ein paar Schneehäuflein aufzuspüren. Die Berichte über ihr kleines Missgeschick laden zweifellos dazu ein, sie mit Hohn und Spott zu überschütten, noch dazu wenn sie mit unfreiwillig komischen Passagen á la "wir gehen von niedriger Geschwindigkeit aus" gewürzt sind.
Mutmaßungen darüber, dass Langlauf für sie wohl Neuland war... Forderungen nach den Bildern ihrer Helmkamera... die Ankündigung eines Brennpunkts... als Person öffentlichen Interesses muss sie da wohl durch - und lächelt tapfer weiter.

Frau Sch. hat's da schon schwerer, und was sich momentan um ihren Mann herum abspielt, ist wirklich ziemlich geschmacklos. Wollen wir als breite Masse denn tatsächlich um jeden Preis genauestens informiert werden? Oder sollten wir nicht - gerade als 'Bewunderer' eines Prominenten - diesem seine Privatsphäre lassen, erst recht in einer lebensbedrohlichen Situation, die auch sein direktes privates Umfeld extrem belastet?
Was gibt uns das Recht, um jeden Preis Informationen einzutreiben und weiterzuverbreiten, nur weil es sich um eine berühmte Person handelt?
Ich fand es von Anfang an ziemlich befremdlich, in den Nachrichten derart genau informiert zu werden über diesen Unfall, die Art der Verletzung, seinen Zustand usw.
Als anmaßend, fehl am Platz und dreist empfinde ich aber auch die umgehend erfolgenden Spekulationen über den genauen Hergang des Sturzes und sein vorausgegangenes eventuell leichtsinniges Verhalten.

Dass ein Reporter bemüht sein muss, so schnell wie möglich an die interessantesten Neuigkeiten zu kommen, leuchtet mir ja ein. Dass er dabei auch mal unkonventionelle Wege gehen muss, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein, muss man wohl auch hinnehmen. Trotzdem finde ich, dass man einem Menschen, der lebensgefährlich verletzt im Koma liegt, etwas mehr Respekt entgegenbringen sollte (auch wenn die meisten seiner Fans wohl am liebsten eine Live-Cam auf der Intensivstation installieren würden).

Da müssen wir nicht erst warten, bis die Ehefrau sich gezwungen sieht, uns daran zu erinnern, wie unmöglich wir uns verhalten.

Sonntag, 5. Januar 2014

vor Lachen gegugelt


Die leeren Kisten für den Weihnachtsschmuck stehen schon bereit, und die zusätzlichen Qaudratmeter Platz im Wohnzimmer, die momentan noch der Tannenbaum beansprucht, könnte ich ja auch ganz gut gebrauchen, aber trotzdem wäre es viel zu schade, das arme Bäumchen schon wieder zu plündern und dann nackt nach draußen in den Garten zu werfen.
In diesem Jahr ist es nämlich besonders schön, und deshalb habe ich es noch nicht übers Herz gebracht, mich von ihm zu trennen.

Umso mehr schmerzt es mich, dass die Suche bei Google nach "Weihnachtsbaum hässlich" bereits fünf (!) Treffer auf MEINER Seite ergab. Die Wege des www sind unergründlich...
Die tun ja gerade so, als hätte ich unseren Baum dieses Mal selbst gebastelt - was natürlich die Zuordnung der Suche zu meiner Seite rechtfertigen würde.

Meine Treffersuchbegriffe sind aber auch sowas von unspektakulär, die könnte ich glatt noch in der Apotheke als Einschlafhilfe verkaufen. Rezeptfrei. Und ich bezweifle sehr stark, dass der Blockvogel befriedigende Antworten auf Anfragen wie "5-zackigen Stern basteln" oder "Laubsägearbeiten Nikolaus" geben konnte. Auch nach "Hinternkeksen" ist bei mir geforscht worden, und zwei Personen fanden hier Rat zum Statement "Kollege verknallt" - oder eben auch nicht!

Sucht ruhig weiter in meinen Einträgen nach Antworten auf eure brennendsten Fragen, forscht nach den besten Basteltipps und den schönsten Backrezepten. Ich werde mich bemühen - zumindest werden meine Mal- und Klöppelergebnisse auch in Zukunft für einen Lacher gut sein. Vielleicht verfolgt Google ja auch gar kein gewichtigeres Ziel.
Weihnachtsbaum SCHÖN

Freitag, 3. Januar 2014

Pfannen-Wende

Das neue Jahr hat nun auch schon wieder etliche Stunden auf dem Buckel, also bereits ausreichend Gelegenheit, alle gefassten Vorsätze wieder über Bord zu werfen. Ob weniger rauchen und mehr Sport, oder doch lieber umgekehrt, dem Jahr ist das egal, und wenn man es fragen würde, vielleicht würde es sogar sagen, dass es lieber nicht der Dreh- und Angelpunkt für geplante Veränderungen, Rückblicke und Vorausschauen in die Zukunft wäre, sondern wie alle anderen ein ganz normaler Kalendertag.
Ich bin zwar vollkommen unvorsätzlich in dieses Jahr gerutscht, kam aber um einige Traditionen nicht herum. So veranstalten wir mit den Kindern alljährlich das Bleigießen - und zwar so lange bis etwas anderes dabei herauskommt als lauter kleine tropfenförmige Stückchen, die wie Tränen, Dornen oder Popel aussehen. nein, solchen Symbolen verweigern wir uns. Ihre Bedeutung steht ja sowieso nicht auf der Packung!
Ich habe mir in diesem Jahr eine 1A - Pfanne geklöppelt. Ehrlich. Und laut Beipackzettel heißt das nicht, wie man vielleicht meinen könnte, dass ich einen an selbiger habe. Neee, es bedeutet oder orakelt oder befiehlt, nein es rät mir, mich nicht in andere Angelegenheiten einzumischen. Warum Pfanne, keine Ahnung, vielleicht getreu dem Motto "Viele Köche verderben den Brei"...
Hier ist sie jedenfalls:
Mein Mann hat sich dazu passend eine Schüssel gegossen. Könnte auch als Helm durchgehen, wer weiß das schon so genau. Die Bedeutung hab ich gleich mal wieder verdrängt, war sicher irgend was langweiliges, oder etwas das ich nicht hören will.
Aber es waren ja noch weitere Teile dabei, zum Beispiel dieses Etwas:
Unromantisch wie ich bin - oder nahrungszufuhrorientiert - habe ich das sofort als Gabel identifiziert. Der Vorschlag meines Mannes war da wesentlich weniger plump, er meinte, das sei ein Paar. Womit er natürlich Recht hat, es sind zwei miteinander verbundene Menschen, die einander die Köpfe zuwenden. Hach, sehr schön!
Viel Neid bei den Kindern erzeugte er dann noch mit diesem Exemplar, einer Art Umhang, Spiegel oder Tarnkappe:
Der Trick daran ist, das Blei auf den Schüsselrand zu kippen. Ich verrate das mal, bevor ihr an den Kopierversuchen verzweifelt.
Mir persönlich hat aber auch sein Stier sehr gut gefallen, obwohl ich gar nicht mal besonders tierlieb bin:
Ich denke auch nicht, dass diese selbst gemachten Orakel viel Einfluss auf mein Verhalten hier nehmen werden. Ich werde mich wohl trotz allem weiterhin ungefragt in eure Belange einmischen, meinen Senf gleichmäßig auf eure Blogeinträge verteilen und meine möglicherweise unerwünschte Meinung schonungslos ehrlich absondern. Wie gesagt, keine Vorsätze ;-)

Allerdings werde ich den Tipp insofern beherzigen, dass ich versuche, mir nicht mehr all zu viele Gedanken über den gewaltsamen Tod meines Bekannten zu machen. Es gibt Dinge, die kann man nun mal nicht begreifen, und manches ist auch einfach viel zu persönlich, als dass man sich diesen Begebenheiten all zu sehr nähern sollte. Was wissen wir letzten Endes schon von unseren Mitmenschen!? Womöglich weniger, als uns verborgen bleibt...